Wahlkampf in Garmisch-Partenkirchen

SPD will Garmisch-Partenkirchner Rathaus mit Peter Schimpf (68) zurückerobern

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Sie stehen zu ihrem Kandidaten: Peter Schimpf (4.v.l.) mit Vorstandsmitgliedern und Granden der Orts-SPD: (v.l.) Ulrike Bittner-Wolff, Niklas Imhof, Birgit Jentsch, Michael Simon, Alois Schwarzmüller, Maik Wenke, Angela Nieting und Alfred Heinle.
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Zwischen Realismus und Angriffslust: 68-Jähriger mit Erfahrung aus Wirtschaft und Sozialsektor soll für Coup der Sozialdemokraten sorgen

Garmisch-Partenkirchen – Birgit Jentsch spricht es im Brustton der Überzeugung aus: „Wir brauchen wieder ein rotes Rathaus.“ Denn eines steht für die Co-Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Garmisch-Partenkirchen fest: Der recht flapsige Spruch zur zurückliegenden Wahl „Rotes Rathaus, schwarze Zahlen, schwarzes Rathaus, rote Zahlen“ hat sich bewahrheitet. „Es ist so eingetreten.“ Also wollen die Sozialdemokraten alles in die Waagschale werfen, um bei der Kommunalwahl 2026 wieder die Wende zu erreichen. Nun präsentierten sie den Kandidaten, mit dem der Coup gelingen soll: Peter Schimpf, 68 Jahre alt, seit zehn Jahren in Garmisch-Partenkirchen daheim, einer, der Wirtschaft und Sozialsektor aus langer Berufserfahrung kennt. Schimpf erhielt nicht nur das einstimmige Votum des Vorstands, auch die Mitglieder sprachen ihm bei der Präsentation das Vertrauen aus.

Kandidat bracht ein bisschen Bedenkzeit

Ein bisschen Bedenkzeit brauchte Schimpf schon. Das räumt er ein. Zwei Fragen trieben ihn um: „Was ist, wenn man antritt und dann vielleicht weit hinten landet. Hält das das eigene Selbstvertrauen aus?“ Auf der anderen Seite: „Was ist aber, wenn man tatsächlich gewinnt?“ Mit der zweiten Frage hielt er sich nicht so lange auf. Dass es schwierig wird, den Chefsessel zu erobern, steht für alle im Ortsverein fest. „Wir sind Realisten, wir leben nicht in einer Region, die zu den Hochburgen der SPD zählt“, merkte Maik Wenke, der zweite Co-Vorsitzende, an. Und doch: „Wir wollen ein ernstes Angebot für das Amt des Bürgermeisters unterbreiten.“ Blieb für Schimpf Frage Nummer eins, die nach der Niederlage. Darüber musste er ein wenig sinnieren. Das Ergebnis: Das hält er aus. Eben mit einer guten Portion Selbsteinschätzung und Realismus.

Wer ist Peter Schimpf eigentlich? Das wollten auch die Mitglieder wissen. Nach dem Abitur entschied er sich für den Weg zur Bundeswehr, verpflichtete sich, studierte dort. Und eine entscheidende Erkenntnis wuchs bei der Truppe in ihm. Er hielt zur falschen Partei. Daheim in seinem Dorf zwischen Stuttgart und der Schwäbischen Alb, dort wählte man CDU. „Eltern, Bekannte, alle rundherum.“ Beim Bund änderte sich seine Einstellung: „Sozial- und sicherheitspolitisch fühlte ich mich bei der SPD wohler.“ Daher der Wechsel. „Und das vor 35 Jahren.“

Schimpft sieh sich fachlich qualifiziert für das Amt

Beruflich wechselte er nach zwölf Jahren Bundeswehr in die Wirtschaft, arbeitete für Grundig und eine Münchner Holding, ehe es ihn in den Sozialsektor zu einem Wohlfahrtsverband verschlug. Noch heute ist er als Vorstand in zwei Stiftungen aktiv. „Das waren drei sehr unterschiedliche Bereiche, aber am Ende immer dieselben Herausforderungen: Man musste mit einem Budget auskommen, Mitarbeiter motivieren und Leistungen erbringen, um Kunden zufriedenzustellen.“ Wenn er den Markt Garmisch-Partenkirchen mit seinen Tochtergesellschaften sehe, „wäre das in der Wirtschaft ein großer Konzern, der richtig geführt werden muss“. Eine Aufgabe, für die er sich „fachlich qualifiziert“ sieht.  

Dass obendrauf ganz andere Herausforderungen kommen, ist Schimpf bewusst. „Man muss zuhören können, eigentlich Diener der Menschen sein. Und alles, was man macht, geht nur über eine konstruktive Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat oder einer Mehrheit daraus.“ Drei gewaltige Themenkomplexe für die Zukunft sieht er: das Kongresshaus, bei dem „schon wieder zwei Jahre vergangen sind“, ohne einer „vernünftigen Lösung, die alle Zwecke abdeckt“ nähergekommen zu sein. Den Campus, den er nicht als „Hexenwerk“, aber vor allem aufgrund der Finanzen sehr weit entfernt sieht. Und das Thema Wohnen, bei dem „die Bäume nicht in den Himmel wachsen“, weil einfach die Flächen begrenzt sind. „Aber wir müssen noch ein paar Schritte mehr gehen.“

SPD will zeigen: „Wir sind auch da“

Schimpf kann keine Patentlösung für die Probleme liefern, er versprach am Abend seiner Vorstellung nur eines: „Ich werde einen engagierten Wahlkampf machen, damit ich ein gutes Ergebnis für die SPD einfahre.“ Offiziell aufgestellt wird er erst im Herbst bei der Mitgliederversammlung. Wenke war es aber, der aufs Gas drückte: „Wir wollten vor der Sommerpause noch ein Signal aussenden, dass wir auch dabei sind.“

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