VonAndreas Högerschließen
Strom und Fernwärme werden günstiger, der Gaspreis jedoch zieht deutlich an: Die Gemeindewerke Holzkirchen passen zum Jahreswechsel ihre Tarife an. Die breiteste Wirkung entfaltet die Senkung des Strompreises, davon profitieren rund 8000 Verbraucher.
Holzkirchen – Auf und nieder, immer wieder. Die Strompreis-Entwicklung der Gemeindewerke Holzkirchen gleicht einer Berg- und Talfahrt, bei manchen Kunden hinterlässt das Auf und Ab ein flaues Gefühl der Unsicherheit – genau das, was die Verantwortlichen der Gemeindewerke vermeiden wollen. Doch die Verwerfungen der Strommärkte, mit ihren volatilen Beschaffungspreisen, steigenden Umlagen und politisch festgesetzten Netzentgelten machen es gerade kleinen Versorgern wie den Gemeindewerken schwer, mittelfristig stabile Kalkulationen aufzusetzen.
Immerhin, aus Verbrauchersicht stimmt die Richtung wieder. Wie Stefan Hafner, Co-Geschäftsführer der Gemeindewerke, auf Anfrage mitteilt, stehen zum 1. Januar spürbare Tarifsenkungen an. So reduziert sich der Verbrauchspreis – der Grundpreis bleibt gleich – des am meisten genutzten Tarifs HK medi zum Jahresbeginn um 4,39 Cent brutto je Kilowattstunde auf dann 37,9 Cent. Zum Jahresbeginn 2024 lag der Preis nach einer leichten Senkung bei 40,56 Cent, musste dann ab April wegen des Anstiegs der Netzentgelte – nachdem der Klima- und Transformationsfonds der Ampel-Koalition gescheitert war – wieder auf 42,29 Cent angehoben werden (wir berichteten).
„Die Situation an der Strombörse hat sich etwas entspannt“, erklärt Hafner. Die Gemeindewerke nutzten das, um die Beschaffungskosten zu senken. Den Vorteil gebe man jetzt an die rund 8000 Kunden in der Marktgemeinde weiter, auch um unter den Stromanbietern in der Region konkurrenzfähig zu sein. „Für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 kWh ergibt das eine Ersparnis von rund 155 Euro“, rechnet Hafner vor. Die Preise liegen „aber noch immer deutlich über dem Niveau vor der Energiekrise“, stellt der Geschäftsführer fest.
Gute Nachricht für Fernwärme-Kunden
Abfedern musste die Kalkulation die stark gestiegenen Umlage-Kosten. So kletterte etwa die Offshore-Netzumlage (Windräder im Meer) um fast 25 Prozent. Für das kommende Jahr summieren sich die einzelnen Umlagen auf 2,651 Cent je kWh (netto). „Gegenüber dem laufenden Jahr ist das eine massive Steigerung um 68,4 Prozent“, sagt Hafner. Keine Auswirkung auf den Strompreis hat mittlerweile die EEG-Umlage, von der auch viele private Betreiber von PV-Anlagen profitieren. Der Bund bezuschusst diese Ausgaben für die Erzeugung von klimafreundlichem Strom aus Steuermitteln, heuer dürften dies fast 20 Milliarden Euro sein. „Der private Endverbraucher muss die EEG-Umlage nicht mehr über den Strompreis bezahlen“, stellt Hafner klar.
Über gute Nachrichten dürfen sich auch die bisher rund 550 Fernwärme-Kunden der Gemeindewerke freuen. Der Arbeitspreis sinkt laut Hafner deutlich um 4,423 Cent je kWh, das entspricht 25 Prozent. Der Grundpreis erhöht sich zwar minimal um 1,20 Euro, insgesamt jedoch schlägt die Senkung durch. „Ein Durchschnittshaushalt spart bei 15 000 kWh/a etwa 650 Euro“, sagt der Geschäftsführer und betont: „Wir liegen unter dem Wärmepreisindex in Deutschland.“ Man werde weiterhin in den Ausbau des Fernwärmenetzes investieren, um möglichst viel Geothermie-Energie nutzen zu können.
Gas wird im neuen Jahr wieder teurer
Eine bittere Pille jedoch müssen die rund 1500 Gaskunden schlucken. Die Gemeindewerke heben im neuen Jahr die Preise an, der gängigste Tarif wird um 2,00 Cent je kWh teurer. Für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 15 000 kWh bedeutet das eine Mehrbelastung von rund 300 Euro. „Auch hier steigen die Umlagen“, sagt Hafner. Dazu kommt der politisch gewollte Preisanstieg jedes Jahr durch die CO2-Abgabe, die alle fossile Energieträger trifft. 2025 steigt der Satz von 45 auf 55 Euro je Tonne. 2026 könnten es bis zu 65 Euro sein.
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