Neues technisches Konzept kommt zum Tragen

Geothermie: Die zwei größten Anlagen der europäischen Flotte kommen nach Gelting

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Alles auf einem Platz: Für das Eavor-Projekt soll auf dem Hofgut Breitenbach parallel gebohrt werden. Zwischen den beiden Bohrplätzen wird das Kraftwerk entstehen.
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Eine Firma aus Bad Bentheim wird die Bohranlagen für das Geothermieprojekt in Gelting liefern. Und: Die Baugenehmigung für das Kraftwerk liegt vor.

Gelting – Im Oktober geht’s los: In Gelting werden die Bohrplätze für das Geothermieprojekt der Firmen Eavor und Enex Power Germany hergerichtet. Im Frühjahr können dann die Bohranlagen aufgebaut werden. Ein entsprechender Vertrag wurde laut Eavor-Geschäftsführer Daniel Mölk unterzeichnet.

Wärmeschleifen werden im Erdreich verlegt

Eine Firma aus Bad Bentheim wird zwei Anlagen für die Tiefenbohrungen zur Verfügung stellen. Die KCA Deutag sei ein führendes Bohr-, Ingenieur- und Technologieunternehmen, heißt es von Seiten der Eavor. „Bei diesem Projekt kommen die beiden größten Bohranlagen unserer europäischen Flotte zum Einsatz“, so Ron Klunder von der KCA Deutag. Die Bohrgeräte werden voraussichtlich Ende des zweiten Quartals ihre Arbeit aufnehmen. Geplant ist, mit einem neuen technischen Konzept, sogenannten Loops, Erdwärme zu nutzen. Dazu werden circa 5000 Meter unter der Erde insgesamt vier Wärmeschleifen verlegt und miteinander verbunden. Sie ermöglichen einen kontinuierlichen Wasserkreislauf. Dem unterirdischen Gestein soll so Wärme entzogen und die Energie an die Oberfläche gebracht werden.

Vollständig geschlossenes Kreislaufsystem in der Erde

„Das Eavor-System unterscheidet sich von herkömmlichen geothermischen Lösungen, da es die Wärme aus dem Untergrund durch Wärmeleitungen gewinnt, was zu einer langfristigen, zuverlässigen und unabhängigen Versorgung mit erneuerbarer und nachhaltiger Energie führt“, ergänzt Mölk. Das vollständig geschlossene Kreislaufsystem biete eine hochgradig skalierbare und vorhersehbare Wärme- und Stromquelle ohne Fündigkeitsrisiko. Nach Fertigstellung des ersten Systems, was voraussichtlich knapp ein Jahr dauern wird, sind drei weitere Eavor-Loops geplant, die eine Gesamtbohrlänge von rund 60 Kilometer unter der Erde ergeben.

Gleichzeitig mit den Bohrarbeiten soll auch der Bau des Kraftwerks durchgeführt werden. Die Turbinen dafür wird das italienische Unternehmen Turboden liefern. Wie Mölk auf Nachfrage berichtet, habe das Landratsamt mittlerweile auch die Baugenehmigung für das Kraftwerk erteilt. In Gelting entsteht die erste kommerzielle Anlage mit dieser neuen Technologie.

Strom könnte zum ersten Mal 2024 produziert werden

Zum ersten Mal könnte 2024 Strom produziert werden. die volle Kapazität soll 2026 erreicht werden. „Es handelt sich um ein revolutionäres Konzept“, so Mölk. Er schätzt die Grundlast-Leistung, die aus der gewonnenen Wärme generiert wird, auf bis zu neun Megawatt. Die thermische Kapazität, die aus den Loops gewonnen werden kann, gibt der Geschäftsführer mit bis zu 65 Megawatt Wärmeleistung in der ersten Entwicklungsphase an. Das biete die Möglichkeit, etwa 30.000 Haushalte oder Unternehmen mit Wärme oder Strom zu versorgen. In Geretsried könnten nach derzeitigem Stand 4900 Haushalte an ein Fernwärmenetz angeschlossen werden. Auch Wolfratshausen ist interessiert.

Infos aus erster Hand zum Projekt

Die Geretsrieder CSU lädt für Sonntag, 25. September, zum Stammtisch. Aus erster Hand gibt es Informationen zum Geltinger Geothermieprojekt. Zu Gast sind Dr. Robert Straubinger, Geschäftsführer der Enex Power Germany, und sein Kollege Andreas Gahr. Das Treffen im Gasthof Geiger beginnt um 10 Uhr. Im Anschluss bietet Florian Sachers von der IG zur Erhaltung der St.-Nikolaus-Kapelle eine Führung durch das Kirchlein neben dem Gasthof an. Er erläutert die Renovierungspläne.

nej

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