US-Präsidenten-Maschine

Die Air Force One: Joe Bidens G7-Anreise mit dem berühmtesten Flieger der Welt

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Mit eigener Militärbasis und in der Luft betankbar: Die Air Force One ist ein besonderes Flugzeug - und weltberühmt. Alle Infos zur Maschine, mit der Joe Biden zum G7-Gipfel reist.

München – In wenigen Tagen setzt das wohl berühmteste Flugzeug der Welt zur Landung in Bayern an: die Air Force One. Die Maschine der US-Regierung fliegt Joe Biden an den Münchner Flughafen, von wo aus es für den amerikanischen Präsidenten per Hubschrauber weiter ins Werdenfelser Land geht. Vom 26. bis 28. Juni 2022 nimmt Biden dort am G7-Gipfel 2022 in Elmau teil. Seine Boeing 747 wird derweil im Erdinger Moos geparkt und wartet auf die Rückkehr des Präsidenten.

RufzeichenAir Force One
ModellBoeing 747-200B mit der USAF-Bezeichnung VC-25A
Erstflugerste Maschine am 6. September 1990, zweite Maschine am 26. März 1991

Um die Air Force One ranken sich zahlreiche Mythen – insbesondere die Details zu der technischen Ausstattung des Boeing-Jets liegen weitestgehend im Dunkeln. So viel ist aber klar: Dank zahlreicher und aufwendiger Umbauten ist die Air Force One wohl eines der best geschützten Flugzeuge der Welt.

G7-Gipfel 2022 in Elmau: Joe Biden reist mit Air Force One nach Bayern

Dabei ist der Jumbo-Jet eigentlich schon ein Oldie: Die Staatsmänner der USA reisen mit der Langstreckenversion der Boeing 747-200B des Typs VC25A bereits seit den frühen 1990er Jahren um die Welt. Die US-Regierung besitzt zwei der geräumigen Airliner, die baugleich angefertigt sind. Je nachdem, ob Joe Biden persönlich oder seine Stellvertreterin Kamala Harris an Bord sind, werden die Flieger als Air Force One oder Air Force Two bezeichnet.

Seit den frühen 1990er Jahren stehen zwei umgebaute Boeing 747-200B-Maschinen den US-Präsidenten als Staatsflieger zur Verfügung.

Zum Schutz des Präsidenten sind die Flugzeuge mit höchsten Sicherheitsstandards ausgestattet. Es kann angenommen werden, dass die Air Force One über ein Selbstschutzsystem verfügt, das sie im Fall eines Terrorangriffs vor Raketen bewahren kann. Außerdem gibt es an Bord moderne Kommunikationseinrichtungen und eine komplette militärische Operationsbasis. Schließlich muss der Präsident in Kriegs- oder Krisenzeiten von der Luft aus Entscheidungen treffen und Anweisungen an Militär und Geheimdienste geben.

Die Air Force One: Seit den 1990ern ist die Boeing 747 die zuverlässige US-Präsidenten-Maschine

Die Reichweite der Air Force One beträgt 12.500 Kilometer. Die Maschine kann aber noch länger in der Luft bleiben, weil sie sich während des Flugs betanken lässt. Dazu fliegt ein Tankflugzeug vor und versorgt die Boeing von der Luft aus mit Treibstoff. So kann die Boeing 747 theoretisch mehrere Tage am Stück in der Luft bleiben. Nur der Ölverbrauch der vier Triebwerke setzt dem Jet nach Meinung von Experten irgendwann ein Limit. Wie die Neue Züricher Zeitung schreibt, ist die Flugzeit daher auf maximal 70 Stunden begrenzt.

