Oberbürgermeister Andreas Haas in seinem Büro im Rathaus. Am 30. April 2026 wird er es nach 18 Jahren verlassen.
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Nach 18 Jahren endet die Amtszeit des Germeringer Oberbürgermeisters. Andreas Haas erinnert sich an dramatische Momente und schwierige Anfänge.
Germering - Andreas Haas ist seit fast 18 Jahren Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt. Bei der Kommunalwahl am 8. März tritt der dann 62-jährige CSU-Politiker nicht mehr an. Im Gespräch mit dem Münchner Merkur blickt Haas auf seine Amtszeit zurück.
An die Explosion eines Hauses in der Frühlingstraße erinnert sich OB Andreas Haas bis heute. Das Foto zeigt ihn (l.) vor Ort mit dem damaligen Polizeichef Klaus Frank (2.v.l.) und Einsatzleiter Michael Gogl (r.).
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Herr Haas, am 30. April endet nach dann 18 Jahren ihre Amtszeit als OB von Germering. Können Sie sich noch an Ihren ersten Arbeitstag erinnern?
Ja. Ich kann mich tatsächlich noch sehr gut daran erinnern. Es war am Freitag, 2. Mai – die Amtszeit beginnt immer am Feiertag, 1. Mai, beim Aufstellen des Maibaums (lacht). Ich bin im Rathaus unvorstellbar herzlich empfangen worden und habe mich sofort angekommen gefühlt. Der zweite Arbeitstag am Montag darauf war dann von ganz anderer Qualität. Das ganze Büro war voller Mappen mit Dokumenten zur Unterschrift und Durchsicht, die ersten Termine standen an. Klar: Das System Verwaltung läuft ja auch während eines Amtswechsels weiter. Ich habe wirklich gedacht, das schaffe ich nicht. Die Terminflut, die Intensität, waren etwas, das ich so vorher nicht gekannt hatte. Obwohl ich reichlich Berufserfahrung als Jurist in Unternehmen hatte und seit 1990 Stadtrat war, davon fast 18 Jahre Fraktionssprecher, habe ich an mir gezweifelt. Die Wende kam mit einem Kurs für neue Bürgermeister beim Bayerischen Selbstverwaltungskolleg. Da traf ich auf Kolleginnen und Kollegen, die zuvor noch nicht einmal im Gemeinderat waren, auch keine einschlägige Berufserfahrung hatten und dennoch zuversichtlich die neue Aufgabe angingen. Das hat mir sehr geholfen. Aber insgesamt hat es gut über ein Jahr gedauert, bis ich so richtig im Amt mit allen Facetten angekommen bin.
Blicken Sie dem Amtsende jetzt mit Wehmut entgegen? Oder schwingt da auch Erleichterung mit, diesen Stress endlich hinter sich zu lassen?
Ich habe mir den Entschluss, nicht mehr für eine weitere Amtszeit zu kandidieren, ja nicht leicht gemacht. Es war ein Prozess, der vor gut drei Jahren begann. Klar ist da jetzt auch Wehmut mit dabei. Die Arbeit im Stadtrat und dann als OB hat mein Leben immerhin 35 Jahre geprägt. Aber mir war immer klar: Es ist ein Amt auf Zeit. Und ich wollte selbst entscheiden, wann diese Zeit endet. Erleichterung spielt natürlich auch eine Rolle. Mit dem OB-Amt übernimmt man viel Verantwortung. Für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, gegenüber dem Stadtrat für Projekte … Man hat dicht getaktet eine Flut von Terminen, jeden Tag, auch am Wochenende. Das ist schon sehr aufreibend. Wenn ich das ab Mai abgeben kann, ist es schon auch eine Erleichterung.
Welche Vorkommnisse in den vergangenen fast 18 Jahren bleiben Ihnen in besonderer Erinnerung?
