VonIngrid Zeilingerschließen
Sein Großvater war einst Bürgermeister, sein Onkel ist Dritter Bürgermeister: Nun will Philipp Heimerl in ihre Fußstapfen treten. Er bewirbt sich für die SPD um das Amt des Oberbürgermeisters – um die Stadt in die Erfolgsspur zu bringen.
Fürstenfeldbruck – Man könnte fast sagen, das politische Engagement ist Philipp Heimerl in die Wiege gelegt worden. Sein Großvater Simon Heimerl war von 1982 bis 1990 Bürgermeister von Grafrath. Und sein Onkel Manfred Heimerl ist in Mammendorf Dritter Rathauschef. Kein Wunder, dass Philipp Heimerl schon in jungen Jahren seine ersten Schritte im Ehrenamt tat. „Ich bin Stück für Stück in die Politik hineingewachsen“, sagt der 33-Jährige. Über St. Magdalenas Ministranten, sechs Jahre Vorsitz im Kreisjugendring und vier Jahre Stadtjugendrat führte ihn der Weg vor neun Jahren in den Stadtrat.
Die größte Schnittmenge fand Heimerl, der auch Ortsvorsitzender der Arbeiterwohlfahrt ist, bei der SPD. „Wenn wir als Stadt erfolgreich sein wollen, müssen wir jeden mitnehmen.“ Das Ideal einer inklusiven Gesellschaft will er in Bruck verwirklichen. Auf dem Weg dorthin sieht er vier drängende gesamtstädtische Themen: den Wohnungsbau, Gewerbeansiedlungen, Mobilität und die Klimawende. Und sie alle greifen ineinander.
Berufliche Erfahrung
Etwa bei der Stadtplanung: Denn der neue Oberbürgermeister wird mit den Ergebnissen des städtebaulichen Wettbewerbs für den Fliegerhorst arbeiten. „Es soll schon in Richtung eines gemischten neuen Stadtviertels gehen“, sagt Heimerl. Es brauche Arbeitsplätze, um mehr Gewerbesteuer zu akquirieren, aber genauso bezahlbaren Wohnraum. „Ich gehe nicht davon aus, dass wir es als Stadt alleine stemmen können.“ Es komme auf ein Miteinander mit den drei Anrainern an, auf Kooperationen mit privaten Entwicklern. Und das neue Viertel dürfe den anderen Stadtteilen nichts wegnehmen.
Bei der Umsetzung baut er auf seine berufliche Erfahrung. Denn das Münchner Büro für Dialog- und Genehmigungsmanagement, in dem Heimerl arbeitet, befasst sich mit Immobilien- und Infrastrukturprojekten. Er begleitet Bauleitplanungen, Wohnprojekte ab 2000 Wohnungen, aber auch die Situierung von Stromtrassen. „Das hat mir gezeigt, wie Projekte gut umsetzbar sind.“ Und dass es wichtig sei, die Bürger frühzeitig einzubinden.
Tempo bei Wohnungen
Apropos Wohnungen: Hier will Heimerl als Rathauschef aufs Tempo drücken. Dass die ewige Baugrube Am Sulzbogen immer noch klafft, ärgert ihn. Hier hätte die Stadt selbst längst bauen können. Andere Beispiele zeigten: „Sobald eine Gemeinde ein eigenes Grundstück hat, lohnt sich so ein Bau.“ Dass inzwischen die Wohnungsbaugesellschaft des Landkreises erste Projekte umsetzt, freut den SPD-Mann. „Aber es wäre genug zu tun für den Landkreis und die Stadt, um sozialen Wohnungsbau zu fördern.“ Als Beispiel nennt er das Baugebiet am Krebsenbach und Genossenschaften.
Im Bereich der Mobilität soll mehr für Fußgänger und Radfahrer geschehen. Zentrales Problem bleibt die B 2 mitten durch die Innenstadt. „Man müsste sich nochmal anschauen, ob eine neue Verkehrsführung nötig ist“, sagt Heimerl. Oder eine formelle Verlegung, wie bei der Schöngeisinger Straße.
Die kurze Bewerbungsrede
Ich bin der richtige Oberbürgermeister für Fürstenfeldbruck, weil ich aufgrund meiner beruflichen Erfahrung, die mich in viele verschiedene Kommunen geführt hat, einen großen Einblick bekommen habe, was Städte brauchen, um gut zu funktionieren. Ich habe einen offenen Blick auf die Stadt Fürstenfeldbruck und möchte Angebote für die Bürger schaffen, damit sie auch gerne hier leben. Ich bin in Fürstenfeldbruck aufgewachsen und habe durch verschiedene ehrenamtliche Tätigkeiten und dort eingebundene Personen gelernt, dass wir, wenn wir zusammen arbeiten, die Stadt zum Erfolg führen können. Mein Amt werde ich in drei Jahren zur Verfügung stellen. Ein dauerhafter Wahlkampfmodus führt nach meinen bisherigen Erfahrungen nicht zu guten Ergebnissen für die Stadt.
Als Herausforderung sieht er den Plan des Stadtrats, im Jahr 2035 klimaneutral zu sein. Mehr Grün im Stadtbild, energetische Optimierung, mehr Solarzellen: „Es wird sicher nicht einfach werden, aber ich fühle mich an das Ziel gebunden.“ Man müsse gezielt an Stellschrauben drehen und auch größere Unternehmen einbinden.
Steht da die Eishalle als Klimasünde im Kontrast? Nein, sagt Heimerl. Vielmehr will er eine gemeinsame Lösung für Schwimmbad und Eishalle finden. Ein Energieverbund sei besser als die offene Fläche. „Ein dauerhaftes Provisorium sorgt nur für Frust.“ Und im Straßenwahlkampf habe er erlebt: „Das ist etwas, das die Fürstenfeldbrucker bewegt.“ Viele hätten wie er im Eisstadion das Schlittschuhlaufen gelernt.
OB als Diplomat
Bei all diesem Themen müsse der Oberbürgermeister die verschiedenen Interessen aufnehmen und mit den Beteiligten ins Gespräch kommen. Aber seien Entscheidungen getroffen, müssten diese auch klar kommuniziert werden. „Der OB muss Diplomat und durchsetzungsfähig sein, damit am Ende das beste Ergebnis für die Stadt entsteht.“ Dass der finanzielle Spielraum nicht groß ist, weiß Heimerl. „Aber es ist manchmal nicht so schlimm, wie wir es darstellen.“ Man müsse klar entscheiden, welche Projekte man umsetzen wolle.
Mit 33 Jahren ist Philipp Heimerl, der gerne liest und morgens öfter mal im Pucher Meer schwimmt, im Kreis der Kandidaten einer der Jüngsten. Doch bei seiner zweiten Kandidatur gehe er ein paar Dinge gelassener an. „Ich bin genauso gespannt und angespannt“, gibt er zu. „Aber ich bin sechs Jahre älter und erfahrener.“
Die Serie
Am 5. März wird der neue Oberbürgermeister von Fürstenfeldbruck gewählt. Das Tagblatt stellt die Kandidaten in alphabetischer Reihenfolge vor. Weitere Infos rund um die Wahl findet man auch auf der Internetseite www.merkur.de/fuerstenfeldbruck.