Neben dem Tankflugzeug wird die Air Force One in der Regel von Frachtflugzeugen begleitet. Wie der ehemalige US-Präsident Barack Obama bei seinem Besuch des G7-Gipfels 2015 in Elmau zeigte, kann daher selbst die eigene Staatskarosse mit auf Auslandsreise gehen. Dass es ihm Biden gleichtut und bei dem Gipfeltreffen 2022 samt gepanzerter Limousine in München einfliegt, ist zwar nicht bestätigt, aber sehr wahrscheinlich. In diesem Fall bringt ein eigenes Transportflugzeug seinen berühmten Dienstwagen „The Beast“ nach Übersee.

Der ehemalige US-Präsident Barack Obama reiste 2015 mit der Air Force One zum G7-Gipfel nach Deutschland.

Im Passagierraum der Boeing 747 sind Komfort und Platz keine Mangelware. Insgesamt können 102 Menschen in der Air Force One mitreisen. Allein für die Crew gibt es 23 Plätze, darüber hinaus können bis zu 70 Fluggäste befördert werden. Freilich gibt es für die Präsidenten und deren Ehepartner eigene Schlafräume, außerdem Konferenz- und Ruheräume sowie Plätze für Journalisten. Im medizinischen Notfall kann einer der Räume zum Krankenzimmer mit OP-Tisch umgebaut werden.

Nachfolger für die Air Force One

Im Januar 2009 begab sich die US Air Force auf die Suche nach einem Nachfolgemodell Air Force One. Es sollten zwei neue Flugzeuge angeschafft werden, wobei schnell die Boeing 747-8 als mögliches Ausgangsmodell für die Präsidentenmaschine im Gespräch war. 2018 wurden sie offiziell als Air Force One-Nachfolger auserkoren und derzeit entsprechend umgebaut. Wie die amerikanische Luftwaffe im Januar 2020 mitteilte, sollen die neuen Flieger „für die nächsten 30 Jahre“ als „fliegendes weißes Haus“ dienen. Unter anderem der Stern berichtet, dass die neuen Jets wohl Ende 2025 geliefert werden.

Joe Biden reist mit Air Force One zum G7-Gipfel 2022

Deutschland erwartet den nächsten Besuch der Air Force One – und damit den von Joe Biden – am Samstag, 25. Juni. Der US-Präsident reist bereits einen Tag vor Beginn des Gipfeltreffens in München an, um von dort weiter nach Elmau zu fliegen. Auch die Regierungschefs von England, Frankreich und Deutschland kommen schon am Samstag nach Bayern. Die anderen G7-Teilnehmer werden am Sonntag erwartet.

Der Plan ist, dass die Politiker in Hubschraubern ins Werdenfelser Land geflogen werden, wo ein eigener Landeplatz errichtet wurde. Wenn das Wetter nicht mitspielt und die Sicht zu schlecht zum Fliegen ist, muss allerdings per Autokonvoi nach Schloss Elmau gefahren werden. Daher sind bereits weiträumige Straßensperren in München und zwischen der Landeshauptstadt und dem Gipfelort anberaumt.

Besondere Sicherheit am Flughafen München - Landung der Air Force One an einem Punkt zu beobachten

Trotz des hochkarätigen Staatsbesuchs bricht an dem Flughafen im Erdinger Moos allerdings keine Panik aus – immerhin hat man dort mit politischer Prominenz und den damit verbundenen Sicherheitsanforderungen viel Erfahrung. Der jüngste Empfang von US-Regierungsvertretern am Münchner Flughafen war der von Kamala Harris am 17. Februar 2022. Die amerikanische Vizepräsidentin landete am Vorabend der Münchner Sicherheitskonferenz in München, wo sie von Markus Söder begrüßt wurde.

Auch wegen des G7-Gipfels 2015, der ebenfalls auf Schloss Elmau stattfand, kennt man sich am Münchner Flughafen mit dem Empfang von Staatsbesuch aus. So ist man auf alles vorbereitet: Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, wird den Politikern bei ihrer Ankunft im wahrsten Sinne der rote Teppich ausgerollt. Außerdem sollen Trachtler und Gebirgsschützen auftreten, um die Prominenz nach ihrer Landung in Bayern gebührend willkommen zu heißen.

