Übergriffig oder überfällig?

Diskussion um Rauchverbot: „Finde es eine Frechheit“ contra „Raucher nerven massiv“

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Geht es nach der EU, soll Rauchen auch draußen eingeschränkt werden - Leserin Brina hat uns ihre Meinung dazu geschickt.
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Die EU-Kommission sorgt mal wieder für mächtig Zündstoff - diesmal sind die Raucher betroffen. Die sollen nämlich - wenn es nach den Vorstellungen der EU geht - vielerorts in Zukunft auch draußen nicht mehr qualmen dürfen. Längst überfällig oder einfach nur übergriffig? Unsere Leser haben unterschiedliche Ansichten.

Ob im Biergarten, am Bahnsteig, im Freibad oder am Spielplatz - die EU-Kommission will es Raucher in Zukunft untersagen, dass sie an öffentlichen Plätzen ihrem Laster frönen, oder auf Amtsdeutsch: Rauchfreie Zonen sollen ausgeweitet werden. Das würde dann für klassische Zigarettenraucher, aber auch E-Zigaretten-Nutzer gelten, die ihr Gegenüber in Himbeerwolken hüllen. Beides sei gesundheitsschädlich und soll vor allem Passivraucher vor negativen Folgen schützen. „Jedes Jahr fordert der Tabakkonsum in der EU 700.000 Menschenleben, darunter zehntausende durch das Passivrauchen“, schreibt die EU-Kommission. 

Rauchverbot auch draußen? In vielen Ländern längst Alltag

  • Frankreich hat 2023 eines der strengsten Rauchverbote in Europa eingeführt. Dort ist das Rauchen an öffentlichen Stränden, in Parks, Wäldern und in der Nähe öffentlicher Einrichtungen wie Schulen verboten. Bei Verstößen drohen Geldstrafen von bis zu 450 Euro.
  • In Großbritannien hat ein strenges Rauchverbot gerade die erste Hürde im Parlament genommen, es sieht unter anderem vor, dass alle, die nach 2009 geboren wurden, niemals legal Zigaretten erwerben dürften.
  • Auch Spanien möchte das Rauchen im Außenbereich die nächsten Jahre weiter stark einschränken. An den Stränden von Mallorca, Barcelona und Valencia ist es bereits verboten und wird hart bestraft.
  • Wer schon mal in Asien im Urlaub war, weiß, dass auch in Thailand, Japan oder Singapur strenge Raucherregeln im Außenbereich gelten.
  • In Australien verhält es sich ähnlich streng wie in Frankreich: Auf öffentlichen Plätzen, rund um Gastronomie und Einrichtungen für Kinder, darf nicht geraucht werden. Rauchen ist sozial nicht akzeptiert und es wirkt: nur 10 Prozent der Bevölkerung dort raucht, damit ist Australien das Industrieland mit der niedrigsten Raucherrate.
  • Mexiko ist sogar noch einen Schritt weiter: Dort ist Rauchen nur noch in privaten Wohnungen und Gärten erlaubt.

Übrigens: Der Vorschlag der EU-Kommission ist lediglich eine Empfehlung. Nichts davon verpflichtet Deutschland direkt. Zudem fällt das Thema unter Umständen in die Gesetzgebung der Bundesländer. 

Was ist Eure Meinung? Stimmt ab:

Und das sind die Zuschriften unserer Leser:

Brina:

Ich find es eine Frechheit, jeder sollte das selber entscheiden dürfen, denn ganz ehrlich wir mit unserer übervorsichtigen Art, es nervt einfach so, früher wurde überall geraucht, war auch nicht immer gut, aber die Leute waren gemütlicher, menschlicher, entspannter. Ich rauch auch keine normalen Zigaretten, aber mich stört es auch nicht. Ich finde es nur traurig, dass wir für alles ein Verbot brauchen oder irgendwelche Gesetze und Dokumente, es wär mal wieder angebracht, dass der Mensch einen normalen Menschenverstand entwickelt und das alles selber entscheiden kann zum Beispiel, dass ich jetzt nicht in einen Kinderwagen rein rauche oder keine Ahnung solche Sachen das sollte doch eigentlich klar sein. Dafür brauche ich aber nicht den Staat, der mir irgendwas verbietet (...) Wir kriegen so eine richtig egoistische, zurückgezogene Gesellschaft, wo jeder nur noch auf sich selber schaut und das menschliche komplett verloren geht. Nur weil alles verboten wird oder die schönen Sachen in Dinge jemanden so erschwert werden, dass sie abgeschafft werden.

