Das Lernklima an der Mittelschule Gaißach leidet. Verhaltensauffällige Schüler stören oft den Unterricht. Die Gemeinde tut dagegen jetzt was - und fühlt sich dabei allein gelassen.
Gaißach – Wie heil ist die Welt noch auf dem Lande, wenn es zutrifft, dass das Lernklima an der Gaißacher Mittelschule immer stärker darunter leidet, dass psychisch belastete und verhaltensauffällige Schüler einen geordneten Unterricht stören? Zahlreiche Lehrkräfte waren als Zuhörer in die jüngste Gemeinderatssitzung gekommen, um einem Antrag der Schule Nachdruck zu verleihen, dort eine Planstelle für Jugendsozialarbeit zu schaffen.
Diesen Antrag hatte das Lehrerkollegium mit Zahlen untermauert: Demnach haben 13 Schüler einen Migrationshintergrund, 36 fehlt eine intakte Familie und sie sind durch Trennung oder Scheidung ihrer Eltern psychisch belastet, 34 wachsen bei einem alleinerziehenden Elternteil auf und in zwölf Familien ist das Jugendamt unterstützend tätig. Bei 21 Schülern spricht die Schule von „deutlichen Verhaltensauffälligkeiten“, ein Schüler sei „Polizei-auffällig“.
Lernklima in Gaißach leidet: „Lehrer können nicht beides“
Schulleiterin Ute Hübner machte deutlich, dass Lehrer nicht beides können: ihren Unterricht abhalten und sich gleichzeitig intensiv um jene Schüler kümmern, die so aus der Spur sind, dass sie ein persönliches Gespräch und viel Unterstützung benötigen, um überhaupt wieder in den Unterricht einbezogen werden zu können. „Die Anzahl und die Heftigkeit dieser Fälle wird zunehmen“, betonte Hübner. Und die Erfahrungen anderer Schulen würden den Erfolg von Schulsozialarbeit bestätigen.
„Es wird schlimmer“, bestätigte Gemeinderat und Schulhausmeister Alois Angermeier, der sich dort auch um die Aufsicht kümmert. Diesen Eindruck unterstrich auch Gemeinderätin Susanne Merk. Sie beklagte, dass sich heute „immer mehr Eltern ihrer Verantwortung entziehen, ihre Kinder vernachlässigen und sie ohne Frühstück in die Schule schicken“. Deshalb sei sie „schweren Herzens für eine Jugendsozialarbeit an der Schule“.
Bürgermeister Fadinger stimmt gegen einen Sozialarbeiter
Bürgermeister Stefan Fadinger formulierte grundsätzliche Einwände gegen eine Zuständigkeit der Gemeinde: „Wir sind nur Sachaufwandsträger der Schule und haben dafür weit mehr getan, als es unsere Pflicht ist – Unterricht, Betreuung und Aufsichtspflicht sind eigentlich Aufgaben des Freistaates.“ Der stelle auch zu wenig Lehrer ein und versuche immer mehr Kosten auf die örtlichen Schulträger abzuwälzen. „Die Politik lässt uns hier im Stich“, fand Johann Schinnagl dazu klare Worte.
Mit 13:3 Stimmen votierte der Gemeinderat letztlich dennoch mehrheitlich für die Schaffung einer Halbtagsstelle für Jugendsozialarbeit, die zur Hälfte vom Landkreis bezuschusst wird. Diese Stelle wird allerdings zunächst einmal „probeweise und auf zwei Jahre befristet“ eingerichtet – verbunden mit einer jährlichen kritischen Auswertung und einem Report seitens der Schulleitung im Gemeinderat. Zu den Befürwortern gehörte Gemeinderat Alois Grünwald: „Wir sollten diesen Schritt wagen, wir sind die letzte Gemeinde, die das noch nicht anbietet.“
Dagegen stimmten Franz Rest und Josef Bauer, aber auch Bürgermeister Fadinger. Der betonte: „Ich stehe seit sechs Jahren voll hinter unserer Schule und fühle mich unverstanden. Es ist für mich nicht das Richtige, wie sich die Politik ihren Verpflichtungen entzieht und immer mehr Aufgaben auf die Gemeinden abwälzt, die dafür nicht zuständig sind.“
Rainer Bannier
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