Beim Besuch der Franzosen in Geretsried war eine Besichtigung der Großbaustelle im Stadtzentrum Pflicht.
Geretsried – Die neue „Skyline“ von Geretsried konnten die Gäste aus Chamalières schon von Weitem bei ihrer Anreise mit dem Bus erkennen: mehrere mächtige, gelbe Kräne. Was mit ihrer Hilfe auf dem Karl-Lederer-Platz entsteht, erfuhren sie am Samstagvormittag bei einer Informationsveranstaltung im Rathaus. Unter dem Motto „Wir bauen eine neue Stadt“ präsentierten Bürgermeister Michael Müller und Bauamtsleiter Rainer Goldstein einem Dutzend Franzosen sowie den Bürgermeistern von Nickelsdorf, Gerhard Zapfl, und Pusztavám, Attila Stettner, die Pläne für das künftige Zentrum.
Nachdem Geretsried nur zwei Baudenkmäler – die Nikolauskapelle und das Rathaus – besitze, müsse man nicht auf historisch gewachsene Strukturen Rücksicht nehmen wie andere, ältere Städte, erklärte Goldstein. Die modernen, von privaten Investoren finanzierten Gebäude „Puls G“ und „Centrum 20“ am Karl-Lederer-Platz sollten Akzente setzen, ebenso das im Anschluss geplante Wohn- und Geschäftshaus der Baugenossenschaft an der Egerlandstraße. In einer großen, zentralen Tiefgarage würden Parkplätze geschaffen. In Bürgerworkshops hätten die Geretsrieder zudem Vorschläge für die Gestaltung der Flächen und Plätze sowie für den Verkehr erarbeitet. Sie wünschten sich Spielplätze, Bänke, Wasser als belebendes Element, Bäume und Kunstwerke.
Louis Giscard d’Estaing gratulierte seinem Amtskollegen, dessen Mitarbeitern und dem Stadtrat zu der Planung. Auch Reinhold Krämmel lobte er dafür, mit dem „Puls G“ zur Modernisierung der Stadt beizutragen. In Chamalières stehe er ebenfalls vor der Aufgabe, das Zentrum attraktiv zu halten, berichtete Giscard d’Estaing. Bei 18 000 Einwohnern auf einer Fläche von 377 Hektar sei jedoch alles „sehr konzentriert“ und wenig Entwicklung möglich.
Nach dem Vortrag besichtigten die Gäste die Großbaustelle und schauten sich Pläne von den neuen Hochhäusern an. „Exceptionel“ – „außergewöhnlich“, urteilte Marie-Christine Beraud, Präsidentin des Partnerschaftskomitees. Ihr gefalle, dass man in den entstehenden Gebäuden Handel und Wohnen vereine, sagte sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Höhe des „Puls G“ – sieben Stockwerke – die von einigen Geretsriedern kritisiert wird, würde sie nicht stören, so Beraud. Sie passe zu einer Innenstadt des 21. Jahrhunderts.
Jean-Louis Soucheire kennt Geretsried seit Beginn der Städtefreundschaft im Jahr 1983. Er könne sich noch an den Karl-Lederer-Platz in seiner ersten Fassung erinnern, erzählte Soucheire. Die Umgestaltung unter der ehemaligen Bürgermeisterin Cornelia Irmer habe er schon als Fortschritt empfunden. Jetzt sei er gespannt auf das ganz neue Gesicht des Zentrums. Der 70-Jährige glaubt, es werde sich „très bien“, sehr gut, machen. Wichtig sei, dass Geretsried als Stadt im Grünen dieses Merkmal auch in der „Neuen Mitte“ aufgreife. Bäume, Blumen und ja: warum nicht auch Wasser, hätte er genau wie die Geretsrieder Bürger in einem Workshop vorgeschlagen. Es sei ein spannender Prozess, den er nun, da er die Baustelle mit eigenen Augen gesehen habe, aus der Ferne weiterverfolgen wolle.
tal
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