Tequila-Shots mit K.O.-Tropfen?

Rammstein-Mega-Konzerte in München: Schwere Vorwürfe gegen Frontsänger

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Rammstein-Sänger Till Lindemann

Gleich vier Konzerte für über 240.000 Fans soll die „Brachial“-Rock-Band Rammstein Anfang Juni in München geben. Vor allem gegen Sänger Till Lindemann stehen schwerwiegende Vorwürfe im Raum. Werden die Konzerte stattfinden?

München – „Es wird ein Meilenstein in der Münchner Musikgeschichte und in der Historie des Olympiaparks“, heißt es auf der Webseite von Olympiapark GmbH über die geplante Open-Air-Konzertreihe der Band Rammstein. Gleich viermal soll die Gruppe um Frontsänger Till Lindemann im Olympiastadion auftreten – zwischen dem 7. und 11. Juni, vor mehr als 240.000 Zuschauerinnen und Zuschauern. München freue sich auf „bombastische Abende – mit reichlich Feuer unterm Dach“, heißt es weiter.

Doch seit dem Pfingstwochenende kursieren schwere Vorwürfe gegen Rammstein und insbesondere gegen Frontsänger Till Lindemann. Erhoben hat sie Shelby Lynn, eine junge Frau aus Irland. Auf Instagram und Twitter dokumentierte sie die Vorwürfe akribisch. Am 22. Mai startete Rammstein ihre „Europa Stadion Tour“ mit dem Auftakt in Vilnius in Litauen. Die Karten waren lange im Voraus ausverkauft – aus der ganzen Welt reisten Fans an, um die Band live zu erleben. Auch Lynn war dabei.

Was geschah mit der jungen Frau auf der Rammstein-Party?

Beim Konzert in Litauen will sie die Band treffen und bei einer ihrer berühmten Partys dabei sein. Dafür ist sie in Kontakt mit einem Crew-Mitglied von Rammstein getreten, das für die sogenannte „Row Zero“ Gäste organisiert – meist junge Frauen. Zu diesem Bereich direkt vor der Bühne haben nur ausgewählte Fans Zutritt, bei Rammstein ein gängiges Vorgehen. Die Irin erzählt weiter, sie sei zu einer Party der Band noch vor dem eigentlichen Konzert eingeladen worden. Dort habe sie Frontsänger Till Lindemann getroffen.

Lindemann wollte nach Shelby Lynns Aussage Sex mit ihr haben. Das lehnte sie jedoch ab, woraufhin der Sänger wütend und aggressiv reagiert habe. Was dann im weiteren Verlauf passierte, das wisse sie nicht mehr genau. Am nächsten Morgen sei sie in ihrem Hotelzimmer aufgewacht – mit großen Blutergüssen an Rücken und Bauch.

Sie könne sich nur noch an wenig erinnern, habe Symptome wie Herzrasen, Übelkeit und Schüttelfrost gehabt. Außerdem habe sie sich immer wieder übergeben müssen und sei kaum noch imstande gewesen, sich zu bewegen. Sie ist davon überzeugt, unter Drogen gesetzt worden zu sein.

Tequila-Shot von Frontsänger Till Lindemann

Nach eigener Angabe habe sie nur zwei alkoholische Getränke gehabt sowie einen Tequila-Shot von Lindemann. Im Hotelzimmer wird sie notärztlich betreut. Zudem habe die Irin noch in Vilnius die Polizei vor Ort informiert und einen Drogentest machen lassen. Der Test zeigte jedoch kein auffälliges Ergebnis.

Allerdings können Drogen wie GHB – auch „Liquid Ecstasy“ genannt – bereits kurze Zeit nach der Einnahme nicht mehr nachgewiesen werden. Dass der Drogentest negativ ausgefallen ist, schließt dementsprechend nicht aus, dass Lynn dennoch K.O.-Tropfen verabreicht wurden.

