Auf dem Areal der GfA

Startschuss für neues Geothermie-Projekt in Geiselbullach: „Gebiet ist geologisch sehr gut erschlossen“

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Planen den nächsten Schritt in Richtung Energiewende: (v.l.) Dachaus Landrat Stefan Löwl, Thomas Buranj, Robert Axtner (Bürgermeister von Bergkirchen) und GfA-Chef Thomas König.
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Die Geothermie ist zurück im Landkreis: Das Kommunalunternehmen GfA hat darf auf seinem Areal in Geiselbullach nach einer Erdwärme-Quelle zu suchen.

Olching – Bislang ist es vor allem Müll, der das Abfallheizkraftwerk in Geiselbullach speist. Das soll sich in Zukunft ändern. Das Gemeinsame Kommunalunternehmen für Abfallwirtschaft (GfA) hat sich erfolgreich darum beworben, auf seinem Grund nach einer neuen Energiequelle suchen zu dürfen: Geothermie. Die Erdwärme soll dann in den bereits bestehenden Fernwärme-Zyklus einfließen, mit dem Wohnhäuser und Geschäftsgebäude in Olching und im Nachbarlandkreis Dachau geheizt werden. Um die 1000 Neubauten könnten dadurch zusätzlich beliefert werden. Perspektivisch wäre auch ein Anschluss von Fürstenfeldbruck und Karlsfeld denkbar.

Neues Gesetz macht es möglich

Möglich macht dies alles die Änderung des bayerischen Klimaschutzgesetzes, wie GfA-Chef Thomas König am Dienstag bei einem Pressegespräch darlegte. „Landkreise können nun Erzeuger von erneuerbaren Energien werden, sogar über die bloße Daseinsvorsorge hinaus.“ Die Kreise Dachau und Fürstenfeldbruck sind Träger des Unternehmens, das die Anlage in Geiselbullach betreibt. Schon seit Jahrzehnten werden mit der Energie aus der Müllverbrennung Strom und Fernwärme produziert. Die Geothermie soll ein weiterer Baustein in Richtung Wärmewende sein.

Der erste Schritt ist bereits getan, indem man sich den so genannten Bohrungs-Claim gesichert hat, als bislang einziger Interessent. Die GfA befindet sich quasi im Zentrum des rechteckigen Areals, auf dem nach etwa 73 Grad warmem Wasser in zweieinhalb Kilometern Tiefe gesucht werden soll. Die Fläche ist rund 5000 Hektar groß. Gebohrt werden soll auf GfA-Grund.

König ist zuversichtlich, dass man fündig wird. „Das Gebiet ist geologisch eigentlich sehr gut erschlossen, was uns nützen könnte.“ Die Voraussetzungen scheinen gut, immerhin gibt es in der Stadt München bereits etliche Anlagen, die optisch auffälligste ist wohl die in Freiham.

Kosten liegen bei 15 bis 20 Millionen Euro

Optimismus ist angesagt: Soweit man es zu diesem Zeitpunkt überhaupt einschätzen kann, belaufen sich die Kosten auf zwischen 15 und 20 Millionen Euro. Davon werden allerdings 40 Prozent gefördert. Da die erste Bohrung auf um die sieben Millionen Euro geschätzt wird, trage der Freistaat das Risiko, dass nichts dabei herauskomme, rechnete der GfA-Chef vor. Allerdings müssen nun sowieso erst einmal die geologischen Daten überprüft werden, bevor man sich überhaupt die Erlaubnis für die Probebohrung einholen kann. Wenn alles gut läuft, dann dürfte es laut König im nächsten Jahr soweit sein.

Obwohl sich alles noch in einem sehr frühen Stadium befindet (auch die Kreistage sind noch nicht eingebunden) und noch einige Fragen, zum Beispiel zur Finanzierung, zu klären sind, ist dem GfA-Chef eines wichtig: eine gute Kommunikation, vor allem bei den Risiken.

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Sorgen der Menschen ernst nehmen

In Puchheim scheiterte das Geothermie-Projekt 2018, weil die Menschen Angst um ihren Grundbesitz hatten. Zwei Drittel der Bürger stimmten in einem Entscheid dagegen. „Der Kardinalfehler war hier, dass die Ängste der Menschen nicht ernst genommen wurden“, erklärte König. Es sei eine berechtigte Sorge, dass die größte Investition des Lebens, das Eigenheim, möglicherweise Schaden nehme.

Aber König betonte: „Bislang hat es noch keine derartigen Schäden durch Geothermie gegeben.“ In diesen Gefilden sei das Risiko sowieso gering. Und sollte es trotz allem doch passieren, sichere das Bergbaugesetz die umgekehrte Beweislast zu. Sprich: Der Verursacher muss in der Regel immer bezahlen. Denn zu beweisen, dass er nicht verantwortlich ist, sei faktisch unmöglich. Auch was die Auswirkungen auf das Grundwasser angehe, beruhigte König: Das werde schon jetzt durch mehrere Messstellen überwacht.

GfA-Chef König verwies darauf, dass die Geothermie eine günstige und vor allem nachhaltige Energiequelle sei – und eine große Chance. Auch Dachaus Landrat Stefan Löwl warb eindringlich für das Projekt: „Wir haben schon einen Standort, wir haben ein Netz.“ Es seien bereits Millionen investiert worden. Nun könne man davon profitieren.

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