Ein kleiner, inzwischen verwitterter, Betonkasten wäre im Ernstfall der wichtigste Bau auf dem Fürstenfeldbrucker Fliegerhorst gewesen. Nur Kenner wissen um die Bedeutung des ehemaligen Geschwadergefechtsstandes.
Fürstenfeldbruck – Ein wuchtiger, fensterloser Betonklotz steht weit entfernt vom Flugbetriebsbereich. Die olivgrüne Farbe blättert deutlich ab, Spuren weißer Rinnsale an den Außenmauern verstärken den gammligen Charakter. Die weiß-rote Farbe des Antennenmastes verblasst, oben ragt nur noch ein Stahlgerippe in den Himmel.
Wie so viele Bauwerke auf Fursty ist auch dieses längst nicht mehr in Betrieb und hat keine Nachfolgenutzung gefunden. Gleichwohl war es bis zur Auflösung des Jagdbombergeschwaders 49 im Jahr 1994 das wohl wichtigste Gebäude des ganzen Fliegerhorstes: der Geschwadergefechtsstand, im Luftwaffen-Englisch Wing Operation Center, WOC. Um auch in einem eventuellen Spannungs- oder gar Verteidigungsfall des Kalten Krieges voll operabel zu sein, war es mehrfach gehärtet und kam einem überirdischen Bunker gleich.
Weg wächst immer weiter zu
Heute steht ringsum das Gras hüfthoch, der einst breite Zuweg wächst immer weiter zu. Dabei war der Weg von essentieller Bedeutung. Er verband früher den Gefechtsstand mit dem Stabsgebäude, das mittlerweile außerhalb des jetzigen Kasernenzauns liegt und als Asylbewerber-Unterkunft dient. „Der Kommodore hatte unweit seines Dienstzimmers im ersten Obergeschoß eine repräsentative Treppe an der Westseite des Stabsgebäudes, um auf kürzestem Weg in den Gefechtsstand zu gelangen“, erinnert sich Oberstleutnant a.D. Harald Meyer, der oft am Wochenende für 24 Stunden der diensthabende Offizier des Gefechtsstandes (OvG) war. „Die Mindestbesetzung war der OvG und ein assistierender Unteroffizier, während der normalen Dienstzeit auch bis zu sechs Personen“, erzählt Meyer weiter. Weil das WOC rund um die Uhr 365 Tage im Jahr besetzt war, gab es auch eine Küche und Räume mit Liegen.
Bei Übungsalarmen und taktischen Überprüfungen führte der Geschwaderkommodore mit seinen drei Kommandeuren (Fliegende, Technische und Fliegerhorst-Gruppe) aus dem WOC das gesamte Geschwader. Dann war der Bunker streng bewacht und voll von Soldaten, die sich einer Eingangskontrolle unterziehen mussten. Jeder hatte eine Pistole (PPK), das Wachpersonal Gewehre. (mjk)
Die Serie
Alte Tower, Fliegerhorstkirche, Kilometerbau: Diese Orte auf dem Fliegerhorst kennen die meisten. Doch dort befinden sich viele weitere, kaum bekannte Gebäude, die im Kalten Krieg eine besondere Rolle gespielt haben. Harald Meyer von der Traditionsgemeinschaft Fursty stellt sie bei einem Spaziergang vor. Mit ehemaligen Kameraden betreibt er eine private lehrgeschichtliche Sammlung auf Fursty und bietet rund zweieinhalbstündige Führungen an. Anfragen unter meyerffb@arcor.de.