VonVolker Ufertingerschließen
Bis 2035 will der Landkreis von Öl und Gas unabhängig sein. Wenn das gelingen soll, müssen die Anstrengungen dringend verstärkt werden. Das machte Oliver Berger von der Energiewende Starnberg im Umweltausschuss deutlich.
Gauting – 2005 hat der Kreistag den Beschluss gefasst, in 30 Jahren nur noch regenerative Energien zu verbrauchen. Darauf sind bislang zu wenig Taten gefolgt. Aktuell, also etwa zur Halbzeit, ist das Ziel erst zu elf Prozent erreicht. Oliver Berger vom Verein Energiewende Starnberg, der auf Antrag der Grünen am Dienstag im Gautinger Umweltausschuss ein Referat hielt, versuchte, dennoch Optimismus zu verbreiten. „Die 90 Prozent schaffen wir noch.“
Der Preis wird allerdings hoch sein – und zwar buchstäblich. Der Diplom-Ingenieur bezifferte die Kosten mit 3,5 Milliarden Euro. „Das ist sicher nicht leicht zu stemmen.“ Doch es werde auch seinen Preis haben, wenn man an der fossilen Energie festhält, nämlich 500 Millionen Euro jährlich – Kostensteigerungen nicht mit eingerechnet. In Bergers Augen ist das keine Option. „Es setzt sich langsam das Bewusstsein durch, dass wir es uns nicht mehr leisten können, es nicht zu tun.“
Zwei Konzentrationsflächen für Windkraft in Gauting
Berger machte deutlich, dass alle 14 Kommunen im Kreis gefordert sind, auch Gauting. Nach seiner Modellrechnung werden im Landkreis 80 Windräder errichtet werden müssen, um das Ziel zu erreichen. In Gauting sind es zwölf. „Wir werden sämtliche Konzentrationsflächen nutzen müssen“, sagte er. Davon gibt es in Gauting zwei, eine Richtung Norden (Krailling) und eine Richtung Süden (Starnberg). Die neuen Windräder haben inzwischen die doppelte Leistungsfähigkeit der vier Anlagen in der Gemeinde Berg.
Auch Fotovoltaik wird eine wichtige Rolle spielen. Landkreisweit braucht es sage und schreibe eine 1500-fache Steigerung dessen, was aktuell verbaut ist. Allein in Gauting müssten bis 2025 zehn Hektar allein an Dachflächen mit Solarpaneelen bestückt sein. Zusätzlich sind 112 Hektar Freiflächenfotovoltaik nötig, um den für den gesamten Landkreis angestrebten Wert für Sonnenenergie von 659 Millionen Kilowattstunden zu erreichen. Johannes Knape (Grüne) konnte kaum glauben, was er da gehört hatte. „Ist das realistisch?“, fragte er. „Was die Hausdächer angeht, wohl eher nicht“, entgegnete der Experte. Er brachte die Überdachung von Parkplätzen ins Spiel, wie sie in Hessen bereits Pflicht ist.
Auch auf Geothermie wird nicht verzichtet werden können
Auch auf die Geothermie wird man auf keinen Fall verzichten können. Nach der Bergerschen Berechnung wird es vier Anlagen nach der Art in Freiham brauchen, die heißes Wasser aus den Tiefen der Erde pumpen, um es oben nutzbar zu machen. Derzeit wird ein Projekt für Unterbrunn geplant. Dr. Matthias Ilg (Grüne) wollte wissen: „Was machen wir mit der Wärme im Sommer?“ Berger riet dazu, sich für das aufgeheizte Oberflächenwasser eine aufgelassene Kiesgrube zu suchen, diese am Boden auszukleiden und mit Kies abzudecken. „Da ist sie eingeschlossen wie in einem Beutel.“ Solche Gruben gibt es im Westen der Gemeinde.
Axel Höpner (MfG/Piraten) fragte nach, wie lange es dauert, bis ein Windrad steht. „Eigentlich sieben Jahre, doch das lässt sich beschleunigen“, sagte Berger. Im Idealfall sind es nur drei Jahre. Er riet den Verwaltungen, zusammenzuarbeiten. „Es muss nicht jeder bei Null anfangen.“ Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger zog für ihre Gemeinde kein schlechtes Fazit: „Ich sehe, dass wir in allen Bereichen tätig sind.“
