VonVolker Ufertingerschließen
Gauting wird um Windräder nicht herumkommen, die Politik macht Druck. Einen Baubeginn vor 2026 hält Experte Robert Sing aber für unwahrscheinlich.
Gauting – Viele werden sich noch an die Nebengeräusche erinnern, von denen der Bau der Windräder in Berg begleitet war, bevor sie 2015 in Betrieb genommen wurden. Inzwischen steht fest: Es hat sich in jeder Hinsicht rentiert. Der Jahresertrag der vier Anlagen beträgt etwa 24 Millionen Kilowattstunden, der finanzielle Ertrag liegt deutlich über den Erwartungen und bleibt dank der Geschäftsform („Bürgerwind Berg GmbH und Co. KG“) in der Region.
Die Windkraft hat inzwischen eine größere Bedeutung denn je. Es geht nicht nur um die Energiewende, sondern auch um die Unabhängigkeit von politisch unberechenbaren Exportländern. „Der Ukraine-Krieg hat viel in Gang gesetzt“, sagte der Landsberger Ingenieur Robert Sing am Donnerstag im Gautinger Gemeinderat. Er hat schon die Berger Windräder realisiert.
Aktuell macht die Politik Druck, mit dem Ausbau der Windenergie kann es nicht schnell genug gehen. Laut Sing haben Bund und Land seit November 2022 sechs Gesetzesänderungen vorgenommen, um den Bau zu erleichtern. Die 10H-Regel, die das Zehnfache der Anlagenhöhe als Abstand zur nächsten Wohnbebauung fordert und Windanlagen in Bayern praktisch unmöglich machte, ist längst gelockert.
Windräder sollen nur auf speziellen Flächen stehen
Gauting ist in der glücklichen Lage, dass der Landkreis vor gut zehn Jahren selbst Konzentrationsflächen ausgewiesen hat, auf Gautinger Flur fünf Stück. Sing: „Das hat Ausschlusswirkung für die Restflächen der Gemeinde.“ Voraussetzung ist allerdings, dass der Regionalplan München bis Ende 2027 insgesamt 1,1 Prozent und bis Ende 2032 dann 1,8 Prozent der Fläche für Windenergie ausweist. Wird die Marke nicht erreicht, ist die Ausschlusswirkung hinfällig und Investoren können bauen, wo sie wollen. Anderswo in Bayern ist das längst der Fall.
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Laut Sing haben sich die Anlagen seit 2015 in ihrer Leistungsfähigkeit noch einmal stark verbessert. „Moderne Windkraftanlagen ernten das Doppelte an Wind wie in Berg, kosten aber nicht das Doppelte“, sagt er. Die Kosten für ein Windrad liegen im Schnitt bei acht Millionen Euro, wovon im allgemeinen 70 Prozent eine Bank übernimmt. Eine zu gründende Gesellschaft bringt die restlichen 30 Prozent auf. Mit Blick auf Gauting hält er eine Anzahl von zehn bis 15 Windräder für maximal möglich. Am besten geeignet ist der Bereich Buchendorf. An einen Baubeginn vor 2026 glaubt der Ingenieur nicht, wenn man Lieferfristen und Genehmigungsverfahren einkalkuliert. Momentan läuft eine Machbarkeitsstudie der Gemeinde.
Am besten geeignet ist der Wald in Buchendorf
Hans-Wilhelm Knape (Grüne) wies auf den Sonderflughafen Oberpfaffenhofen hin. „Hat der Flugverkehr irgendwelche Auswirkungen auf die Planungen für Gauting?“, fragte er. „Ich bin mit den Betreibern in Kontakt und kann sagen, dass kein Belang dagegen steht“, erwiderte der Experte. Ebenso wenig wie von Lagerlechfeld, dessen Einzugsbereich bis nach Gauting reicht.
Beruhigen konnte Sing die Gemeinde beim Thema Artenschutz. Inzwischen ist eine kamerabasierte Vogelerkennung entwickelt worden, die die Windräder automatisch abschaltet, wenn sich eine kollisionsgefährdete Art wie der Rotmilan oder ein Fledermauszug nähern. Noch bis vor kurzem seien 80 Prozent der Anträge aus Gründen des Vogelschutzes abgelehnt worden. Dies dürfte der Vergangenheit angehören.
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Breiteren Raum nahm die Frage nach einer Bürgerbeteiligung ein. „Das habe ich zugesichert, und das machen wir auch“, sagte Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger. In diese Richtung ging auch die Empfehlung von Sing. „Auf diese Weise ist sichergestellt, dass das Geld im Dorf bleibt.“ Am geeignetsten ist eine GmbH und Co. KG, vor allem wegen der steuerlichen Vorteile. Die Mindesteinlage liegt zwar bei 5000 Euro, aber es kann auch eine Genossenschaft aufgenommen werden. Der Gemeinde gab er den Rat, sich nach Kräften zu beteiligen. In seiner Heimatgemeinde habe man nur das Nötigste investiert – und bereue es inzwischen. „Die Rendite ist in anderen Gemeinden längst eine Schuldentilgungsmaschine.“
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