VonVeronika Ahn-Tauchnitzschließen
Für Parksünder wird Lenggries bald ein härteres Pflaster: Die Gemeinde hat am Montagabend beschlossen, in die Überwachung des ruhenden Verkehrs einzusteigen. Demnächst gibt es Knöllchen.
Lenggries – Ob Jahresversammlung der Freien Wähler, Info-Veranstaltung der CSU oder beim neu gegründeten „Zammtisch“ engagierter Bürger: Das Thema Parken in Lenggries wurde überall heiß diskutiert. „Wir haben alle miteinander die Beobachtung gemacht, dass die Parkverstöße stark zunehmen“, sagte Bürgermeister Werner Weindl (CSU) in der Gemeinderatssitzung am Montag. Pendler würden den ganzen Tag über auf den Parkscheiben-Plätzen stehen – genauso wie viele Mitarbeiter der Geschäfte. „Die nehmen den eigentlichen Kunden die Parkplätze weg“, so Weindl. „Und Parken auf Gehwegen ist bei uns schon fast die Regel.“ Auch in Feuerwehrzufahrten werde geparkt. Immer wieder habe es Appelle an die Bevölkerung gegeben, sich an die Spielregeln zu halten. „Aber sowas verpufft leider“, sagte Weindl.
Im April wandte sich nun auch die Werbegemeinschaft in einem Brief an die Gemeinde (wir berichteten) und bat um die Kontrolle des ruhenden Verkehrs. Da Rückfragen bei der Polizei ergaben, dass von dieser Seite eher keine Unterstützung möglich ist, plädierte Weindl dafür, mit der Kommunalen Verkehrsüberwachung der Stadt Wolfratshausen zusammenzuarbeiten beziehungsweise mit der Nürnberger Wach- und Schließgesellschaft, die in deren Auftrag tätig ist und bereits den fließenden Verkehr in Lenggries überwacht. „Ich finde es schade, dass es immer über den Geldbeutel laufen muss, und vermutlich werden wir wieder als Abzocker beschimpft“, sagte Weindl. Letztlich habe es aber jeder selbst in der Hand so zu parken, dass ihm kein Strafzettel droht.
Bei den Gemeinderäten gingen die Meinung auseinander. Florian Forstner (Freie Wähler) wollte der Überwachung nur mit einer zeitlichen Befristung zustimmen. „Ganz so dramatisch finde ich es bei uns nicht.“ Er glaube vielmehr, dass ein Knöllchen mehr auf die Kauflaune der Kunden schlage als die etwas längere Suche nach einem Parkplatz. Hilfreich wäre aus seiner Sicht, wenn die Inhaber und Mitarbeiter nicht mehr vor ihren Geschäften parken würden. Genau das sei aber der Fall, bestätigte auch Hans Proisl (FW). „Und so dramatisch ist die Lage wirklich nicht.“
Parküberwachung: „Wollen keine Tölzer Verhältnisse“
CSU-Fraktionschef Bernhard Simon sah das anders. „An der Marktstraße parken viele im Halteverbot. Da kommt kein Bus, kein Lastwagen mehr durch.“ Das bestätigte auch Elisabeth Ertl (CSU). „Die Situation hat sich in den vergangenen Jahren verschlechtert.“ Dabei sei schließlich der große Vorteil des Einkaufsorts Lenggries, dass man direkt vor den Läden parken könne, ergänzte Simon. Das gehe aber eben nur, wenn die Parkscheiben-Flächen nicht dauerhaft blockiert seien. Und es gehe auch nur, wenn die Verkaufsflächen vor den Geschäften nicht so gestaltet seien, dass der Beifahrer überhaupt nicht mehr aussteigen könne, merkte Benedikt Demmel (CSU) an.
Man dürfe nicht vergessen, ergänzte Christine Rinner (CSU), dass das Parken in Lenggries weiterhin kostenlos bleibe. Es gehe einfach darum, die Auswüchse zu bekämpfen. „Es ist gefährlich für Fußgänger, für Menschen mit Rollator oder Kinderwagen oder für Sehbehinderte, wenn auf den Gehsteigen geparkt wird“, sagte Rinner. „In Tölz würde niemand so parken, weil er genau weiß, dass er dann zahlen muss.“ Das sei schon richtig, „aber Tölzer Verhältnisse wollen wir hier auch nicht“, sagt Markus Landthaler (FW). „Haben wir es denn in der Hand, wie oft kontrolliert wird?“, wollte er wissen. Weindl bejahte, Details werde er aber sicher nicht verraten. „Die Bevölkerung soll wissen, dass Kontrolleure kommen können.“
Parküberwachung kostet die Gemeinde einiges
Josef Wasensteiner (CSU) war dafür, „dieses Rowdytum zu unterbinden“, will aber nicht, dass jeder, der irgendwo an der Straße parkt, ohne jemanden zu behindern, einen Strafzettel bekommt. Das sei so ja auch nicht geplant, sagte Weindl. „Es geht nur darum, dass die Spielregeln eingehalten werden.“
Mit 14:5-Stimmen wurde die Parküberwachung beschlossen. Nun wird die Zweckvereinbarung mit der Stadt Wolfratshausen angepasst. Dann geht’s los. 28,50 Euro plus Mehrwertsteuer pro Stunde und Überwacher muss die Gemeinde bezahlen. Dazu kommen Kilometerpauschalen, Nacht- und Feiertagszuschläge.
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