VonMagdalena Höcherlschließen
Blauer Himmel, ein paar Wölkchen, dazwischen lacht die Sonne über Geretsried. Doch statt Vogelgezwitscher ist rund um den Karl-Lederer-Platz derzeit etwas zu hören, das alle anderen Geräusche übertönt: Lärm. Höllischer Baustellenlärm.
Geretsried –
Normalerweise tummeln sich auf dem Karl-Lederer-Platz Passanten, Familien mit Kindern schlendern von Schaufenster zu Schaufenster, viele erledigen vor oder nach der Arbeit noch kurz ihre Einkäufe. Doch Menschen sind im Zentrum der Stadt momentan nur wenige auszumachen. Stattdessen: Sichtschutzgitter mit dem Krämmel-Logo, etliche Baustellenfahrzeuge, Betonteile, dazwischen die kläglichen Überreste der ehemaligen Gebäude 14-20, überzogen mit Schmutz und Staub. Mittendrin einige Bauarbeiter in orange-farbenen Westen, die sich Anweisungen zurufen. Der Großteil des Platzes ist mit rot-weißen Gittern eingezäunt. Für die Fußgänger bleibt zwischen Häuserzeile und Absperrung oftmals nur ein knapper Meter. Eine Herausforderung für Mütter mit Kinderwagen und Senioren mit Rollatoren.
Auf dem Platz selbst schieben Bagger den Schutt zusammen. Immer wieder scheppert es, wenn Metallteile in die Müllcontainer fallen. Zwischendrin bricht ein Presslufthammer den Asphalt auf. Dann ist es kurz still, die Arbeiter machen Mittagspause. Doch danach starten sie ihre Maschinen wieder. So geht es seit einem Monat fast täglich – und wie lange die Baumaßnahmen andauern, weiß niemand so genau.
Das ärgert die anliegenden Geschäftsinhaber und Büromitarbeiter am meisten. Buchhändlerin Sarah Ulbrich kritisiert die mangelnde Aufklärung. „Niemand hat sich persönlich vorgestellt, wir sind nie richtig informiert worden“, sagt die 38-Jährige. „Wir fühlen uns alleingelassen.“ Ursula Bergmann, die die Filiale der Hofpfisterei am Karl-Lederer-Platz leitet, stimmt ihrer Leidensgenossin zu. „Die Informationen lassen sehr zu wünschen übrig“, klagt die 58-Jährige. „Wann welche Bereiche gesperrt sind, wissen wir nicht. Und niemand hat uns gesagt, wie lange wir mit der Baustelle vor der Tür leben müssen.“ Am Eingang zur Bäckerei prangt ein Schild: „Bitte immer Türe schließen“ – mit drei Ausrufezeichen. „Sonst ist der Geräuschpegel hier unerträglich“, so Bergmann.
Gegenüber, im Café Waldmann, findet Inhaberin Jutta Waldmann ähnliche Worte zum Baustellenmanagement. „Die Kommunikation könnte besser funktionieren. Ich wünsche mir Beschilderungen für Fußgängerwege und alternative Parkmöglichkeiten.“ Waldmann appelliert an die Stadt: „Bitte kümmert Euch mehr um uns.“ Derzeit laufe ihr Café trotz der lärmenden Arbeiten sehr gut. An sonnigen Tagen sitzen viele Besucher draußen, genießen das Wetter und beobachten, was sich auf dem Platz tut.
So auch Getrude Grünberger und ihre Freundinnen. Sie wohnt seit gut 20 Jahren in Sicht- und Hörweite der derzeitigen Baustelle. Begeistert ist sie nicht von der lärmenden Veränderung. „Aber es hilft ja nix“, sagt die 82-Jährige resigniert. „Unsere Treffen lassen wir uns durch die Baustelle auf keinen Fall vermiesen.“
Beileibe nicht alle stehen den Veränderungen am Karl-Lederer-Platz kritisch gegenüber. Über dem Café Waldmann sitzt Rechtsanwalt Dr. Jens Becker-Platen in seinem Büro. Obwohl er derzeit ebenfalls mit dem Lärm und vibrierenden Glasscheiben hadert, steht der 51-Jährige dem Bauvorhaben positiv gegenüber. „Gut, dass sich hier etwas tut.“
Diese Meinung teilt Udo Nikolaus. Der Geretsrieder kommt oft zum Karl-Lederer-Platz. „Ich bin neugierig, wie sich das Zentrum entwickelt.“ Er schlendert die wenigen freien Fußgängerwege entlang und beobachtet das Geschehen. „Es wird Zeit für etwas Neues“, meint der 42-Jährige und blickt auf die Stelle, an der bald das siebenstöckige „Puls G“ stehen soll.
Schräg gegenüber steigt ein junger Mann aus dem Auto. Dennis Balazs hat einen der wenigen Parkplätze im Zentrum ergattert. „Heute hatte ich Glück, sonst parke ich mein Auto um die Ecke und laufe etwas weiter. In den Parallelstraßen ist immer genügend frei“, sagt der 22-Jährige. Von den Arbeiten lässt sich der Betriebswirt nicht stören. „Hier in Geretsried muss sich etwas ändern, gerade für junge Leute. Daher lohnt es sich, die Baustelle auszuhalten.“
Magdalena Höcherl




