VonChristian Fellnerschließen
Die Bürgermeister-Wahl in Garmisch-Partenkirchen hat ein erstes spannendes Duell: Dehoga-Kreischef und Hotelmanager Daniel Schimmer (38) kandidiert fürs Spitzenamt im Rathaus.
Garmisch-Partenkirchen – Der Zuspruch ist enorm. Damit hatte Daniel Schimmer selbst nicht gerechnet. 350 bis 400 Glückwünsche als Mails, Textnachrichten oder Anrufe erhielt er in nicht einmal 20 Stunden. „Von überall her, aus den verschiedensten Kanälen, ich war echt überwältigt.“ Reaktionen auf einen Post in den sozialen Medien. Darin erklären die Freien Wähler, dass der Ortsverband den 38-jährigen Hotelmanager nun tatsächlich als Bürgermeister-Kandidaten für Garmisch-Partenkirchen nominiert hat. Still und heimlich bei der Jahresversammlung. Eine große Überraschung war dies nicht mehr, hatte Schimmer doch bei der Präsentation des neuen Ortsvorsitzenden Konstantin Graf im Dezember eine Kandidatur durchblicken lassen. Amtsinhaberin Elisabeth Koch (CSU) nannte ihn zuletzt bereits öffentlich als Gegner für die Kommunalwahl.
Schimmers Engagement ist breit gestreut: 22 Ehrenämter
Die Zeit ist reif. So sieht es Schimmer. „Ich habe das richtige Alter und ich kann mir eine Veränderung jetzt durchaus vorstellen.“ Letzteres bezieht er in erster Linie auf seinen Hauptberuf. Er managt seit zehn Jahren den täglichen Betrieb im Hotel Garmischer Hof im Ortszentrum, hat sich etabliert. Und das nicht nur im Job. Schimmer streut sein Engagement sehr breit. Er hat einmal zusammengezählt: Auf stolze 22 Ehrenämter bringt er es. In seinen Augen ein Riesenvorteil: „Ich habe wirklich ein gigantisches Netzwerk.“
Ein sehr essenzieller Posten: Er steht im Kreis wie auch im Ort an der Spitze des Hotel- und Gaststättenverbands, wurde gerade erst einstimmig wiedergewählt. Damit weiß er eine der Kernbranchen der Region hinter sich: den Tourismus. Dass er gerne als Lobbyist abgestempelt wird, damit geht er locker um: „Das ist ein völliger Schmarrn. Wir sind eine Tourismus-Destination, da bin doch eigentlich ich froh, wenn ich das Wissen dieser großen Branche mit ins Gremium bringen kann.“ Gerade deswegen habe er sich vor fünf Jahren zur Wahl gestellt, weil die Branche in der Ortspolitik nicht vertreten war. Das Gerede geht an ihm vorbei. Er dreht den Spieß lieber um. Für Schimmer steht fest: „Funktioniert der Tourismus, dann profitieren bei uns alle davon. Mit einer starken Wirtschaft können wir auch andere Projekte und freiwillige Leistungen anpacken.“ Gerade in dieser Zeit, die politisch von der Sanierung der Schulen dominiert wird.
Steuererhöhungen gaben den Ausschlag zur Kandidatur: Sie seien ein fatales Signal
Selbstredend sind diese Belange seine Kernthemen. „Die Menschen hier sind unzufrieden mit der wirtschaftlichen Situation“, sagt er. „Das bekomme ich beinahe täglich zu hören.“ Daher frustrierte es ihn zutiefst, als die Gemeinderatsmehrheit im vergangenen Jahr die Steuererhöhungen durchdrückte. „Wenn man mit den Fachleuten spricht, zum Beispiel bei der IHK, dann sagt ein jeder, dass es der falsche Weg ist, in der Krise die Hebesätze zu erhöhen, das macht man in guten Zeiten.“ Der Markt habe Gewerbe- und Grundsteuer angehoben. „Fatal“, urteilt Schimmer, der gegen beides votierte. Dieser Schritt gab ihm das letzte Signal, tatsächlich seinen Hut in den Ring zu werfen. „Für mich war das der ausschlaggebende Punkt, diese Ohnmacht, weil man weiß, dass es falsch ist. Es gibt so viele andere Stellschrauben, an denen wir ansetzen könnten.“ Diesen Weg möchte er aufzeigen.
Kommunikation sieht Schimmer als seine große Stärke
Das Duell mit Elisabeth Koch (CSU) nimmt er an. „Ich glaube, wir kennen uns seit 23 Jahren“, sagt er und lacht. Und er räumt ein, in den vergangenen fünf Jahren, in denen er im Gemeinderat sitzt, sogar einiges von ihr gelernt zu haben. „Oh ja, was Taktik anbelangt zum Beispiel.“ Und doch sieht er letztlich grundlegende Unterschiede. „Ich denke, wir haben eine sehr unterschiedliche Art zu führen.“ Er erlebe die „beste Lebensschule“ täglich bei sich im Hotel, wo er mit 70 Angestellten arbeitet. „Egal ob mit den Mitarbeitern oder Gästen, du hast extrem viel Kontakt mit Menschen. Austausch ist unheimlich wichtig.“ Eine Stärke, die er sich zuschreibt. Und eine Trumpfkarte, die er ausspielen will. „Ich werde auf die Leute zugehen, ich möchte von ihren Problemen hören, für mich ist das nichts Neues.“ Ein erster kleiner Seitenhieb gegen die Amtsinhaberin. Wobei er klarmacht: Er wolle keinen emotionalen Wahlkampf führen. „Ich werde die Bürgermeisterin nicht schlecht machen, so möchte ich keine Stimmen gewinnen, sondern für Wähler von meinem Weg überzeugen.“ Fast ein Jahr hat er dazu noch Zeit.
Angemerkt: Reichen die Trumpfkarten für Schimmer?
Ein Duell ist es jetzt bereits um den Bürgermeister-Posten in Garmisch-Partenkirchen. Ob es noch mehr Kandidaten werden? Das wird sich zeigen. Sechs an der Zahl wie 2020 vermutlich keinesfalls. Daniel Schimmer nimmt es also mit Elisabeth Koch auf. Der 38-Jährige ist ein interessanter Kandidat. Aber auch einer, der der Amtsinhaberin gefährlich werden kann? Das hängt von einigen Faktoren ab:
Punkt eins: Hat Elisabeth Koch wirklich so viel an Gunst bei den Menschen verloren, wie oft kolportiert wird? Denn 2020 zog sie souverän ins Rathaus ein, kam bei sechs Bewerbern im ersten Wahlgang schon auf 44,7 Prozent, errang in der Stichwahl 69 Prozent.
Punkt zwei: Bringt Daniel Schimmer wirklich die gesamte Branche Wirtschaft/Tourismus hinter sich? Dann ist das durchaus ein Pfund, mit dem er wuchern kann. Aus diesem Sektor kommen sehr viele Entscheidungsträger und Multiplikatoren.
Punkt drei: Gelingt es Schimmer, das zuletzt im Gemeinderat entstandene Bündnis für sich zu begeistern und hinter sich zu versammeln? Kann er die SPD, die Grünen und vielleicht andere als Unterstützer gewinnen, würden die Chancen automatisch steigen. Denn: Auch wenn die Kommunal- eine Personenwahl ist, wird es ein Duell gegen die altbewährten Kräfte bleiben, die am Ende vielleicht doch für den Machterhalt stimmen könnten.
Allein diese Fragen zeigen: Rein diese zwei Kandidaten garantieren schon einen spannenden Wahlkampf.
