Gemeinderat Bischofswiesen beschließt Bebauungsplan „Am Burgergraben“

„Es muss finanzierbar sein“: Vom „Lost Place“ hin zu neuen Wohnungen

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Das Areal „Am Burgergraben“. Die bestehenden Häuser sollen abgerissen werden. Rechts im Hintergrund befindet sich die Jägerkaserne.
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Bereits fünf Jahre zieht sich das Bauvorhaben „Am Burgergraben“ im Ortsteil Strub der Gemeinde Bischofswiesen hin. Die acht alten Häuser stehen leer und warten auf den Abriss. Ein neuer Bebauungsplan ist nun endlich beschlossen. Was die nächsten Schritte sind, ab wann die neuen Wohnungen beziehbar sein werden und ob das Ganze noch bezahlbar ist, erklärt Bürgermeister Thomas Weber.

Bischofswiesen – Im Jahr 2020 sollte eigentlich Baubeginn sein. Die ursprünglich geplanten Einzelbaugenehmigungen für das Areal „Am Burgergraben“ lehnte das Landratsamt jedoch ab und forderte von der Gemeinde ein Bauleitplanverfahren. Massive Verzögerungen waren die Folge.

Verzögerungen wegen möglichem Lärm der Bundeswehr

Ein wichtiger Knackpunkt war dabei die benachbarte Jägerkaserne. „Die Bundeswehr hat die Genehmigung, dass sie rund um die Uhr Lärm erzeugen darf. Dies hätte besondere Schallschutzmaßnahmen erfordert. Das hat uns große Probleme bereitet,“ so Bürgermeister Thomas Weber. Die Gemeinde vereinbarte daraufhin mit der Bundeswehr eine Langzeitmessung. Diese ergab aber, dass die Befürchtung nicht der Realität entsprach. Es lag nämlich keine extrem starke Lärmbelästigung vor. Das Gutachten wurde dem Bebauungsplan zugrunde gelegt. Somit konnten die vorgeschriebenen massiven Lärmschutzmauern, die vor den Gebäuden stehen sollten, wieder aus der Planung genommen werden. Allein dieses Gutachten hat den Bebauungsplan um ein halbes Jahr verzögert.  

Mit der Verdichtung sollen bis zu 80 Wohnungen entstehen

In der letzten Gemeinderatssitzung konnte nun endlich der Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan erfolgen. Die Gemeinde möchte auf dem Areal eine Verdichtung, daher sollen die bestehenden acht Häuser mit ihren 32 Wohnungen abgerissen und im Anschluss komplett neue Gebäude errichtet werden. Geplant sind 70 bis 80 Wohnungen, wobei alles geförderter Wohnraum sein soll. „Je nach Finanzierung des Projektes gibt es Überlegungen, einen Teil davon als Eigentumswohnungen auszuweisen“, so Weber. Finanziert werden soll das Bauvorhaben über die EOF.  

Was ist die EOF?

Die einkommensorientierte Förderung (EOF) ist ein Modell des Sozialen Wohnungsbaus und wurde 1994 auf Bundesebene eingeführt. Der Bauherr erhält hierbei eine Grundförderung. Dieser verpflichtet sich, mindestens 15 Jahre Sozialmieter aufzunehmen und eine ortsabhängige Höchstmiete nicht zu überschreiten. Diese Grundförderung wird meistens als günstiges Darlehen mit niedrigen Zinssätzen ausgegeben. Der berechtigte Mieter erhält noch eine Zusatzförderung. Der Zuschuss ist vom Einkommen des Mieters abhängig und über mehrere Stufen gestaffelt.  

Die EOF schreibt auch einen barrierefreien Zugang vor. Außerdem soll es in jedem Haus einen Lift geben. Parken werden die Bewohner in der neuen Tiefgarage. Bei der Größe der einzelnen Wohnungen möchte die Gemeinde bedarfsorientiert „alles bis vier oder fünf Zimmer anbieten. Wir orientieren uns da an der Regierung von Oberbayern und am Wohnbauwerk“, so Weber. Die Gemeinde bleibt Eigentümerin der Wohnungen, das Wohnbauwerk soll allerdings aufgrund seiner Kernkompetenzen den Betrieb übernehmen.  

Die nächste Hürde: Baugenehmigung

Als nächsten Schritt möchte sich die Gemeinde dem Thema Planung und Bauantrag widmen. „Wir würden uns wünschen, dass wir im Frühjahr oder Sommer eine Baugenehmigung haben. Dann können wir abreißen. Es wäre schön, wenn der Baubeginn im Herbst 2023 erfolgen könnte. Das Ganze hängt aber davon ab, wann genau die Baugenehmigung erteilt wird“, sagt der Bürgermeister. Bezugsfertig sollen die Wohnungen laut Plan dann im Herbst 2025 sein.

Ist das Projekt noch finanzierbar?

Mit der Verzögerung des Projektes ist die Gemeinde nun auch mit der massiven Kostensteigerung im Baugewerbe konfrontiert. Diese sei aber bereits in die Planung einkalkuliert. Die Gemeinde mache jedes Quartal eine Kostenschätzung und aktualisiere sie regelmäßig. „Es muss finanzierbar sein. Uns ist wichtig, dass bezahlbarer Wohnraum entsteht“, betont Weber.  

mf

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