Freund, Feind, Todfeind, Parteifreund: Über die Geretsrieder Liste und das Verhältnis zwischen Volker Reeh und der CSU.
Geretsried – Die neu gegründete „Geretsrieder Liste“ braucht rund 200 Unterstützer-Unterschriften, um bei den Kommunalwahlen am 15. März 2020 antreten zu dürfen. Wie der Gründer und amtierende CSU-Stadtrat Volker Reeh mitteilt, soll mit der Sammlung der Unterschriften nach dem 7. Januar begonnen werden. An diesem Tag stellt die „Geretsrieder Liste“ ihre Kandidaten für den Stadtrat auf. Ihre Bereitschaft zur Kandidatur erklärt haben bereits Volker Reeh, Patrik Kohlert, Christine Schmid, Dr. Elmar Immertreu, Peter Eberhardt und Anne Feiglbinder. „Weitere Interessenten können sich gerne heute Abend vorstellen“, sagt Reeh.
Die Anzahl der Vereinsmitglieder sei mittlerweile auf über 20 gestiegen. Er wolle nicht ausschließen, dass die neue Liste auch einen Bürgermeisterkandidaten ins Rennen schicke. Reeh: „Ich selber werde aber sicher nicht antreten.“ Bis zum 15. März 2020 bleibt der frühere Fraktionssprecher auf jeden Fall Mitglied der CSU-Fraktion. Auch im CSU-Kreisverband, für den er auf der Kreistagsliste auf Platz 37 kandidiert, werde er bleiben, sagt der Einzelhändler: „Die CSU ist meine politische Heimat.“ Ob die auch der Geretsrieder Ortsverband im Fall seiner Wahl in den Stadtrat noch sein wird, lässt der 64-Jährige offen: „Das wird sich zeigen“.
Lesen Sie auch: Kommunalwahl 2020: „Geretsrieder Liste“ formiert sich
Die CSU-Vorstandschaft hat Reeh wie berichtet nicht mehr als Stadtratskandidaten aufgestellt, was eine ziemliche Ohrfeige für den langjährigen Stadtrat und zuverlässigen Stimmenbringer war. Seitens des Ortsvorsitzenden Ewald Kailberth besteht kein Grund, Reeh aus dem Ortsverband auszuschließen. Er könne Mitglied bleiben, auch wenn er für eine andere Gruppierung im Stadtrat sitzen sollte. „Das gibt die Satzung her“, sagt Kailberth. Nur einer anderen Partei, wie etwa der FDP, dürfe er nicht angehören. Vigdis Nipperdey zum Beispiel ist CSU-Mitglied, vertritt im Ickinger Gemeinderat aber seit 1990 die „Ickinger Initiative“. Auch der CSUler Helge Strauß hatte ein Mandat für die „Wählergruppe Ammerland“ im Münsinger Gemeinderat, bevor die CSU mit einer eigenen Liste antrat und Strauß auf dieser Liste gewählt wurde.
Ähnlich wie in Wolfratshausen, wo Helmut Forster der Bürgervereinigung Wolfratshausen (BVW) den Rücken gekehrt und zur „Liste Wolfratshausen“ gewechselt ist, ist auch in Geretsried das Verhältnis zwischen Reeh und der CSU nicht mehr das beste. Reeh hatte in einem Interview mit unserer Zeitung das Bonmot „Freund, Feind, Todfeind, Parteifreund“ im Zusammenhang mit den CSU-Kollegen benutzt. „Das Verhältnis ist deutlich abgekühlt, das ist klar“, sagt Ewald Kailberth. Von Streit will er nicht sprechen: „Das ist wie in einer Familie. Wir stehen alle hinter Michael Müller. Da geht es einfach nicht, dass einer dagegen arbeitet.“
Volker Reeh hat die CSU oder Bürgermeister Michael Müller – mit dem es in der Vergangenheit ganz offensichtliche Differenzen gab – bislang nicht öffentlich angegriffen. Bei der Gründungsversammlung der „Geretsrieder Liste“ kritisierte er lediglich die mangelnde Bürgerbeteiligung, wenn es um Großprojekte wie die Neugestaltung des Karl-Lederer-Platzes ging. „Wir wollen auch weiterhin Sachpolitik machen, ohne persönliche Angriffe“, kündigt Reeh an.
tal