Thomas Niedermaier:

Das wäre wirklich mal ein absolut sinnvolles Gesetz. Aber warum bis 2040 warten? Am besten gleich bis 2025 umsetzen, dann ist endlich Schluss mit dem Gequalme, in Cafés und Restaurants, denn auch draußen stört dieser Rauch und Gestank massiv.

Stephanie Beißer:

Mir würde im Biergarten oder Restaurant ein abgetrennter Raucherbereich oder tatsächlich ein Rauchverbot schon reichen. Da mich Raucher tatsächlich massiv nerven, wenn sie unhöflich sind und einen aus der Nähe vollqualmen, wären manch rauchfreie Bereiche nicht schlecht. Das Rauchen in der Gastronomie zu verbieten, hat auch erst einmal für einen Aufschrei gesorgt, jetzt gefällt es sogar Rauchern. Dann hätte sich auch die Debatte mit „wo darf Cannabis geraucht werden“ erledigt.

Martin:

Ein Rauchverbot im Freien halte ich für einen Schwachsinn - dort muss man einem Raucher seine Zigarette wirklich nicht verbieten. Je mehr er dort raucht, desto schneller belastet er nicht mehr unser Gesundheitssystem. PS: Raucher kosten uns so immens viel Geld, das reißt auch die Tabaksteuer nicht raus. Im Gegenteil, die ist dafür immer noch viel zu gering. Die würde ich als Erstes mal so nach oben korrigieren, dass junge Menschen überhaupt nicht mehr auf die Idee kommen, Rauchen auszuprobieren.

Alexandra Schillermeier:

Es ist keine schlechte Idee! Aber nicht gleich so übertreiben, mal langsam an Spielplätzen oder Parks anfangen. Da finde ich als Raucher gehören keine Kippen hin, wo sich Kinder tummeln.

Romy Ahmed

Na hoffentlich gibt es dann auch ein öffentliches Alkoholverbot! Es ist doch erstaunlich, dass immer wieder nur auf das Rauchen beschränkt wird! Alkohol ist mittlerweile ja „normal“. Die Preise für die Zigaretten steigen, währenddessen, der Alkohol zu Niedrigpreisen angeboten wird. Gibt es wirklich nicht wichtigere Dinge zu klären als ein öffentliches Rauchverbot?

Juliane Wimmer-Bachfisch:

In anderen Ländern wie zum Beispiel Australien ist es schon lange so und dort rauchen die meisten Jugendlichen nicht. Ich denke, es ist ein guter Ansatz, der allerdings nicht in ein paar Jahren realisierbar wird, sondern auf langfristige Zeit zu sehen ist.

Tobias Max:

Das wirklich Schlimme ist, dass dieses Verbot viel zu spät eingeführt werden soll. Rauchen setzt einige der giftigsten Stoffe frei, die unsere Atemluft massiv verschmutzen. Natürlich kann jeder selbst entscheiden, was er mit seinem eigenen Körper macht, aber das Problem ist, dass durch das Rauchen auch andere Menschen unfreiwillig mit betroffen sind. Diese Belastung für Unbeteiligte ist schlichtweg inakzeptabel. Deshalb: Weg mit dem Rauchen an öffentlichen Orten! Wer unbedingt rauchen möchte, soll dies bitte in den eigenen vier Wänden tun, ohne andere damit zu belasten.

Maria H.:

Jetzt reichts, haben wir keine anderen Probleme mehr? Die sollten mal lieber in der Realität leben und schauen, dass es unseren armen Menschen wieder besser geht und nicht über so einen Scheiß sich Gedanken zu machen. Statt ewig auf die Raucher loszugehen, sollen sich mal überlegen, woher die Steuergelder kommen, nämlich von den Rauchern!

Eure Meinung ist gefragt:

Seid Ihr genervt von Rauchern, die sich am Tisch nebenan im Biergarten eine Zigarette anzünden? Wie sind Eure Erfahrungen, wenn Ihr einen Raucher bittet, Rücksicht zu nehmen? Oder sehr Ihr Euch in Eurer Freiheit eingeschränkt, wenn Ihr im Café oder im Freibad nicht mehr rauchen dürft? Schickt uns Eure Meinungen an leserbriefe@ovb24.de (Kennwort „Rauchverbot“), mit Eurem Namen und Eurem Wohnort und am besten noch mit einem Foto von Euch. Die Redaktion veröffentlicht Eure Leserbriefe samt Namen und Wohnort anschließend in einem entsprechenden Artikel. Anm. der Red.: Die Redaktion behält sich vor, Zuschriften entsprechend zu kürzen oder die Veröffentlichung gegebenenfalls ohne Angabe von Gründen zu verweigern. (si/dpa)

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