Garmisch-Partenkirchen - „Nicht mehr zeitgemäß“ lautet das harte Urteil über die Michael-Ende-Dauerausstellung. Nachdem kein Geld für eine Neukonzeption vorhanden ist, wurde diese nun geschlossen. Wie es mit dem Erbe des Schriftstellers weitergeht, gilt es, möglichst bis zum Sommer zu klären.
Stiefmütterlich. Dieses Wort beschreibt am besten, wie die Gemeinde das Erbe von Michael Ende behandelt. Zumindest in den vergangenen Jahren. Die Vision, ein Zentrum zu Ehren des Schriftstellers einzurichten, ist längst in weite Ferne gerückt. Aus Geldmangel. Aber nicht nur der große Wurf, den Altbürgermeister Thomas Schmid (CSB) mit Endes Nachlassverwalter Roman Hocke 2011 besiegelt hatte, scheitert an den nicht vorhandenen Finanzen. Auch die Umsetzung in kleinen Schritten, die Schmids Nachfolgerin, Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) durchsetzen wollte, wird bislang nicht realisiert. Der Umkehrschluss: Seit 2014, seit dem Machtwechsel im Garmisch-Partenkirchner Rathaus und seit das Thema Kultur bei Vize-Bürgermeister Wolfgang Bauer (CSU) angesiedelt wurde, ist nichts mehr passiert. Dieser Stillstand hat nun Konsequenzen: Die Michael-Ende-Dauerausstellung „Der Anfang vom Ende“ im Garmischer Kurhaus ist geschlossen. „Sie war einfach nicht mehr zeitgemäß“, bedauert Hocke.
Sich dazu durchzuringen, ist dem Münchner wahrlich nicht leichtgefallen. Nachdem er immer wieder vertröstet wurde, alles Reden nicht fruchtete und er schließlich Ende Dezember von den beiden Bürgermeistern von den finanziellen Zwängen der Gemeinde erfuhr, sah er keine andere Lösung. „Ich habe das mit großer Überraschung zur Kenntnis genommen“, sagt Hocke. „Dieses Signal kam sehr plötzlich.“ Plötzlich auch deshalb, weil sich der Tourismusausschuss, dem Bauer vorsteht, noch im vergangenen Juli für ein Michael-Ende-Haus ausgesprochen hatte. Nicht-öffentlich schränkten die Kommunalpolitiker das Ganze allerdings gewaltig ein: Ohne externe Geldgeber lasse sich dieses Ziel nicht verwirklichen, lautete der Folgebeschluss hinter geschlossenen Türen. Damit wurde das ehrgeizige Vorhaben schnell konterkariert.
Dass der Markt andere Prioritäten hat, kann Hocke nachvollziehen. Aktuell liegt der Fokus auf der Sanierung des Olympia-Skistadions, weil dafür im Nachgang des G7-Gipfels auch Mittel vom Bund fließen. Dafür zeigt Hocke Verständnis. Aber: „Damit endet nun völlig abrupt eine lange, gute Wegstrecke, die wir gemeinsam gegangen sind, ohne eine Alternative zu haben.“ Das zu begreifen, fällt ihm sichtlich schwer.
Garmisch-Partenkirchen und Michael Ende gehören einfach zusammen. Davon ist er nach wie vor überzeugt. „Es gibt kaum einen Ort, der so perfekt passt“, unterstreicht Hocke. Hier haben sich die Eltern des Schriftstellers, der surrealistische Maler Edgar Ende und die Geschäftsfrau Luise Bartholomä, kennen und lieben gelernt. Im Bunten Haus an der Bahnhofstraße, wo heute die VR-Bank Werdenfels steht, erblickte ihr Sohn Michael am 12. November das Licht der Welt. Hier verbrachte er seine ersten Lebensjahre, kehrte im Zweiten Weltkrieg für zwei Jahre zurück und pflanzte dann ein halbes Jahrhundert später eine Linde im Kurpark. „Ein Symbol seiner Verwurzelung mit seinem Geburtsort“, meint Hocke.
Das ist ein Geschenk, eines, nach dem sich andere Kommunen die Finger ablecken würden. Davon ist Tourismusdirektor Peter Nagel überzeugt. Was er allerdings vermisst, ist ein klares Bekenntnis zu Michael Ende von Seiten des Gemeinderats. Zwar existieren Beschlüsse aus der Ära Schmid, den Kurpark peu à peu mit fantastischen Wesen im Sinn des Schriftstellers zu bevölkern, umgesetzt hat diese nach der Kommunalwahl niemand mehr. Alle Pläne scheiterten in den Ausschüssen – sei’s in dem, der sich Tourismus und Kultur widmet, oder dem, in dem Bauvorhaben behandelt werden. Somit sind weder ein Weidenturm noch ein Lummerland im Kurpark eingezogen, auch der Eingang vom Michael-Ende-Platz aus wurde nicht zum angestrebten Tor nach Phantásien. Und die Ausstellung, die nun für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich ist, wurde folglich nie den neuen Gegebenheiten angepasst. Eigentlich fatal, wenn man bedenkt, dass eine Schau, die sich mit einem so populären Schriftsteller befasst, auch auf neue Medien angewiesen ist.
Somit werden jetzt alle Uhren zurückgedreht. „Wir haben uns eine Phase des Nachdenkens verordnet“, bestätigt Hocke. Bis Sommer sollen sich alle Beteiligten überlegen, wie’s weitergehen kann. Verbunden mit der Frage, wie das Ganze finanziert werden kann. Allein die Gemeinde kann es nicht stemmen, Michael Ende und sein umfassendes Werk entsprechend zu würdigen. Das ist inzwischen allen klar. „Ich hoffe sehr, dass wir eine Lösung finden“, unterstreicht Hocke. Eine, die auf dem „tollen Plan aufbaut, den wir vor über zwölf Jahren entwickelt haben“. Und eine, die dem Erbe des weltberühmten Schriftstellers gerecht ist.
