VonAndreas Högerschließen
Im Moarhölzl südlich von Holzkirchen soll wieder eine große Flüchtlings-Unterkunft entstehen. Der Landkreis hat sich bereits mit der Marktgemeinde abgestimmt, wartet aber noch auf die Finanzierungs-Zusage des Freistaats. Statt der Traglufthalle von 2016/17 ist eine große Container-Unterkunft geplant.
Holzkirchen – Der freie Markt gibt nichts mehr her. Unterkünfte für Geflüchtete zu finden, wird für den Landkreis zunehmend zum Problem. Schon ist eine Turnhalle in Miesbach belegt, eine andere vorsorglich „reserviert“. Die Zuweisungsquote der Regierung von Oberbayern kann der Kreis zur zu 88 Prozent erfüllen. Was aber, wenn wieder ein Bus voller Geflüchteter irgendwie unterzubringen ist? Zwei größere Container-„Dörfer“ in Hausham und im Holzkirchner Moarhölzl sollen den Druck lösen.
Das Moarhölzl geriet schnell wieder in den Blickpunkt. Die Gemeinde, sagt Bürgermeister Christoph Schmid, sei bereit, das Gelände zu verpachten. „Wir haben den Standort gemeinsam diskutiert“, erklärt Sophie Stadler, Pressesprecherin des Landratsamts, „es lag nahe, weil er schon einmal für eine Notunterkunft genutzt wurde.“
Während der großen Flüchtlingskrise stand im Moarhölzl, einem gemeindeeigenen Gelände etwa einen Kilometer südlich von Holzkirchen, eine Traglufthalle (320 Plätze) sowie ein Küchenbereich aus Containern. 2017 verschwanden Halle und Container wieder. Die Anschlüsse für Strom, Gas, Wasser und Abwasser sind aber noch vorhanden.
Eine teure Traglufthalle wird es diesmal nicht werden. „Das Landratsamt hat die Kostenübernahme für Container beantragt“, sagt Stadler, „das ist inzwischen Standard in Sachen Wirtschaftlichkeit, Aufenthaltsqualität oder auch Energieverbrauch.“ Eine dreistellige Zahl von Geflüchteten soll am Moarhölzl unterkommen. Die genaue Zahl hängt davon ab, was der Freistaat durch die Regierung von Oberbayern genehmigt.
Die Zeit drängt, doch es kommt keine Antwort aus München
Zu einigen Anbietern von Leih-Containern nahm das Landratsamt bereits Kontakt auf. „Es wurden sogar Angebote eingeholt“, sagt Stadler. Doch der Freistaat – zuständig ist das Innenministerium – zögert seit Wochen mit einer Zusage. Ohne die geht es aber nicht weiter, wie Stadler betont. „Der Beschaffungsprozess kann erst starten, wenn klar ist, dass der Freistaat alle Kosten der Flüchtlingsunterbringung trägt – und nicht der Landkreis.“
Anders als bei der Traglufthalle, die als „fliegender Bau“ galt, muss für die Container ein ordentlicher Bauantrag gestellt werden. Bürgermeister Christoph Schmid kündigte an, dem Vorhaben keine Steine in den Weg zu legen. Er wünscht sich, dass die Unterkunft besonders auch Holzkirchner Gastfamilien entlastet, die seit Monaten geflüchtete Ukrainer unter ihrem Dach wohnen lassen. „Dieses Engagement ist überragend“, sagt Schmid, „aber auf Dauer werden das nicht alle durchhalten.“ Stadler stellt indes klar, dass die Unterkunft nicht nur für Ukrainer gedacht ist. „Sonst würde der Freistaat die Kosten nicht übernehmen.“
Die Zeit drängt, betont die Sprecherin des Landratsamts. Jede Woche frage man aus Miesbach in München nach. Ziel sei insbesondere die Entlastung der Schulturnhallen. „Alle Beteiligten werden zunehmen ungeduldig.“ Eine Unterbringung von Geflüchteten in Containern sei nicht optimal, sagt Stadler, „aber deutlich besser als in Hallen.“
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