Absturz eines Starfighters vor 55 Jahren

Gedenken an die Beinahe-Katastrophe bei Gauting

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Gedenken im Königswieser Forst (v.l.): Norbert Weber, Stephan Limmer, Fritz und Ingrid Herbig, Dritter Bürgermeister Markus Deschler sowie Werner Limmer.
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Am 17. April 1968 wäre es beinahe zu einer Katastrophe gekommen. Im Königswieser Forst, zwei Kilometer Luftlinie vom Gautinger Zentrum entfernt, stürzte ein Starfighter ab. Des Unglücks wurde am Montag gedacht.

Gauting – Der 17. April 1968 war ein ganz normaler Tag. Die Kinder waren in der Schule, Erwachsene gingen ihrer Arbeit nach – Alltag eben. Bis kurz vor 15 Uhr. An das, was dann geschah, kann sich Taxifahrer Fritz Herbig bis heute erinnern. „Ich stand am Bahnhof und lehnte an der Tür meines Taxis. Plötzlich hörte ich zwei ohrenbetäubende Detonationen. Und dann kam da eine Druckwelle, dass mir die Luft stehen geblieben ist.“ Wie viele andere machte er sich auf den Weg in den Königswieser Forst, um zu sehen, was los war. Der Weg zur Unglücksstelle war leicht zu finden, eine Rauchsäule wies Weg.

Relativ schnell sprach es sich herum: Ein Starfighter war abgestürzt. Das kam damals nicht selten vor, die Wunderwaffe im Kalten Krieg war sensibel und fehleranfällig, das wusste man. Aber so nah an Gauting? Mitten in die allgemeine Aufregung hinein wurde so manchen bewusst, wie nah Gauting an einer Katastrophe buchstäblich vorbeigeschrammt war.

Dieses Ereignis ist bis heute präsent. Das ist vielen Ehrenamtlichen zu danken, die verhinderten, dass der Tod des Piloten Ferdinand Eckert in Vergessen gerät. Stephan Limmer zum Beispiel, der zusammen mit der Jugendfeuerwehr Zeitzeugen von damals befragt und daraus ein Buch gemacht hat. Der verstorbene Wolfgang Christenn, der mitten im Wald eine Gedenkstätte errichtet hat. Und eben Fritz Herbig, der diese Gedenkstätte mit seiner Frau Ingrid pflegt.

War es eine Heldentat des Piloten?

Am Montag wurde hier, tief im Königswieser Forst, anlässlich des 55. Jahrestags des Unglücks gedacht. Stephan Limmer ließ die Glocken der nahen Ulrichskapelle läuten und las aus dem Buch die Chronologie der letzten Minuten vor dem Absturz vor. Dritter Bürgermeister Markus Deschler übergab einen Kranz, mit blauer und gelber Schleife, in den Farben der Gemeinde. Für ihn war Ferdinand Eckert nicht nur der „Hauptmann von Lager Lechfeld und Ehemann, sondern auch der Mensch, der in Gauting sein Leben gelassen hat.“ Er machte deutlich, wie verheerend ein Absturz im Wohngebiet gewesen wäre.

Oder war es, wie kolportiert wird, eine Heldentat? Hatte Eckert seinen Starfighter bewusst neben der Siedlung abstürzen lassen, um Menschen zu retten? Man weiß, dass es unter Jet-Piloten diesen Ehrenkodex gab. Auf der anderen Seite: Hatte er bei doppelter Schallgeschwindigkeit überhaupt noch die Kontrolle über seinen Starfighter? Auf diese Frage wird es vermutlich keine Antwort geben. Fest steht nur: An diesem 17. April 1968 hatte Gauting Glück.

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