Wenn Joe Biden am Samstag mit der Air Force One auf München zusteuert, lässt sich das übrigens von einem Aussichtshügel aus beobachten: An der Südbahn des Münchner Flughafens, zwischen Schwaig und Hallbergmoos, ist der Blick auf das Vorfeld mit den Präsidentenmaschinen frei. Die genaue Ankunftszeit des US-Präsidenten ist allerdings nicht bekannt. Auch am Flughafen selbst wird aus Sicherheitsgründen nichts von dem Aufgebot der politischen Prominenz zu sehen sein. (kuc)

G7 und Co.: Bilder der Proteste gegen die Globalisierung

Gewaltsame Proteste gegen die WTO-Konferenz in Seattle im Jahr 1999.
Internationale Gipfel lösen seit Jahrzehnten immer wieder gewaltsame Proteste aus. Den Anfang machte einst Seattle. In der Stadt im Nordwesten der USA tagte im Jahr 1999 die Welthandelsorganisation (WTO). 40.000 Protestierende kamen in der Stadt zusammen und lieferten sich tagelang Straßenschlachten mit der Polizei. Sogar die Nationalgarde kam kurzzeitig zum Einsatz. Die Auseinandersetzungen gingen als „Battle of Seattle“ in die Geschichte ein und beschäftigten in den USA noch über Jahre hinweg die Gerichte. © Imago
Demonstranten gegen die WTO-Konferenz 1999 in Seattle verbrennen amerikanische Geldscheine als Protest gegen den Kapitalismus.
Vor allem junge Menschen kamen 1999 in Seattle zusammen, um gegen Kapital und Welthandel zu demonstrieren. Eine Gruppe Jugendlicher zündete sogar Dollarscheine an, um ihren Protest gegen die neoliberale Weltordnung, getragen von den USA, zum Ausdruck zu bringen. Die unglaublich hohe Zahl der Demonstrierenden bei besagten Protesten gegen die WTO in Seattle überraschte die Behörden und erwischte Polizei und Stadtverwaltung vollkommen unvorbereitet. Zu den Kundgebungen und Protestaktionen hatten im Vorfeld zahlreiche unterschiedliche Gruppierungen aus dem linken Spektrum aufgerufen: Anarchisten, Gewerkschaften, Umweltaktivisten und viele mehr. Systemkritische und linksradikale Gruppen feierten die Proteste in Seattle als Erfolg - und als Geburtsstunde des Begriffs der Globalisierungsgegner. © Imago
Maskierte Demonstranten werfen während eines Protestes gegen das IMW/Weltbank-Tagung in Prag 2000 Kopfsteinpflaster in Richtung Polizeibeamte.
Was im Jahr 1999 seinen Anfang in Seattle fand, setzte sich ein Jahr später in Prag vor. Dort tagten im Jahr 2000 der Internationale Währungsfonds und die Weltbank. Mehr als 12.000 Demonstranten lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei. Mehr als 900 Demonstranten wurden festgenommen. Die Demonstranten versuchten mit Straßenbarrikaden und Molotow-Cocktails die Straße zum Prager Kongresszentrum zu blockieren. Den Protesten wohnten auch autonome Gruppen aus ganz Europa bei. Die Anti-Kapitalismus-Demonstranten nutzten auch das Kopfsteinpflaster der Straßen, um diese nach den eingesetzten Polizeikräften zu werfen. © Tomas Zelezny/dpa
Tagung von IWF und Weltbank - Erschöpfte Polizisten
