VonPeter Reinboldschließen
Von 2008 bis 2014 stellte das Christlich Soziale Bündnis mit Thomas Schmid den Bürgermeister und war sechs Jahre lang eine Macht im Garmisch-Partenkirchner Gemeinderat. Die droht jetzt weiter zu schrumpfen. Für die Kommunalwahl 2020 hat sich aus den CSB-Reihen niemand gefunden, der sich um das Amt des Rathaus-Chefs bewerben möchte.
Garmisch-Partenkirchen – Das hatte niemand erwartet, der sich mit dem Politikbetrieb von Garmisch-Partenkirchen beschäftigt, und ist schon allein deshalb eine faustdicke Überraschung: Ins Rennen um das Bürgermeisteramt von Garmisch-Partenkirchen wird das Christlich Soziale Bündnis (CSB) nicht eingreifen. Für die Kommunalwahl im März 2020 stellt das CSB völlig überraschend keinen Kandidaten. Vorsitzender Andreas Wieland und Gemeinderätin Daniela Bittner, die sich mit dem Gedanken getragen hatten, ihren Hut in den Ring zu werfen, haben sich anders entschieden. Beide nennen persönliche und zeitliche Gründe für ihre Absage. „Es wäre eine Herausforderung gewesen, die ich gerne versucht hätte. Ich habe mir es lange überlegt, aber es klappt einfach nicht“, sagt Wieland, der stark in der Steuerberaterkanzlei seines Vaters eingespannt ist. Bittner, die von 2008 bis 2014 das Amt der Zweiten Bürgermeisterin bekleidete, fiel die Entscheidung ebenfalls schwer. „Es ist mir familiär einfach nicht möglich.“
Andere Anwärter sind beim CSB weit und breit nicht in Sicht. Fraktionschef Florian Hilleprandt zieht sich aus dem Gemeinderat und der Kommunalpolitik zurück, Vize-Vorsitzende Claudia Zolk hatte schon vor längerer Zeit dankend abgewunken und ihren Verzicht erklärt. Wieland kann sich auch nicht vorstellen, dass sich bis zur Mitgliederversammlung am 6. Juni ein anderer Kandidat aus dem Hut zaubern lässt. „Wenn wir keinen finden, dann bestreiten wir den Kommunalwahlkampf ohne Bürgermeisterkandidaten.“ Ob das CSB eine Empfehlung für einen Kandidaten einer anderen Partei ausspricht, steht noch nicht fest. „Wenn wir das tun, dann müsste die Person schon in weiten Teilen unsere Sachpolitik vertreten“, sagt Wieland. Bislang haben lediglich Dr. Stephan Thiel (Bündnis 90/Die Grünen) und Martin Schröter (FDP) ihr Interesse am Bürgermeister-Job bekundet. Dr. Sigrid Meierhofer (SPD), die aktuelle Rathaus-Chefin, hat sich ebenso wenig erklärt, wie Elisabeth Koch. Allgemein wird erwartet, dass die CSU die Fraktionschefin als Herausforderin von Meierhofer kürt. „Ich lasse der CSU den Vortritt und warte ab, wen sie bringt“, sagt Meierhofer.
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Abstieg der CSB hat sich bei Kommunalwahl 2014 angedeutet
Das Christlich Soziale Bündnis war einmal die Bürgermeisterpartei und stellte von 2008 bis 2014 die stärkste Fraktion im Garmisch-Partenkirchner Gemeinderat. Bürgermeister Thomas Schmid war die Lichtgestalt, der Fixstern, um den die gesamte Gruppierung kreiste. Mit Schmids Abgang, der vor fünf Jahren gegen Meierhofer die Stichwahl verlor, verlor das CSB auch seinen Vordenker, jene Person, die die Gruppierung als Bürgermeisterwahlverein aus der Taufe gehoben hatte. Der beginnende Abstieg hatte sich schon im Ergebnis der Kommunalwahl 2014 dokumentiert. Die Zahl der Sitze im Gemeinderat war von elf auf sieben geschrumpft.
Eine Liste von Männern und Frauen, die sich 2020 um einen Sitz im Gemeinderat bewerben, will das CSB Wieland zufolge auf jeden Fall aufstellen – mit Bittner, Zolk und ihm als Aushängeschilder. „Zehn stehen schon fest“, erklärt der Vorsitzende. Und sie wird keine geschlossene Gesellschaft sein. Neben CSB-Mitgliedern sollen auch Bürger, die die Werte des CSB teilen, die Möglichkeit für eine Kandidatur erhalten.
