Benefizkonzert und Kunsthandwerkermarkt kommt zugunsten der Partnerstadt

Garching zeigt Solidarität mit der ukrainischen Gemeinde Ivankiv - Generatoren gespendet

+
Beim Benefizkonzert im Bürgerhaus stellt die Musikschule Garching ihr Beethoven-Projekt vor.
  • schließen

Das Benefizkonzert zugunsten der Ukraine im Bürgerhaus könnte den Beginn einer engen Partnerschaft zwischen Ivankiv und Garching markieren.

Garching – Treffen im Zuge von Städtepartnerschaften sind meist ein Grund zur Freude. Man feiert ein Jubiläum, tauscht Geschenke aus, Schüler besuchen sich, sporteln oder musizieren miteinander. Der Grund, dass sich die beiden Gemeinden Ivankiv und Garching zusammentun, ist ein anderer. Das ukrainische Ivankiv ist im Krieg, Garching zeigt Solidarität und Aufbauhilfe.

Bereits am ersten Tag des russischen Angriffskriegs am 24. Februar vergangenen Jahres wurde die Siedlungsgemeinde Ivankiv, 80 Kilometer von Kiew entfernt, besetzt. 47 der 81 Siedlungen, mehr als 2500 Wohngebäude, 15 Bildungseinrichtungen, fünf medizinische und 25 kulturelle Einrichtungen, darunter auch das Ivankiver Museum für Geschichte und Heimatkunde wurden beschädigt oder zum Teil zerstört. „Elf Brücken und zwei Dörfer wurden vollständig zerstört, 44 Zivilisten getötet, darunter zwei Kinder“, berichtet Bürgermeisterin Tatjana Swyrydenko.

Bunker als Zufluchtsort nicht verfügbar

Eine Schule ist geschlossen. „Wir verfügen über keinen Bunker, in den sich Schüler und Lehrer flüchten könnten“, ergänzt Schulleiterin Witalija Hawrylenko. Seitdem Ivankiv am 1. April 2022 von den Streitkräften der Ukraine befreit wurde, sind sie nicht mehr in Kampfhandlungen involviert. „Wir sind nicht unmittelbares Ziel. Aber wir hören und sehen die Flugzeuge und Raketen über uns hinwegfliegen und hören auch die Einschläge. Wir leben ständig in der Angst, dass dennoch Bomben auf unsere Dörfer herabfallen“, sagt Swyrydenko. „Wir versuchen, ein so normales Leben wie möglich zu führen.“

32 landwirtschaftliche Betriebe

In der Gemeinde leben 29 000 Einwohner, es gibt 32 landwirtschaftliche Betriebe, die überwiegend Winterweizen, Sonnenblumen und Mais anpflanzen. Industrie gibt es in Form eines Sägewerks, einer Metallverarbeitung, eines großer Backbetriebes sowie einer chemischen Produktionsanlage. Die Infrastruktur vervollständigen ein Bezirkskrankenhaus, Pflegeheime, 20 schulische Einrichtungen, Sportanlagen sowie Kirchen. „Wir sind eine Siedlungsgemeinde auf 3600 Quadratkilometern mit 81 Siedlungen, das Zentrum ist die Stadt Ivankiv, jeweils die Hälfte der 29 000 Einwohner lebt auf dem Land und in der Stadt.“

Tschernobyl nicht sehr weit entfernt

Der Krieg ist nicht die erste Katastrophe, die Ivankiv erleidet, denn die Stadt ist 50 Kilometer von Tschernobyl entfernt: 40 Jahre nach der Havarie haben 22 810 Einwohner den Status von Katastrophenopfern, 2432 sind behindert, es gibt 4957 betroffene Kinder. „Dass ich nun hier in Garching stehe ist ein Ausdruck von größter Dankbarkeit“, sagte Swyrydenko in ihrer Rede auf Deutsch. „Ich will mich hier bedanken für die Unterstützung in Form von Hilfsgeräten, Lebensmitteln, Kleidung und medizinischen Dingen, wie etwa Insulin für unser Krankenhaus“, sagt Swyrydenko. Man brauche Beziehungen zum Ausland, damit man den Wiederaufbau schneller bewältigen könne.

Spende von Dieselgeneratoren

Ein Aufbau, den die Stadt Garching mit der Spende von Generatoren unterstützt und in Form einer Patenschaft intensivieren will. „Wir spüren nur die Ausläufer des Krieges. In der Ukraine herrschen seit einem Jahr Leid und Zerstörung“, sagte Bürgermeister Dietmar Gruchmann. Garchings Hilfe sei ein Zeichen der Solidarität. Eine innige Umarmung unter Amtskollegen unterstrich, dass Gruchmanns und Swyrydenkos Kooperation der Beginn einer engen Freundschaft sein können. Dass die Garchinger Bürger im Boot sind, zeigten sie mit einem mit 450 Besuchern gefüllten Bürgersaal, die zum Benefizkonzert kamen und an den Ständen des ukrainischen Kunsthandwerkermarktes einkauften. Organisiert wurde alles vom Verein Bildung für Groß und Klein, den Jelena Caranciuc-Jemuranowa gemeinsam mit Martin Ruff, Mitglied des Garchinger Behindertenbeirats und Nicola Gerhardt vom Garchinger Helferkreis organisierte. „Den Erlös wird Bürgermeisterin Swyrydenko mit nach Ivankiv nehmen. Wir sind unglaublich stolz, dass wir helfen können“, sagte Caranciuc-Jemuranowa.

Bürgermeisterin Tetiana Svyrydenko zeigt sich emotional tief gerührt.

Kommentare