Erstes Wochenende war durchwachsen besucht

Gaukler, Musikanten und viel Mittelalter beim Schongauer Sommer

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Er begeistert seit Jahren mit seiner Show: Lubow, der Fakir.

Das Mittelalter-Spektakel „Schongauer Sommer“ hat am ersten Wochenende wieder auf den Volksfestplatz gelockt. Elf Tage lang werden die Gäste in eine andere Zeit verzaubert. Handwerker, Künstler, Musikanten, Köche und Gaukler haben vor den Toren der Lechstadt ihre Zeltstadt aufgebaut.

Schongau – Der Volksfestplatz hat sich in ein großartiges Zelt- und Budendorf verwandelt. Es herrscht munteres Treiben. Händler, Musiker Trödler, Handaufleger, Handwerker und auch so mancher der Besucher tragen historische Gewänder.

Das Mittelalter heißt seine Gäste willkommen: Bei durchwachsenem Wetter ist die Neugierde groß. „Wer ist wieder gekommen, wer ist neu in der Riege der Freunde des Mittelalters“, so die Frage bei einem Besuch am Samstag. Gleich links nach dem Eingang ein wahres Schmankerl. Lorenz (85) und Maria (86) Gruber sind aus der Oberpfalz angereist. Ab 2001 war der Rechen- und Spankörbemacher zwölf Jahre mit dabei, als noch in der Altstadt der Markt organisiert war. Danach hatte das Ehepaar Einladungen von Krems an der Donau bis Koblenz abzuarbeiten. Jetzt quasi „back too the roots“ nach Schongau.

Leuchtende Hals- und Armketten

Eine seiner Spezialitäten sind Körbe aus Eichenspänen, die er selbst aus grünen Eichenstämmen gewinnt. Das heißt, dass Gruber die grünen Stämme in einen Backofen schiebt, danach die zwei Meter langen weichen Holzfasern unter der Rinde abzieht. „Alles ohne Werkzeug“, so Gruber. Daraus fertigt er dann seine Buckelkraxn.

Die Gauklergruppe „Vis-á-vis“ aus Huglfing erzählt Geschichten durch Darstellungen und Hebefiguren.

Das erste Mal in Schongau sind Monika & Bernhard. Sie fertigt leuchtende Hals- und Armketten aus Glasperlen. Vor allem historische Nachbildungen von Schmuckstücken der Wickinger sind ihre Spezialität. Bernhard hat sich auf besondere Trinkhörner spezialisiert. Aus Hörnern der indischen Watussi-Rinder sind edle Einzelstücke gefertigt. Dazu gibt es Halterungen aus Leder oder Schmiedeeisen.

Tierfiguren aus Holz und Pappmaschee

Seine Trinkhörner gleich einweihen kann man bei Erich am Stand gegenüber. Er betreibt die „Moosbacher Hexenküche“. Eine wahre Oase aller Getränke, die mit Met angereichert sind. Süffig, geschmackvoll. Erich ist stolz darauf, dass alle Getränke in seiner Hexenküche hergestellt werden. Vor allem seine Spezialität „Met im Gärstadium“ ist bei den Besuchern heiß begehrt.

Neben Erich ein weiterer Neuling: „Quarkmalerey“ bietet Jörg aus Ostthüringen an. Hier kann man Tierfiguren aus Holz und Pappmaschee fantasievoll bemalen. Ein Spaß für Jung & Alt. Dazu bietet er kleine Schmuckstücke aus Glimmerschiefer und edlen Hölzern an.

Auch die Hexenflugschule ist dabei

Gegenüber hat Markus sein „Art Asia“-Lager aufgeschlagen. Seine alten Himalaya- Klangschalen und indische Tempelglocken locken an. Dazu stehen jede Menge Fabeltiere und Tanzschellen aus Messing zum Erwerb bereit.

Einige Schritte weiter lässt Meister Friedrich seine Späne fliegen. Der Meister des Drehleierbaus gehört schon zum festen Inventar des Marktes. Für einen kleinen Trinkobolus spielt er sogar auf der Drehleier. „Aber bitte kein Kleingeld, habe Kupferallergie“, so seine lustig-formulierte Bitte an die Besucher.

Das „Seherweib“ Tania

Auf keinen Fall fehlen darf die Hexenflugschule von Karsten. Seit Jahren dabei, seit Jahren bei den Kindern beliebt. Man reitet wie auf einem Besen und fühlt sich als richtige kleine Hexe. Die großen Hexen können derweil daneben Karsten beim Glasblasen zusehen. „Leider ist das Interesse, hier zuzusehen, von Jahr zu Jahr weniger geworden“, so der Glasbläser. Aber die Hexenflugschule floriert umso mehr.

Einer der letzten seiner Zunft: Spankorb- und Rechenmacher Lorenz Gruber im Element. Dahinter seine Frau Maria. 

Da sitzt sie vor dem Eingang ihres Zeltes mit magischen und lockenden Augen: Das „Seherweib“ Tania darf natürlich nicht fehlen. Der Blick in die Zukunft immer noch die „App des Mittelalters“. Egal ob Glaskugel oder Karten, Tania weiß viel zu deuten.

Mittelalter und Falknerei gehören zusammen wie die Butter aufs Brot. Sylvia & Bernhard wissen viel darüber zu berichten. Sie sind mit ihren Tieren das erste Mal beim Schongauer Sommer dabei. Natürlich ein Magnet für die Besucher, die zum großen Teil noch nie einen Greifvogel aus der Nähe gesehen jaben.

Lubow darf natürlich nicht fehlen

Was wäre das Spektakulum auf dem Volksfestplatz ohne Lubow den Fakir? Seit Jahren begeistert er mit seiner Show. Barfuß in einem Haufen von Glasscherben stehend, überzeugt er genauso wie liegend auf dem Nagelbrett. Menschliche Körper als Zusatzgewichte sind das Salz in seiner Suppe.

Das Spiel mit dem Feuer beherrscht er perfekt: Sogar auf dem Rücken liegend spuckt er seine Flammen meterhoch in den Himmel. Die höchste Kunst eines Fakirs.

Leider nur am Wochenende gibt es die Akrobatik-Gruppe „vis-á-vis“ aus Huglfing. Die Turner erzählen durch Hebefiguren wahre Geschichten rund um das Mittelalter. Einfallsreich und mit viel Körperbeherrschung.

Hans-Helmut Herold

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