Vor allem rund um das Kongresszentrum in Prag, indem Weltbank und Internationaler Währungfsfonds ihre Versammlungen abhielten, eskalierte die Situation. Während der Zusammenstöße in der Innenstadt wurden 65 Polizeibeamte und 20 Demonstranten verletzt. Berichten zufolge kam es zu Angriffen auf Journalisten. Im Prager Zentrum wurden einige Schaufenster von Läden zerstört. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein, um Aktivistengruppen davon abzuhalten, den Tagungsort des Gipfels zu erreichen. Trotz der großen Polizeipräsenz gelang es den Demonstranten, dass die Gipfel von IWF und Weltbank noch vor dem Ende abgebrochen werden mussten. Hier zu sehen sind erschöpfte Polizisten, die sich nach Zusammenstößen vor dem Prager Kongresszentrum ausruhen. Gefährlichere Auseinandersetzungen mit der Polizei gab im Jahr darauf in Göteborg.  © Stanislav Peska/dpa
Protest gegen EU-USA-Gipfel
Eine noch größere Dimension als die Demonstrationen in Prag erreichten die Proteste gegen den EU-Gipfel in Göteborg im Jahr 2001. Ziel des Treffens war die Reform und Erweiterung der Europäischen Union sowie die Entwicklung einer Nachhaltigkeitsstrategie. Für den Zeitraum des Treffens am 15. und 16. Juni wurden 25.000 Demonstranten erwartet. Die schwedische Polizei war den Ausschreitungen von EU- und US-Gegnern, Anti-Kapitalisten und Globalisierungsgegnern nicht gewachsen. Sie besaß keine Wasserwerfer und setzte kein Tränengas oder Gummigeschosse ein. Als die Polizei am Morgen des 14. Juni das Hvitfeldtska-Gymnasium umstellte, wo mehrere hundert Aktivisten ihr Quartier aufgeschlagen hatten, nahmen die Ausschreitungen ihren Anfang. © Anja Niedringhaus/dpa
EU-USA-Demonstration
Während des Protestmarsches kam es zu Zusammenstößen zwischen der schwedischen Polizei und den Demonstranten. Stühle und Tische aus Cafés wurden als Barrikaden genutzt und von Demonstranten am Freitag, 15. Juni 2001 in Brand gesteckt. Bei den Zusammenstößen wurden mehr als 150 Menschen verhaftet und 36 verletzt.  © Johan Framst/dpa
G 8 Gipfel Genua Demonstrant
In der italienischen Hafenstadt erreichten im Jahr 2001 sowohl die Präsenz als auch die Gewalt der Anti-Globalisierungsproteste eine neue Dimension. Der 27. G8-Gipfel in Genua wurde von heftigen Ausschreitungen überschattet. Schätzungsweise 200.000 Demonstranten kamen nach Genua. Nach Zusammenstößen mit der Polizei und nächtlichen Razzien von Sicherheitskräften beklagten die festgenommenen Personen schwere Misshandlungen durch die Behörden. Die Polizei wurde beschuldigt, brutal vorgegangen zu sein, das Recht auf gewaltfreien Protest verweigert zu haben und die Situation absichtlich eskaliert zu haben. Die italienische Regierung setzte sogar das Schengener Abkommen für die Dauer des Gipfels außer Kraft, um die Bewegungen der Demonstranten aus der gesamten EU zu überwachen. Ausschreitungen konnten damit jedoch nicht verhindert werden.  © Louisa Gouliamaki/dpa
G 8 Gipfel Genua
Im Gegenteil, die Proteste schlugen in brutale Gewalt um. 329 Demonstranten wurden festgenommen. Insgesamt wurden in Genua über 400 Demonstranten und 100 Sicherheitskräfte verletzt. Am 20. Juli wurde der 23-jährige Aktivist Carlo Giuliani aus Genua bei Zusammenstößen mit der Polizei erschossen. Er näherte sich dem Fahrzeug eines italienischen Polizisten mit einem Feuerlöscher. Der Polizist eröffnete das Feuer und traf Giuliani. Anschließend wurde der Aktivist noch zweimal von einem Polizeifahrzeug überfahren. Gegen zahlreiche Polizisten sowie lokale und nationale Beamte wurde im Zusammenhang mit der Veranstaltung ein Verfahren eingeleitet. In einem Prozess mussten sich 28 Polizeibeamte wegen der beiden nächtlichen Razzien vor Gericht verantworten. Ihnen wurde Rechtsbeugung, übermäßige Gewaltanwendung und Unterschlagung von Beweisen vorgeworfen. Auch wegen Misshandlung wurde gegen 45 Staatsbedienstete ermittelt. Es sollte nicht der letzte G8-Gipfel mit schweren Ausschreitungen gewesen sein.  © Luciano Del Castillo/dpa
