VonChristiane Mühlbauerschließen
Seit November steht der Gasthof Post in der Ortsmitte von Benediktbeuern leer – und daran dürfte sich auch so rasch nichts ändern, obwohl es einen Interessenten aus dem Klosterdorf gibt.
Benediktbeuern – Leerstehende Wirtschaften in zentraler Lage sind für Gemeinden alles andere als glücklich. Die „Post“ am Dorfplatz in Benediktbeuern ist seit November so ein Fall. Am Tag nach Leonhardi stellten die Pächter den Betrieb ein und zogen weg (wir berichteten). Zwei Jahre hatte das Ehepaar das Haus bewirtschaftet. Davor war die „Post“ 16 Jahre lang in der Hand des Ehepaars Böttger, bis Mike Böttger 2016 tödlich verunglückte.
Das Wirtshaus, dessen großer Saal für Gemeinde und Vereine von Bedeutung sind, steht jetzt vor einer schwierigen Zukunft. Im vergangenen Fasching übernahm der Maschkeraverein zusammen mit Pit Sinseder vom Gasthaus Jägerstuben die Bewirtung der Gäste. „Das lief einwandfrei“, sagt Bernd Schöpf vom Maschkeraverein. Nicht nur die Maschkera hoffen, dass sich bald ein neuer Wirt findet.
In den vergangenen Monaten besichtigten verschiedene Interessenten den Gasthof. Ein Pachtvertrag kam jedoch nicht zustande.
Interesse zeigt jedoch nach wie vor Pit Sinseder von den „Jägerstuben“. Die Bewirtung im Fasching war auch für ihn ein Testlauf. „Der verstorbene Bürgermeister Hans Kiefersauer hat sich sehr dafür eingesetzt, dass für die ,Post‘ rasch ein neuer Pächter gefunden wird“, sagt Sinseder. Die Testphase im Fasching fand auch er wichtig. Allerdings: „Im laufenden Betrieb sind dann schon ein paar Schwachstellen deutlich geworden, die beseitigt werden müssen.“ Als Beispiele nennt Sinseder die Küche und die Kühlung, die modernisiert werden müssten. Das gelte auch für die Heizungsanlage, vor allem in Bezug auf den großen Saal. Für diesen, sagt Sinseder, sollte auch ein anderes Pachtmodell gefunden werden. Nicht zuletzt müsse man auch an die Personalsituation denken: „Die ,Post‘ ist ein großes Haus, da braucht man schon einige Leute.“
Das Brauhaus Tegernsee, der die „Post“ gehört, sieht das anders. Wenn etwas anfalle, werde man die Arbeiten machen, man sehe derzeit dafür jedoch keine Notwendigkeit, sagt Dominik Salzer, zuständig für den Bereich Liegenschaften. Er bestätigt, dass es Gespräche und Hausbesuche gab, Details möchte er jedoch nicht nennen. „Wir suchen den Richtigen“, sagt Salzer. Einen Zeitrahmen habe man sich dafür nicht gesetzt.
Für Sinseder wiederum kommt eine Übernahme unter den derzeitigen Verhältnissen nicht in Frage. „An dem Haus muss was gemacht werden“, sagt der Benediktbeurer Gastronom. Und das müsste passieren, bevor das Wirtshaus wieder eröffnet. Man könne „es sich nicht leisten, den Betrieb aufzunehmen und dann wochenlang wegen Renovierungsarbeiten wieder zu schließen“, sagt Sinseder.
Auch bei den bevorstehenden Festtagen samt Patronatstag wird die „Post“ leerstehen. „Schade ist das schon“, sagt Sinseder.
Bedauern äußert auch Zweiter Bürgermeister Hanns-Frank Seller: „Die Wirtschaft ist ein wichtiger Treffpunkt für das dörfliche Leben.“ Die Gemeinde habe natürlich ein Interesse daran, dass es mit dem Betrieb weitergehe: „Das Haus wird nicht besser, wenn es leer steht.“
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