VonAndreas Steppanschließen
Das Schnabler-Rennen ist Gaißacher Tradition und eine riesige Gaudi. Nach einem Jahr Pause konnten am Sonntag wieder rund 5000 begeisterte Zuschauer die waghalsigen Sprünge verfolgen. Dabei zeigte sich auch, dass die Abfahrt nicht ungefährlich ist: Ein Schnabler-Fahrer verletzte sich bei einem Sturz.
Gaißach – Routine, die gibt es nicht beim Schnabler-Fahren. „Die Karten werden jedes Mal neu gemischt, und Anspannung ist immer dabei, egal ob man zum ersten Mal fährt oder zum 20. Mal“, sagt der junge Gaißacher mit weißem Overall, pinkfarbenem Paillettenstoff um die Schultern und schwarzer Perücke.
Der 23-Jährige gehörte zu einem der 40 Schnabler-Teams, die beim „Rennats“ am Sonntag die berühmt-berüchtigte Strecke am Lehener Berg in Gaißach hinunterfuhren. Erst geht es etwa eineinhalb Kilometer auf einem „steilen, eisigen Hohlweg“ hinunter, wie Moderator Toni Kell verdeutlichte. Dann biegen die maskierten Rennteilnehmer auf den Gerstlandhang ein, wo sie vor den begeisterten Zuschauern – auch heuer dürften es wieder an die 5000 gewesen sein – über die Sprungschanze fahren und mit waghalsigen Sprüngen für spektakuläre Bilder sorgen. In der gesonderten Kategorie für Frauen und Unter-16-Jährige starteten zudem 24 Schlittenfahrer.
Am Sonntag legte bei milden Temperaturen und nach unten hin sulziger werdendem Schnee gefühlt mindestens die Hälfte der Schnabler Bruchlandungen hin. Dem Publikum stockte mehr als einmal der Atem. Doch fast alle standen schnell wieder auf und winkten in die Menge. Ein Sturz zeigte aber leider auf, wie riskant das Gaudi-Unterfangen ist: Ein Schabler-Fahrer blieb auf der Piste liegen, musste per Akja abtransportiert wurden. Zur Sicherheit wurde ein Hubschrauber angefordert, konnte dann jedoch ohne den Patienten wieder abfliegen. Der Mann wurde ins Tölzer Krankenhaus gebracht. Am Abend gab Schnabler-Präsident Georg Fischhaber zumindest vorsichtige Entwarnung, was die Schwere der Verletzung angeht.
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Der Respekt, den besagter 23-jähriger Schnabler-Fahrer vor dem Rennen äußerte, war also berechtigt. Wie er erklärte, ging es dieses Mal auf der rasanteren von zwei möglichen Strecken den Berg hinunter zum Zieleinlauf, und zwar, anders als 2017, nicht vom „Bacher“ aus, sondern vom „Landerer“.
Vielleicht am deutlichsten sichtbar war die Erleichterung nach unverletzt überstandener Abfahrt beim einzigen Frauen-Schnablertaem des Tages. Katharina Ostheimer und Lisa Pauli waren zwar nach ihrem 16,10 Meter weiten Sprung ebenfalls vom Schnabler gefallen, lagen sich dann aber vor Freude in den Armen und kugelten eng umschlungen die Piste hinab.
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2017 waren erstmals seit 1969 wieder zwei Frauen auf einem Schnabler dabei gewesen. Daran knüpften nun ihre Nachfolgerinnen an. „Die beiden waren unser Vorbild, ihnen wollten wir unseren Respekt erweisen“, sagten Lisa Pauli und Katharina Ostheimer nach dem Rennen. Die männliche Konkurrenz habe die beiden „voll fair aufgenommen“, berichteten sie. „Dafür wollen wir Danke sagen.“ Und würden sie es wieder tun? „Jetzt sagen wir Ja – aber als wir oben am Start standen, hätten wir Nein gesagt.“ Die jungen Frauen gaben zu: „Die Hosen waren voll – deswegen haben wir ja auch Röcke angezogen.“ Die waren in diesem Fall giftgrün und aus Tüll.
Nicht wegzudenken beim Schnabler-Rennen sind die Sprüche von Ansager Toni Kell, der in seiner Moderation einmal mehr Gaißach als Nabel der Welt darstellte. So twitterte seiner Darstellung nach am Sonntag sogar US-Präsident Donald Trump über die „crazy boys in Bavaria“ – also die verrückten bayerischen Burschen.
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Besonders oft nahm Kell diesmal aber „unsere Freunde aus der Jachenau“ aufs Korn, die er „zurück in der Zivilisation“ begrüßte. Die schneereichen Tage, in denen das Sonnental von der Außenwelt abgeschnitten war, bildeten auch die Grundlage für die Pausenattraktion: Die Gaißacher ließen einen „Versorgungs-Schnabler“ den Hang hinunterrutschen. Unten rissen ein paar „Jachenauer“ den Schnablern die heiß begehrten Güter aus der Hand: Bier, „dreilagiges Klopapier und Pariser in Jachenauer Größen“ – gefilmt von einem übereifrigen Sat 1-Kameramann. Die Verhütungsmittel allerdings kämen wohl etwas zu spät, räumte Kommentator Kell ein. „Landrat Sepp Niedermaier hat angekündigt, dass er eine neue Geburtsstation in der Jachenau eröffnen will, weil dort voraussichtlich im Oktober die meisten Kinder zur Welt kommen.“
Die schönsten Bilder vom Schnabler-Rennen 2019 in Gaißach