Jahresrückblick - G8 - Großdemonstration
Denn im Jahr 2007 setzte sich die Gewalt beim 33. G8-Gipfel in Heiligendamm fort. Während sich die Staats- und Regierungschefs der acht größten Industrienationen im Grandhotel Heiligendamm berieten, eskalierten Großproteste gegen die G8, darunter auch die Auftaktdemo in Rostock. Ausgelöst durch militante Demonstranten kam es zu Straßenschlachten zwischen Polizei und Autonomen mit fast 1000 Verletzten. Die Schätzungen der Teilnehmerzahlen variieren von 25.000 bis 80.000. Abseits dieser friedlichen Demonstration kam es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen etwa 2000 Autonomen des sogenannten „schwarzen Blocks“ und 5000 Polizisten. Barrikaden wurden errichtet und angezündet, Polizeifahrzeuge wurden mit Steinen beworfen. Die Einsatzkräfte setzten daraufhin Wasserwerfer ein - gegen militante, aber auch gegen friedliche Demonstranten. Ziel der Polizei war es nach eigenen Angaben, die Protestierenden von dem Kundgebungsplatz zu vertreiben und so das Löschen der Brände zu ermöglichen.  © Kay Nietfeld/dpa
G8 - Wasserwerfereinsatz
Während des G8-Gipfels in Heiligendamm sollen rund 1000 Demonstranten festgenommen worden sein. Am Tag des Gipfelbeginns gelang es mehreren tausend Demonstranten trotz des Demoverbots bis in die Nähe des Absperrübungszauns zu gelangen und sämtliche Zufahrtswege zu blockieren. Ein vermeintlicher Anstifter der Polizei soll Demonstrationsteilnehmer bei der Blockadeaktion fotografiert haben. Der mutmaßliche „Agent Provocateur“ soll die Demo angestachelt haben. Ähnliche Vorwürfe gegen die Ordnungshüter gab es auch Jahre zuvor bei den Gewaltorgien in Genua. Nachdem die Polizei zunächst jeglichen Einsatz von Zivilbeamten geleugnet hatte, gab sie später zu, dass der aus der Demo ausgeschlossene Mann ein Zivilbeamter war. Zudem verlor ein Mann bei einem Wasserservereinsatz vor dem Tagungsgelände sein linkes Augenlicht. Das wohl bekannteste Protestbild entstand jedoch ein Jahrzehnt später bei den G20-Protesten in Hamburg 2017.  © Kay Nietfeld/dpa
Jahresrückblick 2017
Den Titel hat dieses Bild der G20-Demonstrationen 2017 in Hamburg inne. Am 07.07. kletterte eine Frau auf die Fronthaube des Sonderwagens „SW4“ der Polizei beim Gorch-Fock-Wall in Hamburg und wurde daraufhin von zwei hessischen Polizisten mit Pfefferspray besprüht. Es hatte drei Strafanzeigen zu dem Vorfall gegeben, alle drei seien geprüft worden. Die Staatsanwaltschaft wertete das Handeln der Polizisten als rechtmäßig. Über den Zeitraum von sechs Tagen fanden mindestens acht gesonderte Protestaktionen und Demonstrationen in Hamburg statt. Einige davon waren friedlicher Natur, während andere das gegenteilige Ziel verfolgten. Die mit Abstand brutalste Protestaktion war die „Welcome to Hell“-Demo am 6. Juli, dem Tag vor Tagungsbeginn, an der schätzungsweise 12.000 Menschen teilnahmen.  © Sebastian Willnow/dpa
G20-Gipfel - Demonstration "G20 Welcome to hell"
