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Mit mehr als 200 Unterschriften fordern Anwohner des Starnberger Schlossbergs, auf den Lüftungskamin beim geplanten B2-Tunnel zu verzichten. Er sei überflüssig, so die Gegner. Das Straßenbauamt Weilheim sieht das anders.
Starnberg – „Sinnlose Geldverschwendung“ und eine „massiv belastende Baustelle“: Das sehen Dr. Wolfgang Ziebart und Markus Lehmann-Horn im Lüftungskamin des geplanten B2-Tunnels durch Starnberg. Schon lange kämpfen die beiden Männer gegen das Bauwerk, das am Schlossgarten etwa zehn Meter aus der Erde ragen soll. Sie haben Briefe an das Bundesverkehrsministerium geschrieben. Und nun scharen sie Anwohner von Vordermühl-, Augusten-, von der Tann- und Schlossbergstraße sowie Geschäftsleute vom Tutzinger Hof um sich. Ziebart übergab kürzlich eine Liste mit 212 Unterschriften an Bürgermeisterin Eva John. Die Unterzeichner fordern das Straßenbauamt in Weilheim auf, die Lüftungsanlage nicht zu bauen. „Der Kamin ist völlig überflüssig“, sagt Ziebart. Raphael Zuber, beim Bauamt zuständig für den Tunnel, widerspricht: „Er wird gebraucht und ist nach wie vor die günstigste und wirtschaftlichste Lösung.“
Der Vorwurf: Das Bauamt weigere sich, das Gutachten zu erneuern
Ziebart betont: Bis zur Fertigstellung des Tunnels, frühestens wohl 2026, liege die Schadstoffbelastung nach Prognosen des Umweltbundesamtes selbst an den kritischen Stellen weit unter den Grenzwerten. Dass sie um rund 40 Prozent sinke, würden auch die Untersuchungen des Bauamts zeigen. Der Hauptvorwurf der Kamin-Gegner: Das Bauamt weigere sich, das Gutachten vom September 2018 nochmals zu aktualisieren. Es gelte, für die Berechnung der Schadstoffbelastung eine Durchfahrtgeschwindigkeit von 60 statt 80 km/h anzunehmen – und das Jahr 2026 als Betriebsstart. „Sie verhindern, dass man umplanen muss. Das ist einfacher für sie“, wirft Lehmann-Horn den Verantwortlichen im Bauamt vor. Er und Ziebart hätten Kontakt mit dem Gutachter aufgenommen, der seine Studie allerdings nur per Auftrag aus Weilheim optimieren dürfe. „Wir haben sogar vorgeschlagen, die Aktualisierung des Gutachtens selbst zu bezahlen. Aber das lehnt das Bauamt ohne Begründung ab“, sagt Ziebart.
Die Weilheimer Behörde hat dazu einen ganz klaren Standpunkt: „Wir wollen nicht, dass ein Dritter unseren Gutachter beauftragt“, sagt Zuber. Und man habe „keine Notwendigkeit gesehen“, die Situation selbst nochmals analysieren zu lassen. „Den Steuerzahler kostet das Geld. Und die Grenzwerte würden ohne Kamin selbst im Normalbetrieb – nicht nur im Brandfall – am Nordportal überschritten.“ Im Gutachten vom September 2018 sei eine Vorausschau bis 2025 enthalten, die das bestätige. Und warum man mit 80 km/h gerechnet habe? „Auf diese Geschwindigkeit ist der Tunnel ausgelegt. Wir mussten das Maximum annehmen, damit er später auch flexibel genutzt werden“, erklärt Zuber.
Kamin soll je drei Stunden vormittags und abends laufen
Das Konzept der sogenannten Mittelabsaugung: Die durch Abgase belastete Luft im Tunnel wird abgesaugt und durch den Kamin in rund 70 Meter Höhe hinausgeblasen und damit verdünnt. Ziebart behauptet: „Der Kamin ist enorm teuer und wird niemals betrieben werden.“ Auch hier widerspricht Zuber: Derzeit könne man von drei Stunden am Vormittag und drei Stunden am Nachmittag ausgehen. „Aber das ist nur ein Anhaltswert und muss dann immer wieder neu kalibriert werden.“ Wie oft und wie lange Luft abgesaugt werden muss, hänge mit den Verkehrsstoßzeiten und den Grenzwertmessungen zusammen.
Ob die rund 200 Unterschriften vom Schlossberg etwas bewirken, ist sehr fraglich. Ziebart betont: „Es haben nicht nur die Tunnelgegner unterschrieben – und Leute aus den verschiedensten politischen Lagern.“
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