23 Jahre lang arbeiteten sie als Hausmeisterehepaar an der Realschule: Anna und Johann Kindler. Bei einem ganz persönlichen Fest erinnern sie sich an alte Zeiten.
Geretsried – Diamantene Hochzeit, also 60. Hochzeitstag, feierten am 8. Mai Anna und Johann Kindler. Die beiden sind vielen Geretsriedern aus der Schulzeit in Erinnerung: 23 Jahre lang arbeiteten sie als Hausmeisterehepaar an der Realschule. Anna Kindler war die freundliche Frau im
Kiosk, die „gute Seele“ des Hauses. Ihr Mann spielte schon mal Fußball mit den Schülern oder machte den Schiedsrichter, wenn er Zeit hatte. „Er war nie streng mit uns, aber er wollte, dass wir es ihm ehrlich sagten, wenn etwas kaputt ging“, erzählt Vize-Bürgermeister Hans Hopfner, der den Jubilaren im Namen der Stadt und persönlich gratulierte.
Ehrlichkeit, das war es auch, was Anna, geborene Schlapp, sofort an ihrem Hans schätzte. Die zwei aus dem ehemaligen Jugoslawien stammenden Flüchtlinge – sie kam aus der Batschka, er aus dem serbischen Banat – lernten sich auf einem Ball der Banater Schwaben in Karlsfeld bei München kennen. Annas Mutter hatte ihre Tochter, das jüngste von sechs Kindern, zielstrebig an den Tisch geführt, an dem Junggeselle Johann mit Freunden saß. „Sie wollte mich endlich unter die Haube bringen. Ich war ja damals schon 22 und überreif“, erzählt die heute 83-Jährige lachend. Es funkte sofort, auch ohne das Zutun der Mama. Nach ein paar Tänzen lud Hans seine Anna an die Bar ein, sagte aber geradeheraus, er könne ihr nicht mehr als einen Schnaps spendieren, weil er gerade nur in Kurzarbeit bei BMW arbeite. „Das fand ich so entwaffnend offen von ihm, so ganz anders, als ich es von den Männern kannte. Das hat mich beeindruckt“, sagt sie. Er wiederum erzählt, wie seine Angebetete ihn gleich am Tag nach dem Ball restlos davon überzeugt hatte, dass sie die Richtige ist: „Wir wollten eigentlich einen Faschingsumzug in München anschauen. Anni war schick, aber leicht bekleidet. Ich beichtete ihr, ich müsse spontan bei einem Fußballspiel einspringen. Sie kam ohne zu murren mit und harrte zwei Stunden mit Stöckelschuhen und dünnen Strümpfen in der Kälte aus.“
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Nur drei Monate später läuteten die Hochzeitsglocken. Die Kinder Karl-Heinz und Johanna wurden geboren. Als Hans Kindler eine Anstellung bei der Firma Aigner, die medizinische Apparate herstellte, in Geretsried fand, zog die Familie 1966 dorthin. Die Vertriebenenstadt gefiel ihnen auf Anhieb. Sie fanden Freunde bei der Trachtengruppe der Deutschen aus Ungarn, bei der Anna Kindler zehn Jahre lang die Kindertanzgruppe leitete. 1971 übernahmen sie zusammen den Hausmeisterposten an der Realschule. 1995 zogen sie aus der Hausmeisterwohnung in eine eigene Wohnung in Geretsried-Mitte.
Neben den vielen gemeinsamen Aktivitäten, allen voran das Tanzen, pflegte jeder der beiden auch seine eigenen Interessen. Anna sang in der Chorvereinigung und führte beim Theater Regie, Hans kegelte beim Verein „Alle Neune“. Bis heute ist der 87-Jährige Mitglied bei den Stockschützen. „Man muss auch mal ohne den anderen was machen. Diese Freiheit war uns immer wichtig“, sagt Hans Kindler. Mit den beiden Kindern, drei Enkeln und einem Urenkel wird an diesem Samstag im kleinen Kreis die Diamantene Hochzeit gefeiert.
Tanja Lühr
Wer zum Landrat oder Bürgermeister gewählt wird, der muss sich darauf einstellen, dass er zu Gast bei sehr, sehr vielen Geburtstagsfeiern ist. Aber welches Geschenk packt er am besten ein, wenn es sich nicht blamieren will? Unsere Zeitung hat sich in der Kreisbehörde und den Rathäusern umgehört.
