München

Trinkgeld-Debatte im Biergarten – „Die Leute geben weniger Tip, wenn sie mit Karte zahlen“

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Immer öfter hat man als Gast oder Kunde die Möglichkeit, statt mit Bargeld mit Karte zu zahlen. Auch im Biergarten. Wirtinnen berichten davon, dass dabei das Trinkgeld oft auf der Strecke bleibt.

München - Auch wenn grad kein rechtes Biergarten-Wetter ist: Es tut sich was in der Münchner Freiluft-Gastronomie. In der Nach-Corona-Zeit müssen Sicht die Wirte viele Gedanken machen – und wir reden da nicht nur über Personalmangel und Steuersätze. Auch auf die Frage, wie die Gäste zahlen, gibt’s heute ganz andere Antworten als noch vor vier, fünf Jahren. Stichwort: Karte statt Bargeld. Und das hat wiederum Folgen für die Mitarbeiter, weil Karten-Nutzer oft weniger (oder gar kein) Trinkgeld geben.

Münchner Biergärten: Gerade seit Corona zahlen immer mehr Gäste mit Karte

„Von Jahr zu Jahr werden Kartenzahlungen mehr“, bestätigt Silja Steinberg vom Hofbräukeller. „Befeuert natürlich durch Corona – weniger wird es sicher nicht mehr werden.“ Hintergrund: Die Plastikkarte galt im Vergleich zu Scheinen und Münzen als unbedenklicher, was Infektionsgefahr betrifft. Und jetzt, wo sich alle dran gewöhnt haben, bleiben sie einfach dabei, auch ohne Pandemie. Das bestätigt Daniela Ziegler, Kreisgeschäftsführerin München vom Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). „Der Anteil an Kartenzahlungen nimmt jährlich zu. Auch Kleinstbeträge werden immer mehr mit Kreditkarte gezahlt“, sagt sie.

Im Wirtshaus am Bavariapark kann man auch im Selbstbedienungsbereich schon seit einer Weile mit Karte zahlen

Über die Folgen spricht Stephanie Spendler, Wirtin von der Hirschau: „Grundsätzlich geben die Leute eher weniger Trinkgeld, wenn sie mit Karte zahlen.“ Bei Barzahlung würden Restbeträge eher mal liegen gelassen als bei Kartenzahlung – eben, weil’s ja gar keinen Rest gibt. Spendler über den Bar-Fall: „Wenn jemand eine Rechnung von 9,80 Euro hat, legt er einen Zehner hin und sagt „Basst scho.‘“ Bei Kartenzahlung sehe das anders aus – weniger Leute würden sich die Mühe machen, einen neuen Betrag zu nennen, der dann ins Gerät eingetippt wird.

Kartenzahlung: Weniger Arbeit und kürzere Wartezeiten

Sabine Sedgwick ist gemeinsam mit ihrem Mann Philip Sedgwick seit 2011 Wirtin vom Wirtshaus am Bavariapark. Mit Karte zahlen kann man dort, auch im Selbstbedienungsbereich, schon seit einer Weile. „Das erleichtert uns die Arbeit und verringert die Wartezeiten im Selbstbedienungsbereich“, sagt Sedgwick.

Doch auch hier haben die Mitarbeiter im Selbstbedienungsbereich zuletzt eher weniger Trinkgeld bekommen. Sabine Sedgwick berichtet nun von einer interessanten Erfahrung: „Wir hatten einen Tag lang im EC-Gerät eine Art Trinkgeld-Einstellung: Da wurde der Gast bei der Zahlung gefragt, ob er Trinkgeld geben möchte.“

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Immer öfter werden EC-Geräte eingesetzt, bei denen der Gast direkt das Trinkgeld eingeben kann

So ein System, bei dem auf dem Display automatisch eine Tinkgeld-Abfrage mit verschiedenen vorgeschlagenen Prozentsätzen oder Beträgen erscheint, gibt’s mittlerweile häufig in der Gastronomie – manche Gäste finden das irritierend. Das Ergebnis war aber eindeutig: Mehr Leute hätten tatsächlich auch Trinkgeld gegeben, berichtet Sedgwick.

Trotzdem hat sie die Einstellung wieder abgeschafft, weil sie mit dem Kassensystem nicht kompatibel war, sagt Sedgwick. „Vielleicht stellen wir an der SB-Kasse einfach ein Sparschwein auf, in das die Gäste etwas einwerfen können, wenn sie möchten.“

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Rubriklistenbild: © Sigi Jantz

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