Fest zum zehnjährigen Bestehen

Das Herzstück von Gelting: Seit zehn Jahren ist der Dorfladen Treffpunkt für alle

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Ein Ratsch ist immer drin: An der Arbeit im Dorfladen schätzt Georg Thomasberger (re.) die Nähe zur Kundschaft. Der Geltinger Florian Mayrhofer holt sich in dem Geschäft an der Wolfratshauser Straße oft eine Brotzeit.
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Im Geltinger Dorfladen gibt es alles, was man braucht. Das Geschäft ist Supermarkt, Biergarten und Café in einem. Und es ist Treffpunkt für das ganze Dorf – seit mittlerweile zehn Jahren.

Gelting – Wammerl, Wiener oder Lyoner? Die Auswahl in der Frischetheke ist groß, doch Florian Mayrhofer überlegt nicht lange. „Eine Bratensemmel, bitte.“ Eine Brotzeit zum Mitnehmen wird im Geltinger Dorfladen häufig bestellt, gerade in der Früh und mittags, wenn Handwerker kommen. Auch der Geltinger ist nicht zum ersten Mal hier. „Der Dorfladen ist ein Treffpunkt, hier kann man gemütlich zusammensitzen“, sagt der 31-Jährige. „Die Waren sind regional, man kennt die Lieferanten. Einfach super.“

Was Mayrhofer beschreibt, ist das Konzept des Ladens an der Wolfratshauser Straße, der im Erdgeschoss eines Wohnhauses untergebracht ist. Seit zehn Jahren bekommen die Geltinger hier alles, was man eben so braucht. Heuer, pünktlich zum zehnjährigen Bestehen, wurde das kleine Geschäft von der Bundesvereinigung multifunktionaler Dorfläden als Dorfladen des Jahres 2018 ausgezeichnet – vor allem, weil sich der Geltinger Nahversorger trotz der großen Supermarkt-Konkurrenten in Geretsried und Wolfratshausen so gut etabliert hat.

„Damit der Laden läuft, ist eine gehörige Portion Herzblut nötig“, sagt Sigrid Stumvoll. Die 54-jährige Teamleiterin kümmert sich um den Ladenbereich, während Claudia Thut für sämtliche bürokratische Belange zuständig ist. Insgesamt arbeiten 17 engagierte Geltinger im Dorfladen – alle auf 450-Euro-Basis. „Reich wird hier niemand“, sagt Stumvoll. „Aber das Arbeiten ist schön, wir verstehen uns alle und sind ein sehr gutes Team.“

Ihre Kollegin Marlies Wyrwoll nickt. Die 63-Jährige gehört zu den Frauen und Männern, die vor zehn Jahren die Initiative ergriffen und sich für die Eröffnung eines Dorfladens stark gemacht haben. „Der einzige Nahversorger, ein Edeka, hatte zugemacht“, erinnert sie sich. „Dann war lange nix. Und der Laden in diesem Wohnhaus stand leer.“ Als sich im Zuge einer Umfrage herausstellte, dass sich viele Geltinger einen Dorfladen wünschen, wurde der Plan in die Tat umgesetzt.

Über die Jahre hat sich der Nahversorger zu einem Treffpunkt für Jung und Alt entwickelt. „Die meisten Kunden kennen wir mit Namen“, sagt Stumvoll. Obwohl sie und ihre Kollegin Marlies Wyrwoll sich noch ein bisschen mehr Zuspruch aus der Gemeinde wünschen würden, wollen sich die beiden Frauen nicht beschweren. Viele Zugezogene, junge Familien mit Kindern, aber auch Ur-Geltinger und ältere Bürger kommen in das Geschäft. „Den Wocheneinkauf machen aber nur wenige bei uns. Die meisten holen eher Kleinigkeiten“, gibt Stumvoll zu.

Für einen Ratsch ist im Geltinger Dorfladen immer Zeit

Für einen kleinen Ratsch ist immer Zeit. Bei Kaffee und Kuchen ausgiebig plaudern können die Kunden an hölzernen Tischen und Bänken mit bunten Kissen. Zwei Wände in sonnigem Gelb grenzen diesen Teil des Ladens farblich als Café ab. Bei schönem Wetter sitzen die Besucher allerdings lieber im Biergarten unter dunkelblauen Sonnenschirmen.

In den Ferien ist es ruhiger, doch es vergehen kaum ein paar Minuten, in denen niemand im Laden steht. Die Glastür geht auf, ein Mann mit grauem Schnauzer marschiert schnurstracks zum Kühlschrank mit den Getränken. Er nimmt sich ein Helles und eine Zeitung aus dem Ständer, bevor er sich nach draußen setzt und die Sonne genießt. Bezahlt wird später.

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Das Bier, ein Reutberger, kommt, wie fast alle Lebensmittel, aus der Region. „Semmeln, Brot, Käse, Wurst, Milch, Kuchen und Honig“, zählt Stumvoll nur ein paa

Regional und bio: Über die neue Eistheke freuen sich Marlies Wyrwoll und Teamleiterin Sigrid Stumvoll sehr

r Produkte auf. In der Tiefkühltruhe liegt Steinofenpizza der Geretsrieder Marke Gustavo Gusto, im Kühlregal gegenüber steht Bio-Heumilch aus Eurasburg. Stichwort bio: Wer durch die Reihen streift, findet immer wieder Produkte mit dem Siegel – Tee hübsch aufgereiht in einer blauen Vitrine, verschiedene Sorten Schokolade, Eier in einem Weidenkorb zum Selbstabzählen.

Zur neuesten Spezialität führen pinke Fußabdrücke: Gleich links neben der Tür steht eine Eistheke. Ein blonder Bub mit Fahrradhelm bestellt zwei Kugeln, Cookies und Erdbeere. Italien trifft Bauernhof – die Lieferanten stammen aus Wolfratshausen und Wackersberg. „Wir achten sehr auf Regionalität“, betont Stumvoll.

Im Dorfladen lernt man das Dorf kennen

Abgesehen von Lebensmitteln und Mitbringseln wie Liköre und ausgefallene Gewürze finden sich in den Auslagen allerlei Dinge des täglichen Gebrauchs. „Klopapier, Taschentücher, Zahnbürsten – mit denen decken sich Hotelgäste ein, die ihre eigene vergessen haben“, sagt Stumvoll schmunzelnd. Ihr Blick fällt auf die roten Grablichter im untersten Fach. „Die werden oft gekauft, denn gegenüber ist der Friedhof.“

Durch den Gang läuft die Teamleiterin nach vorne zur Theke. Dort ordnet Georg Thomasberger gerade die Käsesorten. Butterkäse, Tegernseer Wallberger, Obatzda. Der 19-Jährige ist das einzige männliche Teammitglied. Mit einem Praktikum in der sechsten Klasse hat alles angefangen, seither arbeitet er neben der Schule im Geltinger Laden. „Mir gefällt’s super. Die Leute sind sehr nett, hier ist es anders als in der Stadt. Man lernt das Dorf kennen.“ Der Laden verbindet die Geltinger, sagt Sigrid Stumvoll. Die Teamleiterin lässt den Blick über die Regale schweifen. „Hoffentlich noch lange.“

Dorffest

Am nächsten Sonntag, 9. September, feiert nicht nur der Geltinger Dorfladen sein zehnjähriges Bestehen, sondern auch der Ortsteil 40 Jahre Zugehörigkeit zur Stadt Geretsried. Außerdem finden Aktionen zum Tag des offenen Denkmals statt. In Gelting findet daher bei jedem Wetter von 12 bis 19 Uhr ein großes Fest auf dem Dorfplatz statt. mh

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