Wie geht es weiter mit Traditionswirtschaft?

Aus für Gasthof Schandl? Das sagt das Brauhaus

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Die derzeitigen Pächter des Gasthof Schandl in Tegernsee hören im Herbst auf.
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Tegernsee - Gibt es in Zukunft noch ein Gasthaus Schandl? Die derzeitigen Pächter hören im Herbst auf. "Ein herber Verlust", sagt Tegernsees Bürgermeister Johannes Hagn.

Aktualisierung, 7. April: Nun äußert sich auch das Herzoglich Bayerische Brauhaus Tegernsee zum Pächterende beim Gasthaus Schandl. Das Brauhaus ist Eigentümer der Wirtschaft. "Wir bedauern außerordentlich, dass sich die Familie Brandmeier dazu entschlossen hat, den Betrieb des Gasthof Schandl zum 31. Oktober einzustellen", schreibt Brauhaus-Chef Christian Wagner in einer E-Mail. In den kommenden Monaten wolle man den Gasthof mit Blick auf die Konzessionsanforderungen und den Brandschutz prüfen. Wie das Gebäude dann weiter genutzt wird, wird danach entschieden. 

Bürgerversammlung, Treffen von Vereinen, Partei-Treffen: Das Gasthaus Schandl in der Max-Josef-Straße in Tegernsee ist wegen seines Saals ein beliebter Anlaufpunkt für Gruppen, die etwas Platz brauchen. Doch wie lange wird das noch so sein? Die derzeitige Pächterin Sandra Brandmeier hört zum 31. Oktober diesen Jahres auf - und wie es mit dem Schandl dann weitergeht, ist völlig offen.

Seit neun Jahren betreibt Brandmeier mit ihrem Mann Stefan die Gaststätte. In den Wintermonaten beschäftigen die beiden acht Mitarbeiter. Damit soll im Herbst Schluss sein. Die Verquickung von Hotel und Gastronomie, wie sie im Schandl praktiziert wird, können die Brandmeiers nicht mehr leisten. Zumindest nicht "ohne, dass die Gesundheit leidet", so Stefan Brandmeier. Sie seien eben keine Hoteliers, sondern Praktiker. Mit der Bürokratie durch beispielsweise Stornierungen oder auch den kürzlich eingeführten Mindestlohn seien sie so belastet, dass 16-Stunden-Tage ganz normal sind. Besonders gut sei das Gasthaus zuletzt auch nicht gelaufen. "Wir haben das Problem, dass wir nicht am Berg sind, aber auch nicht am See." Gäste kämen rein durch Mundpropaganda, Einheimische sowieso sehr selten. "Und auch die Vereine sterben aus." So sei kürzlich der Vdk im Saal zu Gast gewesen: Statt der 50 geladenen seien nur 21 Gäste gekommen. "Ich habe einen zusätzlichen Kellner bereit gehalten. Das ist dann ein Minusgeschäft", sagt Brandmeier.

Bürgermeister Johannes Hagn findet die jüngsten Entwicklungen "sehr schade". Denn: Ob das Gasthaus einfach so mit einem neuen Pächter wiedereröffnen kann, hält er für fraglich. "Da wird der Brandschutz und auch die Bausubstanz begutachtet." Das Schandl ist allerdings schon in die Jahre gekommen. "Wir haben an der Neureuth gesehen, welche Investitionen da nötig sind." Das Hotel Das Tegernsee biete zwar noch einen Saal und auch im Quirinal können sich Gruppen treffen - das eine ist aber am Berg und das andere ohne Bewirtung. Macht das Gasthaus Schandl dicht, hätten Vereine, Parteien und Bürger im Ort keinen Treffpunkt mehr - "ein Verlust für Tegernsee", so Hagn.

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