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Touristisch ist in Wackersberg derzeit einiges in Bewegung: In Straß entsteht ein neues Hotel, der Campingplatz am Stallauer Weiher soll erweitert werden – und jetzt möchte ein junger Tölzer am Blomberg etwas ganz Neues anbieten.
Wackersberg – Sebastian Sixt schwört auf das angenehme Leben in einer Jurte. Der Tölzer hatte ein solches mongolisches Rundzelt schon vergangenes Jahr auf einer Waldlichtung am Rande von Tölz aufgestellt. Ihm schwebte ein ganzes Jurten-Dorf vor. Da ihm entsprechende Genehmigungen fehlten, musste er es aber wieder abbauen.
Jetzt möchte es Sixt an anderer Stelle erneut versuchen. Am Fuße des Blombergs liegt die „Krapfenhütte“, die zuletzt leer stand. Diese hat Sixt nun gepachtet und möchte auf der Wiese daneben ein Jurten-Dorf errichten. „Mit dem Verpächter habe ich bereits geredet, er würde das gut heißen“, sagt Sixt.
Er würde am liebsten fünf der Zelte aufstellen und im Internet wie eine Art Pension für Übernachtungen anbieten. „Die Jurte ist ganz ursprünglich, wird spartanisch eingerichtet“, verrät Sixt. Daneben möchte er außerdem einen Garten anlegen. Ursprünglich hatte sich der Inhaber eines Thai-Box-Studios und des „Shelter Music-Pub“ in Bad Tölz überlegt, aus der „Krapfenhütte“ eine Bar zu machen. „Aber das beißt sich etwas mit der Idee der Jurten“, sagt Sixt. „Der Bereich soll ein kleines Habitat ohne Halli-Galli werden.“ Daher wird die Hütte nun wohl ein Aufenthaltsraum für die Gäste.
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Außerdem wolle er sich auch nicht zerreißen. „Die Projekte leben ja auch von der eigenen Persönlichkeit.“ Natürlich bekomme er Unterstützung von Eltern und Freunden. „Sonst würde das nicht gehen.“
Im Wackersberger Gemeinderat stieß das Vorhaben am Dienstagabend auf offene Ohren. „Im Sondergebiet Blomberg ist das möglich“, sagte Bürgermeister Alois Bauer. „Es ist ein Kontrastprogramm zu allem anderen.“ Als Vorgabe legten die Räte fest, dass das Gelände um die Jurten eingegrünt werden soll. Außerdem müssten genügend Stellplätze für Autos und Fahrräder nachgewiesen werden – sowie sanitäre Einrichtungen für die Gäste erbaut werden. „Die Zelte sind ja auch nichts Festes und können bei Bedarf wieder weg gemacht werden“, so der Bürgermeister. Martin Fischer, Thomas März und Hans Demmel stimmten dagegen, alle anderen befürworteten die entsprechende Änderung des Bebauungsplans.
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„Bis die Genehmigung wirklich da ist, wird wohl ein halbes Jahr vergehen“, mutmaßt Sixt. Er hofft, dass er die Jurten im Spätsommer oder Herbst aufstellen kann. „Die Beherbergung soll ganzjährig betrieben werden, daher werden es winterfeste Jurten“ – mit Holzöfen und „ganz eigenem Charme, das muss man erlebt haben“.
Wie er sagt, sei ein Jurten-Dorf in Deutschland einzigartig. „Es gibt schon hier und da vereinzelte, aber ein kleines Dorf – das ist neu.“ Mit der Permakultur und der Pflanzenwelt rundherum, soll auch für Insekten ein Rückzugsort geschaffen werden. Sixt: „Die Menschen sind heute alle überlastet. Hier sollen sie das genaue Gegenteil von ihrem Alltag finden.“