Da gibt es Vieles. Ich denke jetzt beispielsweise an verstorbene Mitarbeiter und Stadtratskollegen. Nie vergessen werde ich auch die Explosion eines Hauses an der Frühlingstraße vor 14 Jahren (Anm. d. Red.: Im Januar 2011 jagte ein 88-Jähriger absichtlich sein Haus mit Gasflaschen in die Luft. Er und seine Frau starben dabei). Der damalige Polizeichef Klaus Frank hat mich mitten in der Nacht angerufen, mir davon erzählt, mich abgeholt und zum Tatort gefahren. So etwas hatte ich vorher noch nicht erlebt. Immer im Gedächtnis habe ich aber natürlich auch die Coronazeit, die ab 2020 den neu gewählten Stadtrat drei Jahre begleitete. Die Umstände haben aus meiner Sicht die Arbeit des Gremiums bis heute verändert. Nicht unbedingt zum Besseren. Es gibt aber auch kleine, eher lustige Begebenheiten, die mir unvergessen bleiben. Wie zum Beispiel die Frage eines Jungen, der mit zwei 4. Klassen, Lehrern und Eltern zu Besuch im Rathaus war. Er wollte wissen, warum ich immer am Vormittag aus dem Haus seiner Nachbarin komme. Das hat mich natürlich erstmals verstummen lassen. Bis sich herausstellte: Seine Nachbarin ist meine Physiotherapeutin, bei der ich eine Zeitlang, immer vor Beginn des Büroalltags, Termine hatte.
Hat sich die Arbeit als OB über die Zeit spürbar verändert? Gibt es beispielsweise verstärkt Anfeindungen in den sozialen Medien?
Nennenswerte Anfeindungen gab und gibt es in Germering Gott sei Dank nicht. Bei allem Ärger und intensiven Diskussionen bei bestimmten Themen muss ich feststellen, dass wir in der Stadt ein gutes Miteinander haben. Wir haben aber auch einiges dafür getan. Ich denke jetzt an den Ehrenamtsempfang und die Veranstaltung „Neu in Germering“. Die Einführung der „Frühsprechstunde“, die während Corona und danach zur telefonischen Sprechstunde wurde, meine Arbeit als Vorsitzender der Germeringer Insel. Es war von Anfang an mein Ziel, mit den Menschen auf Augenhöhe und mit Respekt ins Gespräch zu kommen. Vielleicht hat das ja in dieser Hinsicht geholfen. Auf der anderen Seite habe ich aber auch den Eindruck, dass es gerade in den sozialen Medien immer mehr Menschen gibt, die meinen, sie seien mit bestimmten Forderungen im Recht und ihre vehement vorgetragene Meinung sei die einzig richtige und müsse daher jetzt sofort in die Tat umgesetzt werden.
Hat sich Germering in Ihrer Amtszeit verändert?
Natürlich. Germering hat sich verändert, seit ich hier lebe, also seit 1964 – und natürlich auch schon davor. Alleine das Wachstum verändert die Stadt. Von 2008 bis 2025 sind ungefähr 6000 Menschen nach Germering gezogen und ungefähr 6500 Arbeitsplätze neu entstanden. Mittlerweile leben bei uns rund 43 000 Menschen. Es war mir immer ein Anliegen, dass sich auch die neu Zugezogenen nach Möglichkeit mit Germering identifizieren. Auch deswegen gibt es den Wirtschafts-, Neubürger- und Ehrenamtsempfang. Der wieder angestoßene Stadtentwicklungsprozess, die Marken-Entwicklung, und auch die Germering-App, die ja erst vor kurzem vorgestellt wurde, sind dabei tragende Elemente, auch für den Zusammenhalt.
Welche Aufgaben warten auf Ihre Nachfolgerin oder Ihren Nachfolger?
Sie oder er wird die laufenden Projekte und Vorhaben weiterführen. Ich denke jetzt unter anderem an den Neubau Ellis-Kaut-Grundschule, die Umgestaltung des Volksfestplatzes oder die Neuplanung des Kreuzlinger Felds. Darüber hinaus gibt es natürlich zahlreiche Pflichtaufgaben, die er oder sie erledigen muss. Aus meiner Sicht ist aber auch klar: Es steht mir nicht an, zu sagen, was sich mein Nachfolger, meine Nachfolgerin auf die Fahne schreiben soll. Der nächste Stadtrat und OB werden das selbst gut überlegt machen.
Gibt es schon Pläne, was Sie ab dem 1. Mai mit ihrer neu gewonnenen Freizeit machen werden?
Bis dahin sind es ja noch einige Monate, das ist noch zu weit weg für konkrete Pläne. Priorität hat auch jetzt die Arbeit im Rathaus. Aber fest steht schon eines: Meine Frau Petra und ich werden im Herbst nach Griechenland fahren. Wir werden Fährtickets für die Hinfahrt kaufen und die Rückfahrt offen lassen.

