Interview mit Geschätsführer: Der Sturm nach der Ruhe, „er kommt sicher“

Corona: Klinikum bereitet sich vor - Erster Höhepunkt Ende der Woche erwartet

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In einem Zelt vor dem Klinikum werden mögliche Corona-Patienten einzeln voruntersucht und auf Stationen verteilt. Für Kinder gibt’s einen eigenen Eingang.
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Im Klinikum Garmisch-Partenkirchen herrscht die Ruhe vor dem Sturm. Man bereitet sich auf einen ersten Höhepunkt an Corona-Fallzahlen vor. Geschäftsführer Bernward Schröter erklärt die Maßnahmen.

Garmisch-Partenkirchen – Fünf Corona-Verdachtsfälle werden am Klinikum Garmisch-Partenkirchen behandelt, sie sind stabil. Stand Freitagnachmittag. Jederzeit kann sich die Zahl der tatsächlich oder möglicherweise infizierten Patienten ändern. Darauf bereitet sich das Krankenhaus vor. Eine Urlaubssperre gilt, Betten stehen bereit, Desinfektionsmittel und Schutzbekleidung sind bestellt. Im Interview spricht Geschäftsführer Bernward Schröter über Maßnahmen, häufige Fragen und fehlende Antworten.

Herr Schröter, fühlt sich so die Ruhe vor dem Sturm an?

Wahrscheinlich. Wir wissen, etwas kommt auf uns zu. Und bereiten uns darauf vor.

Worauf denn genau?

Eine konkrete Antwort wäre Blödsinn, weil das niemand weiß. Doch wir planen

Klinikums-Geschäftsführer Bernward Schröter sitzt jeden Morgen im Krisenstab

nicht einfach ins Blaue hinein. Zum Krisenstab gehören Experten, Virologen, Institute, die sich mit Hochrechnungen befassen. Demnach rechnen wir in einer Woche mit einem starken Anstieg der Fallzahlen, einem ersten Peak.

Dafür schaffen Kliniken freie Betten.

So ist es. Seit Anfang der Woche gilt für alle Krankenhäuser, planbare Eingriffe zurückzufahren beziehungsweise zu streichen. Alleine im Bereich der Abteilung endogap (für Gelenkersatz, Anm. d. Red.) haben wir 50 Operationen gestrichen. Insgesamt sind nun um die 200 Betten frei. Wir haben noch Patienten, um die 250. Es herrscht also nicht totale Stille auf den Gängen. Manche Stationen aber sind tatsächlich leer, um Betten-Kapazitäten für Infekt-Patienten frei zu lassen.

Kaum Besucher dürfen ins Klinikum: Betroffene reagieren mit Verständnis 

Und Besucher kommen ja auch kaum noch.

Das Gute ist: Die meisten – Patienten wie Besucher – haben dafür volles Verständnis. Wir brauchen auch kein Security-Personal am Eingang.

200 Betten sind also für Corona-Patienten reserviert?

Und für Notfälle, die natürlich versorgt werden. Wir fahren viergleisig. Da sind zum einen die Patienten, die wegen anderer Beschwerden unsere Hilfe brauchen. Dann die Corona-Verdachtsfälle. Zudem die bestätigten Corona-Patienten mit Atemwegsproblemen, die isoliert werden. Drei Stationen mit insgesamt etwa 45 Betten stehen bereit. Hinzu kommen die Kinder. Schon am Eingang werden Gruppen getrennt.

Wie das?

Das Technische Hilfswerk hat ein Zelt aufgestellt. Dort werden ankommende Patienten einzeln befragt und untersucht, dann entsprechend verteilt. Für Eltern mit ihren Kindern gibt es einen eigenen Eingang.

Kliniken erhöhen wegen des Coronavirus Zahl an Intensivbetten und Beatmungsgeräten

In Weilheim wurden Beatmungsgeräte und Intensivbetten aufgestockt. Bei Ihnen auch?