Dem Demonstrationszug „Welcome to Hell“ stellten sich beim G20-Gipfel in Hamburg sehr schnell viele Bereitschaftspolizisten und mehrere Wasserwerfer entgegen. Die Polizei sagte, sie habe versucht, den schwarzen Block der Linksautonomen von den friedlichen Demonstranten zu trennen, dies sei aber nicht gelungen. Zwar legten zahlreiche Autonome ihre Maskierung nach Aufforderung ab, jedoch nicht alle. Daraufhin rückten die Beamten überaus robust vor. Protestierer und Autonome flüchteten teils panisch vor den Beamten. Die Stimmung war aufgeheizt, es gab Verletzte, Flaschen flogen, die Polizei setzte Wasserwerfer und Pfefferspray ein. Ein Mitarbeiter des anwaltlichen Notdienstes vor Ort kommentierte das Geschehen mit den Worten: „Das war ganz bestimmt nicht rechtmäßig“. Nach übereinstimmenden Berichten ging von den Demonstranten keine Gewalt aus.  © Boris Roessler/dpa
Jahresrückblick 2017 - Hamburg
Anders war es am Morgen des 7. Juli 2017, als vermummte Gestalten über die noble Elbchaussee in Hamburg schritten, Böller warfen und Autos anzündeten. Anschließend stürmten Spezialkräfte der Polizei das Schanzenviertel. Bei dem Großeinsatz wurden 13 Menschen festgenommen. Im traditionell linken Schanzenviertel gab ein Zivilbeamter einen Warnschuss ab. Die Polizei sprach an diesem Tag des G20-Gipfels von etwa 3500 Gewalttätern auf Hamburgs Straßen. Während auf dem Kiez mehrere Demonstrationen gewaltfrei abliefen, lieferte sich die Polizei im Stadtteil Altona Gefechte mit Gewalttätern, die laut offiziellen Angaben mit Eisenstangen und Molotowcocktails auf Beamte losgingen. Die Bilanz: Ein Einsatzleiter sprach zunächst von 476 verletzten Beamten, später stellte sich jedoch heraus, dass diese Zahl mit Krankmeldungen und dergleichen aufgeblasen wurde und nicht zwingend mit Gewalt gegen Beamte zusammenhängt. 455 Beamte waren am Folgetag wieder einsatzbereit, zwei galten als schwerverletzt. Zur Gesamtzahl der verletzten Demonstranten gab es keine offiziellen Angaben. Dass es auch anders geht, beweist das G20-Treffen in Rom 2021. © Axel Heimken/dpa
Ein großer Anteil der Demonstranten gegen den G-20-Gipfel in Rom kamen aus den Reihen von Fridas-for-Future. Sie protestierten friedlich.
Ein großer Anteil der Demonstranten gegen den G20-Gipfel in Rom kamen aus den Reihen von Fridays for Future. Sie protestierten friedlich für mehr Klimaschutz und Teilhabe. Es setzte sich ein Demozug von 5000 bis 6000 Menschen in Bewegung. Das Polizeiaufgebot war riesig, Polizisten mit Schildern und Hubschraubern drehten ihre Runden über die Demo. Zahlreiche Wasserwerfer waren vor Ort. Das Ziel war klar: Italien wollte keine Bilder von Chaos, Randale und Verwüstung wie etwa vom G20-Gipfel in Hamburg oder Jahre zuvor aus Genua. Dafür hatte die Regierung aus Rom über 5000 zusätzliche Sicherheitskräfte angefordert. Sogar das Militär war im Einsatz und sicherte zusätzlich wichtige Orte ab. Doch die Befürchtungen stellten sich als unbegründet heraus. Tanzend und trommelnd zogen die Demonstranten rund zwei Kilometer durch die Stadt. Nach einer Kundgebung ging es den gleichen Weg zurück. All dies geschah, ohne dass die Sicherheitskräfte hätten einschreiten müssen.  © Matteo Nardone via www.imago-images.de

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