VonDoris Schmidschließen
Der Brauch, am Wegesrand Kreuze aufzustellen, ist in Bayern fest verwurzelt. In Geretsried gibt es einige, die wir in einer Serie vorstellen. Heute: das Wegkreuz an der Böhmwiese.
Geretsried – Der Brauch, am Wegesrand Kreuze aufzustellen, ist in Bayern fest verwurzelt. Die kleinen Gedenkstätten werden häufig nur aus dem Augenwinkel heraus – im Vorbeifahren – betrachtet. Wer weiß schon, wer wann und vor allem warum die Kreuze aufgestellt hat? Der Geretsrieder Hobby-Historiker Walter Holzer ist in seiner Freizeit den Geschichten der Wegkreuze nachgegangen und spürte dabei teils in Vergessenheit geratene Legenden, aber auch Fakten auf. In unserer neuen Serie „Geretsrieder Wegkreuze“ stellen wir einige dieser Kreuze vor.
Zu einem dieser Kreuze hat Walter Holzer eine besondere Beziehung: Zusammen mit seiner Frau Elisabeth pflegt er es seit 24 Jahren. Es steht am Waldrand auf der Böhmwiese. „Man geht den Feldweg über die Böhmwiese“, erklärt der Geretsrieder. „Etwa in der Mitte des Weges gibt es eine Abzweigung. Da biegt man dann Richtung Schwaigwall ab.“ Dort, unter zwei großen Ahornbäumen, befindet sich das Kreuz, davor steht eine Ruhebank.
Aufgestellt hat es die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB) im Jahr 1990. Anlass war der 30. Geburtstag der Ortsgruppe. Die Initiatoren waren Joachim Sterz und Ewald Minke. Sie vermittelten der KAB den Aufstellungsort nahe des Feldwegs, der zum Gut Schwaigwall gehört. Gestiftet haben das Kreuz Nikolaus Sappl und Anton Wagner. Für das Holz und die Aufstellung sorgte Sappl, den Korpus Christi schnitzte Wagner. Bereits kurz vor der Einweihung des Kreuzes am 11. Mai 1990 demolierten Unbekannte die Ruhebank. Die Feier fand trotzdem statt. Fünf Jahre später wurde das Kreuz Opfer von Vandalismus. Um die Sonnwendzeit wurden die Blumenanlage sowie die Christus-Figur zerstört. Rowdys schlugen ihr Kopf und Beine ab. Anton Wagner stiftete daraufhin erneut einen Korpus Christi.
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Aber die Holzers verbinden auch schöne Erinnerungen mit dem Kreuz. Als Elisabeth Holzer einmal die Blumen pflegte, hörte sie Stimmen aus dem dahinter liegenden Gebüsch. „Aus einem Zelt kamen zwei junge Männer zum Vorschein“, berichtet Walter Holzer. Die beiden Urlauber waren mit ihren Fahrrädern unterwegs und vom Radweg abgekommen. Kurzerhand verbrachten sie die Nacht im Freien. „Am Morgen merkten sie, wo sie ihr Zelt aufgeschlagen hatten“, ergänzt der 81-Jährige schmunzelnd. Manchmal, wenn die Holzers das Kreuz gemeinsam pflegen, setzen sie sich auch selbst auf die Bank und genießen den Ausblick auf die Nikolauskapelle und die Alpen.
Warum sie das Wegkreuz schon seit Jahrzehnten pflegen? Das ist schnell erklärt, meint Walter Holzer. Im Jahr 1972 trat das Ehepaar in die Ortsgruppe der KAB ein. Als das Kreuz schon ein paar Jahre stand, erklärte Elisabeth Holzer dem Vorstand, dass ihr die Plastikblumen nicht gefallen würden, die das Kreuz damals noch zierten. „Der Vorstand meinte, dass wir dann gleich die Pflege des Kreuzes übernehmen könnten“, erzählt ihr Mann mit einem Lächeln. „Und dabei ist es schließlich geblieben.“ nej
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