Das machen gerade alle Kliniken. Wir haben die Zahl von 12 auf 22 Intensivbetten mit Beatmungsplätzen erhöht. Kurzfristig können wir die Kapazität auf 35 Plätze ausweiten, da bekommen wir Nachschub an Geräten und Betten aus dem Ministerium.

Apropos Nachschub: Wie sieht es bei Masken, Schutzbekleidung, Desinfektionsmittel aus?

Aktuell haben wir an allem genug, doch geben wir die Schutzbekleidung zurückhaltend aus. Denn es gab Versorgungsengpässe, auch bei Desinfektionsmitteln. Aber sicher kommt es nicht so weit, dass unser Personal ohne Schutz arbeitet. Nächste Woche bekommen wir eine große Lieferung, darunter 2500 Liter Desinfektionsmittel.

Klinikum erwartet Lieferung an Desinfektionsmittel und Schutzbekleidung

2500 Liter?

Ja. Daran sieht man ein wenig die Dimensionen. Der Schutz – der Mitarbeiter ebenso wie der Patienten – hat höchste Priorität. Alles andere wäre verantwortungslos. Schließlich brauchen wir eventuell alle verfügbaren Kräfte.

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Haben sich bereits Klinikumsmitarbeiter mit dem Virus infiziert?

Nach aktuellem Stand: nein. Aber natürlich kann das, was ich heute sage, morgen überholt sein.

Eine Mitarbeiterin befand sich in Quarantäne.

Sie wurde dreimal negativ getestet. Dennoch bleibt sie vorerst zu Hause. Wir gehen keinerlei Risiko ein. Auch wenn es quasi ausgeschlossen ist, dass sie sich angesteckt hat.

Erster Corona-Patient aus dem Landkreis: 14 Tage Quarantäne vorbei - und jetzt?

Am Freitag endete für den ersten Corona-Patienten im Landkreis die zweiwöchige Quarantäne. Wie geht es für ihn weiter?

Er darf nicht einfach rausmarschieren. Zwei Tests müssen bestätigen, dass er gesund ist.

Gibt es generell eine Notfall-Liste, die man nun aus der Schublade zieht und abhakt?

Wir haben einen Katastrophenplan, den man, wenn man so will, während des G7-Gipfels bereits geübt hat. Seitdem sind fünf Jahre vergangen, der Plan wurde angepasst. Was uns sehr hilft, sind erfahrene Ärzte und Pfleger, die zusätzlich über eine Katastrophenausbildung verfügen. Sie agieren sehr umsichtig, denken an viele Punkte. Und vermitteln den Kollegen ein Gefühl der Sicherheit.

Was treibt denn Ihre Mitarbeiter am meisten um?

Dass sie nicht wissen, was genau auf sie zukommt, wie viele Patienten es werden. Es ist keine Angst oder gar Panik, die sich da breitmacht. Aber natürlich haben sie Fragen – auch und gerade, was ihre Arbeit betrifft.

Können Sie ein paar davon beantworten?

Wir versuchen es. Über ein internes Portal kann jeder auf die Informationen zugreifen. Vieles aber wird sich erst ergeben. Zum Beispiel die Schichten. Die werden sich verändern. Doch ob es zumutbar ist, Zwölf-Stunden-Schichten zu fahren und ob wir über ein solches System überhaupt nachdenken müssen – das zeigt sich erst. Vieles müssen wir von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde entscheiden. Deshalb treffen wir uns jeden Morgen im Krisenstab, um die Lage zu bewerten.

Eine der häufisten Fragen von Bürgern und Patienten zu Corona: Ist das alles bald vorbei? 

Die Menschen sind verunsichert. Welche Fragen und Sorgen hören Sie im Klinikum am häufigsten?

Die meisten Anrufer oder Patienten wollen wissen, wie lange das Ganze dauert. „Ist das alles bald vorbei?“ Diese Frage kommt oft.

Wie formulieren Sie, dass Sie es nicht wissen?

Wir sagen genau das. Denn auch das kann keiner vorhersehen. Wir versuchen aber, die Menschen zu beruhigen. Denn wir sind vorbereitet.

Auf den Sturm nach der Ruhe.

Der wird kommen. Das zumindest ist sicher.

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