Was kommt in punkto Denkmalschutz bei der Fliegerhorst-Konversion auf die Stadt Fürstenfeldbruck zu? Ein Experte hat dazu nun eine umfangreiche Studie vorgelegt.
Fürstenfeldbruck – Nagelfluh-Stein, Rauputz, Kolossalstützen oder Abkragungen auf Konsolen – all diese Bauelemente sind typische Merkmale für den Stil der Gebäude im Fliegerhorst. Sie ermöglichen sozusagen einen unverstellten Blick in die Entstehungszeit der nachmaligen „Wiege der Luftwaffe“. Der Fliegerhorst wurde ab 1935 vom NS-Regime angelegt und ein Jahr später eröffnet.
Zwei Jahre lang, von 2014 bis 2016, hat der Architekt und Kunsthistoriker Matthias Wieser die dortigen Gebäude auf den Aspekt Denkmalschutz hin untersucht. Seine Bestandsaufnahme des Status quo stellte er den Stadträten im Konversionsausschuss vor. Drei Komponenten machte Wieser in der Konzeption des Fliegerhorstes aus: einen handwerklichen Heimatstil, Elemente der sogenannten bayerischen Postbauschule in der Linie der Neuen Sachlichkeit und eine teils reich dekorierte Innenausstattung, erinnernd an „Mittelalter und Burgenbautradition“.
Der Fürstenfeldbrucker Fliegerhorst ist ein voll erhaltenes Gesamtwerk
Erkenntnisse der Untersuchungen Wiesers: Bei dem Ensemble der ehemaligen Luftkriegsschule mit dem Hörsaaltrakt, Aula und dem Paradeplatz habe sich seit der Entstehung fast nichts verändert. Gleiches gilt für den Sportbereich im Norden mit Turnplatz und -halle sowie dem Schwimmbad. Die gesamte Anlage, die Gebäude außen und innen seien ein voll erhaltenes Gesamtwerk. „Hier ist die Zeit stehen geblieben“, sagt Wieser. Bei den beiden Anlagen seien keine Zubauten und nur marginale Veränderungen möglich.
Beim ebenfalls denkmalgeschützten so genannten Kilometerbau seien dagegen Zubauten und Veränderungen innerhalb der Gebäude möglich. Generell steht der Denkmalschutz einer Nutzung aber nicht im Wege, betont Wieser: „Eine Nutzung eines Baudenkmals dient ihrem Erhalt.“ Denkbar wäre für den Fachmann zum Beispiel die Nutzung der Hörsaal-Trakte in ihrer ursprünglichen Funktion.
Teile von Fursty könnten laut Experte in die Denkmalliste eingetragen werden
Wieser sieht für einige weitere Gebäude die Möglichkeit, dass sie in die Denkmalliste eingetragen werden. Das exotischste davon ist die alte Schäferei. Heute dient der alte Holzstall als Baustofflager, früher wurden darin Schafe gehalten, welche die Grasnarbe der Rollbahn abweideten und so kurzhielten. Kritisch rezipiert wurde Wiesers Vergangenheit-Zitat von Stadtrat Andreas Ströhle: „Die Zeit steht nicht still, wir wollen einen neuen Stadtteil daraus machen.“ Die Frage des BBV-Politikers: Warum müsse man so große Gebäudeteile als „sakrosankt“ behandeln? Seine Studie, erklärte Wieser, sei nur eine Entscheidungsgrundlage.
Die Herausforderung sei nun, etwas Neues zu konzipieren. Pfleglich behandelt werden soll nach Ansicht vieler Stadträte jedenfalls die von Andreas Lohde (CSU) angesprochene kleine Fliegerhorst-Kirche. Dafür brauche es auch keinen Denkmalschutz, meint Uli Schmetz (SPD): „Wir brauchen sie ja nur so behandeln, als ob sie geschützt wäre.“ Da wahrscheinlich keine Religionsgemeinschaft das Kirchengebäude übernehmen will, wurde von den Stadträten schon orakelt, man solle das Gotteshaus selbst kaufen. Eine Weiternutzung in ursprünglicher Funktion könnte sich Lohde bei der von den Amerikanern errichteten Grundschule vorstellen. Diese sei noch in „ordentlichem Zustand“.
Die Studie zum Fürstenfeldbrucker Fliegerhorst
von Matthias Wieser kann als Buch ab Donnerstag, 14. September, im Buchhandel (ISBN 978-3-9817864-1-5) oder am Info-Point im Rathaus gekauft werden. Bestellungen per Mail an Nicole.Karpen-Klein@fuerstenfeldbruck.de. Eine kleine Ausstellung mit den Ergebnissen der Untersuchung kann vom 14. September bis 5. November im Erdgeschoss des Rathauses besichtigt werden.
von Fabian Dilger