In Zeiten, in denen das Vereinssterben in aller Munde ist, wagen die Geiselbullacher einen ungewöhnlichen Schritt: Sie gründen einen Maibaumverein. Dieser soll sich vor allem um die Bürokratie kümmern, die im Laufe der Jahre immer mehr und mehr wurde.
Olching – Robert Meier ist einer der eifrigsten Brauchtumspfleger. Seine Maibaum-Erlebnisse gehen zurück bis ins Jahr 1985. „Da waren wir noch so jung“, erinnert er sich, gerade 24 Jahre alt. Und unerfahren. Prompt ergatterten die Germeringer Burschen die wertvolle Beute. Es wurde hart verhandelt. „Das waren richtige Profis.“ Am Ende gab es ein zünftiges Fest zur Auslöse. „Nicht mit Leberkäs’, sondern mit einer richtigen Brotzeit.“
Das ist lange her, aber die Tradition wird gepflegt: Bis heute wird in Geiselbullach regelmäßig, im Wechsel mit den anderen Stadtteilen Olchings, ein Maibaum aufgestellt. Nur der Standort ist seit 2018 neu und mehr in die Ortsmitte gerückt. In Kürze soll es sogar einen eigenen Verein für den Brauch geben: die Maibaumfreunde.
Organisation immer schwieriger geworden
Bei einem Pressegespräch informierten Meier, der auch für die CSU im Stadtrat sitzt und Vize-Bürgermeister war, Markus Schnell, Vorsitzender der Geiselbullacher Feuerwehr, Werner Minde vom Schützenverein „Gut Ziel“ und Maibaumfreund Andi Schmidt über die Hintergründe. „Es ist schon ungewöhnlich, einen neuen gemeinnützigen Verein zu gründen“, sagte Meier. Soweit er weiß, sind allein in Olching drei Vereine im vergangenen Jahr aufgelöst worden, häufig mangelt es an Nachwuchs. Warum also dieses Wagnis, wenn es auch so klappte?
Bisher haben die Feuerwehr, die Schützen und der TSV die Organisation übernommen. Robert Meier kümmerte sich 23 Jahre lang als Feuerwehr-Chef um viele Dinge, seinem Nachfolger Markus Schnell hinterließ er eine ganze Liste an Aufgaben. Die Organisation ist mit den Jahren immer aufwendiger geworden. „Der neue Verein soll sich vor allem um die Verwaltung kümmern“, erklärte Meier.
Sicherheit auf der Straße
Ein Beispiel ist der Transport des Maibaums von Fürstenfeldbruck nach Geiselbullach. „Früher haben wir den einfach mit einem Anhänger und einem Bulldog hergefahren, das hat keinen Menschen interessiert“, sagt Meier. Heute brauche man für alles eine Genehmigung. Man muss Behörden einschalten, damit die Sicherheit auf der Straße gewährleistet ist. Für jede Straße, Kreisstraße, Bundesstraße eine andere Behörde. Die Versicherung des Baumes lief über die Stadt.
Und es gab einen Haken: Keiner der drei Vereine hat Brauchtumspflege in seiner Satzung stehen. Man durfte keine Spendenquittungen ausstellen. Außerdem konnte man bisher keine Rücklagen schaffen – damit man im Fall der Fälle abgesichert ist. Meier sagte: „Früher war viel ungeregelt, jetzt soll das alles rechtlich auf einwandfreiem Fuß stehen.“
Freude über Gemeinschaftsgefühl
Über das Formale hinaus soll sich allerdings gar nicht so viel ändern. Es braucht weiter engagierte Menschen, die den Maibaum herrichten und mindestens zwei Wochen vor dem Aufstellen bewachen. Die meisten rekrutieren sich aus Vereinen, es sind Bürger aus Alt-Geiselbullach, Graßlfing und dem Schwaigfeld. „Es ist ein Maibaum von der ganzen Ortschaft“, so Meier. Jeder ist willkommen und kann bei den Maibaumfreunden mitmachen. Meier freut sich immer, wenn man das Gemeinschaftsgefühl spürt, und das sei der Fall.
Der nächste Baum wird erst 2021 aufgestellt. Auch wenn der Verein vorrangig verwalten soll: „Natürlich denken wir darüber nach, was wir in den anderen Jahren machen, wo kein Maibaum aufgestellt wird“, verrät Markus Schnell. Einen Tanz in den Mai könnte es vielleicht geben.
Dass die Motivation bei allen Beteiligten groß ist, zeigt sich auch daran, dass es bereits vor der Gründung eine Erfolgsnachricht in Sachen Maibaum-Diebstahl gibt. Die Verhandlungen laufen – und diesmal sind die Geiselbullacher die Profis.
Gründungsversammlung
ist am Samstag, 27. April, um 18 Uhr in der Sportgaststätte an der Schulstraße 12. Jeder kann kommen.