Eine Schleuse wurde zur rechten Zeit geöffnet

„Gerade noch mit einem blauen Auge davongekommen“: Markt Au bereitete sich rechtzeitig auf das Hochwasser vor

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Hochwasser im Bereich des Nandlstädter Weg: Neben der Wiese sind auch die Stellplätze sowie der Keller des Bauwerks betroffen, gegen dessen Genehmigung der Markt Au wegen Hochwassergefahr gerichtlich geklagt hatte und schließlich verlor. 
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Der Markt Au blieb ebenfalls nicht vom Hochwasser verschont. Durch die Anstrengungen von Feuerwehr, Bauhof und Bürgern sei man allerdings „glimpflich davongekommen“, wie 2. Bürgermeister Martin Linseisen sagt.

„Wir sind gerade noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen“, so die Einschätzung des 2. Bürgermeisters von Au, Martin Linseisen. Was er damit meinte: Zwar sei Au auch nicht vom Hochwasser verschont geblieben, allerdings hätten Feuerwehr, Bauhof, aber auch die Bürger dieses Mal früh genug Vorkehrungen getroffen, um das Schlimmste zu verhindern. Dabei kam es auch zu einem Novum. Denn zum ersten Mal in der Geschichte der Marktgemeinde wurde eine ganz bestimmte Schleuse genau zum richtigen Zeitpunkt aufgemacht.

Worüber Linseisen, der während der Hochwasser-Krise im ganzen Landkreis den erkrankten Hans Sailer im Rathaus vertrat, natürlich äußerst erleichtert ist: „Es kam zu keinem Personenschaden.“ Aber auch die Sachschäden, so seine Einschätzung am Montagmittag, würden sich wohl in Grenzen halten – Genaueres allerdings sei aktuell noch nicht zu sagen. Weshalb es für Au am vergangenen Wochenende noch relativ glimpflich abgelaufen sei, liegt laut Lins㈠eisen an verschiedenen Faktoren – hauptsächlich allerdings an einer guten Portion Glück, wie er es im FT-Gespräch formulierte. „Vom Gefühl her hat es in Reichertshausen auch weniger geregnet“, erklärte Linseisen, weshalb von dort einfach weniger Wasser angespült kam.

Schleuse des Schlosses punktgenau geöffnet

Von Richtung Nandlstadt nach Au kommend wurde zudem schnell der Durchlauf von den Wassermassen provisorisch abgedrosselt, womit bewusst die Wiesen vor Au geflutet wurden. Was wohl entscheidend war: Die Schleuse des Auer Schlosses, nahe dem Rathaus, wurde punktgenau aufgemacht. Zum Hintergrund: Das Auer Schloss steht auf Holzpfählen auf Wasser, eine Schleuse reguliert dort den richtigen Wasserstand – auch, damit die Pfähle nie trocken stehen. „Das muss per Hand geschaltet werden“, erklärte Linseisen. Bleibt die Schleuse zu, staut sich das Wasser vom Leitersdorfer Bach gefährlich zurück und überflutet damit großflächige Areale. „Das war heuer zum ersten Mal seit ich mich zurückerinnern kann, dass die Schleuse genau zur rechten Zeit aufgemacht wurde“, so der 2. Bürgermeister.

Vor drei Wochen wurde hier noch gefeiert: Die Festwiese in Rudelzhausen, auf der vor rund drei Wochen noch das Volksfest des TSV stattgefunden hat, steht ebenfalls komplett unter Wasser.

Dennoch waren freilich einige temporäre Straßensperrungen vonnöten gewesen – unter anderem auch, weil das naheliegende Seysdorf überflutet war. Zwar stand das Wasser auch an der Brücke in der Mainburger Straße sehr hoch, ein Übertritt habe aber nicht stattgefunden. „Das ist dort gerade noch mal gut gegangen, da haben wir g‘scheid Glück gehabt“, so seine Einschätzung. „Es hat einfach viel zusammengespielt, dass wir mit einem blauen Auge davongekommen sind. In Au haben wir Hochwasser schon ganz anders gesehen“, betonte Linseisen.

Linseisen lobt die Vorsorge der Bürger

Aber nicht nur Glück sei im Spiel gewesen, sondern auch die völlig reibungslose Zusammenarbeit von den Feuerwehren, dem Auer Bauhof und den Bürgern. „Wir haben unsere To-do-Liste abgearbeitet“, erklärte Linseisen und wollte auch ein großes Lob loswerden: „Viele Bürger sorgen privat vor, sichern ihre Häuser und Grundstücke – und damit wurde in Au schon früh angefangen.“ Was bei ihm für absolutes Kopfschütteln sorgte: „Da sind welche einfach mit ihrem Auto durch gesperrte Straßen gefahren – es gibt schon sehr dumme Leute!“ Und was er auch loswerden wollte, weil scheinbar in den sozialen Medien Beschwerden aufgelaufen seien, dass es von den Auer Bürgermeistern dort keine Meldungen gab: „Die 3. Bürgermeisterin Beatrix Sebald und ich waren ständig vor Ort und bei den Leuten und deshalb nicht auf Facebook. Ich muss mich nicht profilieren, ich mach‘ halt meine Arbeit.“ Sein Fazit: „Wir sind glimpflich davongekommen, auch wenn‘s schlimm war.“

Der Live-Ticker des Freisinger Tagblatt bietet laufend aktuelle Informationen zu den weiteren Entwicklungen des Hochwassers.

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