Auf der Zielgeraden

Markt steht zu Richard Strauss - und nimmt Geld in die Hand

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Perfekte Kulisse: Auch 2019 finden Konzerte im Rahmen des Richard-Strauss-Festivals im Kloster Ettal statt.
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Der neue Weg, den Alexander Liebreich mit dem Richard-Strauss-Festival beschreitet, kommt an. Auch im Gemeinderat. Um an diesem Kurs festzuhalten, gibt der Markt in den kommenden zwei Jahren wieder 330.000 Euro für die Veranstaltungsreihe.

Garmisch-Partenkirchen – An Richard Strauss und seiner Musik scheiden sich die Geister. Nicht jedem in Garmisch-Partenkirchen gefällt, was der weltberühmte Komponist geschaffen hat. Dass er an allen großen Opernhäusern weltweit auf dem Spielplan steht – häufig Nebensache. „Es geht allerdings nicht um unseren persönlichen Geschmack“, betonte Alexandra Roos-Teitscheid (Grün-Unabhängige Fraktion) im Gemeinderat. Damit traf sie den Nagel auf den Kopf. Vielmehr ist entscheidend, das Geschenk, dass der Künstler in Garmisch-Partenkirchen seine Wahlheimat fand und hier bedeutende Werke entstanden sind, zu nutzen. Ein Pfund, mit dem die Marktgemeinde nicht nur auf touristischer Ebene wuchern kann. „Wir müssen darauf schauen, was wir schon alles erreicht haben“, erklärte Roos-Teitscheid. Deshalb würde sie es fatal finden, das Budget des Festivals jetzt, wie im Januar 2017 vorgesehen, um 50.000 Euro zu reduzieren.

Damit sprach die Gymnasiallehrerin vielen aus der Seele. Die Neuausrichtung der Veranstaltungsreihe, die in diesem Jahr mit Alexander Liebreich ihren Anfang gefunden hat, kam auch bei den Kommunalpolitikern an. „Ich war zunächst skeptisch“, erinnerte sich Andreas Grasegger (Bayernpartei). Was er dann erlebte, „hat sich als gut herausgestellt“. Dem konnte sich Harald Helfrich (SPD) nur anschließen: „Das Strauss-Festival galt immer als abgehoben. Durch die neuen Spielstätten und Formate sowie die Einbeziehung der Natur kommt es jetzt viel mehr bei den Leuten an.“ Auch Elisabeth Koch (CSU) sprach sich entschieden dafür aus, die Marke Richard Strauss – „ein absolutes Alleinstellungsmerkmal für Garmisch-Partenkirchen“ – weiterzuentwickeln. Nach einem Jahr wieder auf die Bremse zu treten, hielt sie für „zu kurz gegriffen. Wir müssen dem Ganzen eine Chance geben“. Diesen flammenden Plädoyers konnte sich die Mehrheit nicht entziehen. Mit 20:6-Stimmen entschied sich das Gremium dafür, auch in den kommenden zwei Jahren 330.000 Euro für das Festival bereitzustellen.

Liebreich setzt auf drei Budget-Säulen

Widerspruch gab’s allerdings von Daniela Bittner (CSB). „Für mich ist es auch eine Frage der Verlässlichkeit, wie verlässlich der Gemeinderat seine Beschlüsse umsetzt.“ Ins gleiche Horn stieß Peppi Braun (Freie Wähler): „Ich bin nicht so wahnsinnig begeistert, die Gemeinde zahlt mehr, als an Ticketverkäufen (314.000 Euro, Anm. d. Red.) eingenommen wurde.“ Auch er erinnerte eindringlich an das Votum, die Leistungen der Gemeinde um besagte 50.000 Euro zurückzufahren, wenn der Freistaat nicht entsprechend mit Zuschüssen nachzieht. Liebreich setzt auf drei Säulen für sein angestrebtes Budget in Höhe von einer Million Euro – je ein Drittel sollen vom Markt, Land und Sponsoren abgedeckt werden.

Das ist noch nicht gelungen. Von privaten Förderern kamen 143.000 Euro, vom Freistaat 230.000 Euro. Die Vertreter des Landes waren Dr. Christian Wolf (Richard-Strauss-Institut) zufolge aber sehr angetan von der Neuausrichtung. Deshalb war der Zuschuss auch aus Mitteln des Kulturfonds geflossen – und somit in sechsstelliger Höhe. Zur Erinnerung: 2017 hatte es nur 70.000 Euro gegeben. „Wir kämpfen aber um eine eigene Haushaltsstelle“, unterstrich der Musikwissenschaftler. „Da sind wir kurz vor dem Ziel“, ergänzte Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD). „Dann hätten wir endlich Stabilität.“ Und die Chance auf eine entsprechend höhere Förderung, die auch Herrenchiemsee und Bayreuth genießen.

Daran, Spielstätten im ganzen Landkreis zu nutzen, halten Liebreich und sein Team fest. Konzerte vor der Ettaler Basilika stehen 2019 wieder auf ihrer Agenda. „Wegen der enormen Umbaukosten verzichten wir aber aufs Olympia-Eissportzentrum“, erklärte Wolf. Stattdessen sei das Eröffnungskonzert in der Aula des Werdenfels-Gymnasiums in Garmisch-Partenkirchen vorgesehen. „Wir nehmen uns viel vor“, betonte er, ohne ins Detail zu gehen. Dafür kalkulieren sie mit einem Budget in Höhe von 995.000 Euro – viel Geld, von dem noch mehr als bisher ins Marketing fließen soll.

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