VonDoris Schmidschließen
Der Arbeitskreis Historisches Geretsried hat heuer ein großes Programm: Unter anderem arbeitet er an einer neuer Publikation und einer Ausstellung.
Geretsried – Viel vorgenommen hat sich der Arbeitskreis Historisches Geretsried (AHG) für das Jahr 2020. Zum einen wollen die Hobbyhistoriker die Tafeln des Wegs der Geschichte überarbeiten. Zum zweiten soll ein neues Geretsrieder Heft erscheinen. Und zum dritten hat sich der AHG drei Aktionen zum Stadtjubiläum überlegt.
Arbeitskreis Historisches Geretsried hat 2020 viel vor
Seit gut vier Jahren beschäftigt sich der AHG schwerpunktmäßig mit der Dokumentation der zwei Rüstungswerke im Wolfratshauser Forst, auf deren Ruinen die Stadt Geretsried entstanden ist. In einer Serie von insgesamt neun Heften werden darin die Themen Finanzierung, Planung, Produktion, Arbeitsbedingungen, Sprengung und Demontage der Werke nach dem Zweiten Weltkrieg beleuchtet.
2019 erschien das vierte Heft. „Unser leider viel zu früh verstorbener verdienstvoller Freund Martin Walter hatte das Heft noch überwiegend erstellt“, berichtet AHG-Sprecher Dr. Wolfgang Pintgen. „Harald Zelfel vervollständigte das Thema und bearbeite es für die Drucklegung.“ Heuer soll das fünfte Heft der Reihe veröffentlicht werden.
Hobbyhistoriker möchten Sonderheft herausbringen
Aus Anlass des Stadtjubiläums wollen die Hobbyhistoriker ein Sonderheft der Reihe „Geretsrieder Hefte“ herausbringen. Autor Walter Holzer widmet sich darin der Frühgeschichte von Geretsried. Den Weiler Geretsried gibt es schließlich schon seit 1083. Die Gestaltung der Publikation übernimmt Gerhard Aumüller.
Geretsried: Industrieausstellung im Kunstbunker
Außerdem plant der AHG in Zusammenarbeit mit der Stadt eine Industrieausstellung, und zwar im Kunstbunker, dem ehemaliger Kohlebunker des Kraftwerks 2 der Dynamit Aktiengesellschaft (DAG) am Isardamm. Wie berichtet diente das imposante Gebäude aus der Rüstungszeit über viele Jahre als Galerie. Mittlerweile befindet es sich im Besitz der Firma Krämmel.
Eröffnet werden soll die Ausstellung am 2. Juli. Sie ist laut Werner Sebb, Hauptorganisator der Ausstellung, der Erinnerung an die Aufbaujahre der ortsansässigen Industrie- und Gewerbebetriebe zwischen 1946 und 1970 gewidmet. Die gezeigten Exponate würden die Vielseitigkeit der Geretsrieder Industrie schon vor mehr als 70 Jahren verdeutlichen. Sebb: „Wenngleich bei weitem nicht von allen damaligen Unternehmen Ausstellungsobjekte zur Verfügung stehen, so bieten sich doch eindrucksvolle Einblicke in Produktsortimente und Arbeitsmethoden von damals.“
Ausstellung soll Vielseitigkeit der Geretsrieder Industrie verdeutlichen
Das gelte für Erzeugnisse der Textilbranche ebenso wie für den Musikinstrumentenbau, die Herstellung chemischer Produkte, den Maschinen- und Apparatebau, die Lebensmittel- und Genussmittelbranche und vieles mehr. „Sie bietet einen weit größeren Überblick als ihre Vorgängerin von 1950“, kündigt der Hobbyhistoriker an.
Am 24. Juni 1950 fand aus Anlass der Gemeindegründung zum ersten Mal auf Geretsrieder Boden eine Leistungsschau statt. „Sie war in der kurz vorher geräumten Produktionshalle der Werkzeugfabrik Brühschwein, während des Krieges als Elektrokarren-Ladestation genutzt, untergebracht“, so der Geretsrieder. Danach diente das ehemalige Gebäude Nummer 547 der DAG viele Jahre als Kirche der Pfarrgemeinde Heilige Familie.
Auch von anderen Gebäuden der ehemaligen Munitionswerke DAG und DSC ist bekannt, dass sie in der Abfolge weniger Jahre in der Geschichte der jungen Stadt unterschiedlich genutzt wurden. Das Beispiel der Kirche verdeutliche auf besonders eindrucksvolle Weise „den Wandel von Orten, die der Produktion von Vernichtungswaffen dienten zu Stätten der menschlichen Begegnung und des Friedens“.
AHG arbeitet mit Geretsrieder Fotoclub an einem Film
Zusammen mit dem Geretsrieder Fotoclub arbeitet der Arbeitskreis außerdem an einem Film mit dem Arbeitstitel „7x Geretsried in 10 Jahresschritten“. AHG-Sprecher Pintgen ergänzt: „Aus von Bürgern zur Verfügung gestellten Filmaufnahmen werden in kurzen Szenen wichtige Episoden aus der Entwicklung von Geretsried dargestellt.“
Bergung von Originalrelikten aus der Rüstungszeit
Weiter dran bleiben will der AHG an der Bergung eines der wenigen Originalrelikte aus der Rüstungszeit. „In einem einsamen Wiesenabschnitt nördlich der Böhmwiese lagert teils verschüttet ein Einmannbunker“, so Pintgen. „Wir konnten in Erfahrung bringen, dass die Bergung durch eine Spezialfirma aus Geretsried möglich ist.“ Für das weitere Vorgehen sei man im Gespräch mit der Stadt. Der Hobbyhistoriker kann sich vorstellen, dass der Einmannbunker im Garten des Museums der Stadt Geretsried aufgestellt wird. Dort soll ebenfalls eine alte Holzbaracke errichtet werden.
AHG arbeitet am Aufbau eines eigenen Archivs
Über die Einstellung einer neuen Stadtarchivarin Ende 2018 freut sich der AHG sehr. Wie berichtet hatten sich die Hobbyhistoriker dafür stark gemacht. Im Übrigen arbeiten sie selbst weiter am Aufbau eines eigenen Archivs, das mit Bildern, Schriften, Büchern und Urkunden bestückt werden soll. Alle Unterlagen werden in einem Findbuch aufgenommen.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wollten die Amerikaner eigentlich die Munitionsfabriken zerstören. Doch sie überlegten es sich anders. Es entstand Geretsried.
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