Lynn hält aber auch fest, dass Lindemann sie nicht angefasst habe. Er hätte akzeptiert, dass sie nicht mit ihm schlafen wollte – wenn auch mit wütender Reaktion. Auf Twitter schreibt sie:

I’d like to clarify again. Till did NOT touch me. He accepted I did not want to have sex with him. I never claimed he raped me. Please read the entire Twitter thread for full context before making reports. #rammstein

Shelby Lynn auf Twitter

In einem neuen Twitterbeitrag am Dienstag (30. Mai) teilte Lynn weiter mit, ein Video-Telefonat mit der Polizei in Vilnius geführt zu haben. Konkret sagt die 24-Jährige: „Ich habe gerade fast fünf Stunden mit der litauischen Polizei per Videoanruf telefoniert. Sie haben endlich eine offizielle Stellungnahme von mir entgegengenommen und mir eine Aktennummer gegeben.“ Sie sei „unglaublich enttäuscht“, wie „Profis“ mit dem Fall umgehen.

Fünf Stunden spricht Shelby Lynn mit der litauischen Polizei und ist danach „unglaublich enttäuscht“

Das deckt sich mit Medienberichten, unter anderem von dem litauischen öffentlich-rechtlichen Sender LRT am Montag (29. Mai) unter Berufung auf die örtlichen Behörden. Demnach habe eine Frau die litauische Polizei alarmiert. Die litauische Polizei habe erklärt: „Es ist ein Anruf eingegangen, dass eine Hotelbewohnerin behauptet, beim gestrigen Rammstein-Konzert habe ihr jemand Drogen ins Getränk geschüttet.“

Weiter heißt es: „Als die Polizei eintraf, waren bereits Sanitäter im Hotel, untersuchten das Mädchen und leisteten ihr vor Ort medizinische Hilfe.“ Man arbeite nun mit Shelby Lynn zusammen, um die Umstände des Vorfalls zu klären, erklärte die Polizei aus Litauen.

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Rammstein dementiert die Vorwürfe: „Keine behördlichen Ermittlungen“ bekannt

Auf Twitter hat sich die Band selbst zeitnah zu den Vorwürfen der Frauen geäußert und weist sie zurück. Man könne ausschließen, dass sich, „was behauptet wird, in unserem Umfeld zugetragen hat.“ Rammstein seien „keine behördlichen Ermittlungen dazu bekannt.“

Aktueller Stand: Rammstein wird im Olympiastadion auftreten

Rammstein tritt in München zwischen dem 7. und 11. Juni im Olympiastadion auf. Auf Anfrage bei der Olympiapark GmbH erklärt ein Sprecher: Sollten sich die Lynn erhobenen Vorwürfe bestätigen, „wäre dies absolut verurteilungswürdig“. Der aktuelle Ermittlungsstand sei dem Unternehmen nicht bekannt, in einem Rechtsstaat gelte grundsätzlich die Unschuldsvermutung. Außerdem gehe man derzeit davon aus, dass die Konzerte im Olympiastadion stattfinden werden.

Der Sprecher betont: „Wir möchten in diesem Zusammenhang festhalten, dass die Olympiapark München GmbH bei Konzerten Vermieterin des Olympiastadions ist. Für die Security und Zugangsberechtigungen in Backstage-Bereiche ist ausschließlich der Veranstalter zuständig.“ Weiter heißt es: „Wir positionieren uns eindeutig mit unserem Leitbild, das sich gegen jede Form von Gewalt ausspricht. Wenn es um strafrechtliche Vorgänge geht, gilt das Gesetz und die Vorgänge werden von den Behörden verfolgt. Bei Veranstaltungen ist im Rahmen eines umfassenden Sicherheitskonzeptes neben dem Sicherheitspersonal u. a. auch die Polizei vertreten, um die Sicherheit der Besucher:innen einer Veranstaltung zu gewährleisten.“

Alle Termine für die Konzerte sind ausverkauft. Neben zwei Terminen in Berlin finden in Deutschland nur in München die Konzerte der international erfolgreichen Band Rammstein statt.

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