VonKatharina Brumbauerschließen
Seit gut einem Monat gilt in der Gastronomie wieder der erhöhte Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent. Doch das ist nicht das einzige, was den Murnauer Gastronomen Magenschmerzen bereitet. Viele haben die Preise erhöht.
Murnau – Christian Bär schüttelt manchmal selbst den Kopf, wenn er die Speisekarte seines Restaurants liest. Der Geschäftsführer des Hotels Alpenhof in Murnau und stellvertretender Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga hat die Preise in seinem Lokal zum Jahreswechsel deutlich anheben müssen. Um 15 Prozent ist er nach oben gegangen.
Nach dieser kurzen Zeit sei es noch zu früh, um eine fundierte Bilanz zu ziehen, betont Bär. Im Januar jedenfalls habe er aber fünf bis zehn Prozent weniger Umsatz verzeichnet. Die Gäste wählten die Gerichte mit Bedacht. „Aus meiner Sicht ist Essen gehen zu teuer“, unterstreicht der Hotelier. Doch die Gastronomen hätten die Preise erhöhen müssen. Die Anhebung der Mehrwertsteuer von sieben zurück auf 19 Prozent sie nur ein Grund.
Auch Strompreisbremse fällt weg, Co²-Preis steigt: Nicht nur Mehrwertsteuer-Anhebung beunruhigt Gastronomen
Zum 1. Januar war nämlich auch Schluss mit der Strompreisbremse. So muss auch Bär im Alpenhof wieder mehr für die Energie zahlen. „Bei mir ist das ein sechsstelliger Betrag, den ich ausgleichen muss.“ Dazu kämen die Anhebung des Mindestlohns auf 12,41 Euro und der Anstieg des Co2-Preises, was Heizen, Tanken und somit auch die Lieferungen für die Gastronomen teurer macht. Die Rückkehr zum alten Mehrwertsteuersatz sei da nur ein weiterer Aspekt.
„Die 19 Prozent geben uns einen klaren Standortnachteil“, sagt Bär – mit Blick auf Österreich, wo für Getränke 20 und für Speisen zehn Prozent Mehrwertsteuer erhoben werden. In Italien kommen auf Restaurant-Rechnungen zehn Prozent obendrauf. „Dort ist Essen gehen billiger.“ Die Mehrwertsteuer-Erhöhung ist das eine. Aber Bär erinnert an die übrigen Teuerungen: „Alles zusammen können wir nicht mehr auffangen.“
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Einen Monat nach der Mehrwert-Steueranhebung: Nächsten Wochen werden zeigen, ob die Gastronomen mit den Preissteigerungen hinkommen
Auch Michael Gilg hat seine Preise im Griesbräu angehoben. „Moderat“, wie er sagt. Er nennt ein Beispiel: Ein Schweinsbraten kostete 2023 noch 14 Euro, nun 15. Das entspricht einer Preissteigerung von sechs Prozent. „Ich werde schauen, ob ich weiter damit hinkomme“, sagt Gilg. Es werde sich noch zeigen, ob er mit dem Umsatz seine Ausgaben, darunter hohe Fixkosten wie Heizen, Reinigung und Löhne, decken kann.
Der Murnauer traut sich auch noch nicht zu sagen, wie die Preissteigerung ankommt. Im Januar hatte er zwei Wochen geöffnet, anschließend war er bis 4. Februar im Urlaub. „Bisher habe ich aber nichts negatives von den Gästen gehört.“ An Buchungen fehlt es Gilg nicht, erklärt er. „Die Nachfrage nach bayerischer Küche ist auf jeden Fall da.“
„Will, dass auch noch Familien kommen“: Preise im Restaurant Zum Murnauer bleiben wie gehabt, auch die Übernachtungen im Angerbräu kosten noch das gleiche wie 2022
Regina Samm vom Angerbräu hat ihr Restaurant noch nicht geöffnet. Im Hotel ist wenig los, das wundert sie im Winter aber nicht. Händeringend braucht sie – wie so viele ihrer Kollegen auch – noch Personal. „Das ist auch ein großes Problem für uns alle.“ Eine neue Speisekarte steht. „Ich werde durchgehend bei meinen Gerichten um zehn Prozent nach oben gehen.“ Für die Übernachtung, bei der auch ein Frühstück dabei ist, zahlen die Gäste noch das gleiche wie 2023.
Benjamin Schmitz hat die Preise in seinem Restaurant Zum Murnauer erstmal so belassen. „Ich möchte, dass auch Familien zu mir kommen“, betont der Gastronom. „Wenn die aber dann irgendwann mit einer 150-Euro-Rechnung bei mir rausgehen, kann ich das nicht mehr vertreten.“ Natürlich müsse für den Wirt etwas übrig bleiben. Für ihn selbst und für das Team. „Es hängen ja auch Existenzen dran.“
Schmitz ist glücklich, „loyale“ Mitarbeiter an seiner Seite zu haben. Aber man müsse – gerade in einem kleinen Ort wie Murnau als Lokal auch attraktiv – also einigermaßen bezahlbar bleiben. „Man muss sich anschauen, wie sich das weiter entwickelt“, sagt Schmitz. Eventuell werde er seine Preise auch noch anpassen müssen. „Ich will nicht jammern“, unterstreicht er. Er habe ja drei Standbeine. Das Lokal, einen Event-Saal und einen Nachtclub. „Da geht es mir noch gut.“ Auch wenn er sich bei den Veranstaltungen, die er ausrichtet, etwa Hochzeiten, auf Preisverhandlungen einstellt. „Auf jeden Fall ist das Eis dünner geworden.“
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