VonSabine Hermsdorf-Hissschließen
Die Schneekatastrophe hat dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen einiges abverlangt. Eine zentrale Rolle übernahm hier Geretsried: Hier wurde für alle Helfer gekocht.
Geretsried – Vier Tage lang herrschte in den beiden Feuerwehrhäusern in Geretsried der Ausnahmezustand. Vier Tage, an denen die Helfer von THW, BRK, DLRG, Bergwacht, Feuerwehren, Bundeswehr und Polizei die Dächer von der Schneelast befreiten. „Geretsried war der Bereitstellungsraum ,Mitte‘ des Landkreises“, erklärt Erster Kommandant Erik Machowski. „Von hier aus wurden in den vergangenen vier Tagen rund 1000 Kräfte und 60 Fahrzeuge organisiert und an die verschiedenen Einsatzabschnitte verteilt.“
Es waren aber auch vier Tage, die einiges an Logistik erforderten. Weit über 500 Kräfte von auswärts mussten über Nacht im Raum Bad-Tölz-Wolfratshausen untergebracht werden, zudem musste für alle Beteiligten Verpflegung bereitgestellt werden. Das Gerätehaus an der Jeschkenstraße wurde kurzerhand zur Großküche umfunktioniert. Bis zu 2400 Essen täglich wurden hier vorbereitet. „Früh 400, Mittags 1000, Abends 800 und gegen Mitternacht noch einmal 200 bis 400 Mahlzeiten“, rechnet Monika Beier vor, die zusammen mit ihrer Tochter Kerstin als BRK-Einsatzleiterin fungierte. Zudem noch Obst und Süßigkeiten. Die Köche legten Wert auf eine frische Zubereitung. „Wir sind absolute Verachter von Dosensuppen.“
Bei der Arbeit halfen alle zusammen: Das BRK des Landkreises, die Kollegen aus Penzberg und Peißenberg und die der Johanniter Mittelfranken. „Unterstützung bekamen wir auch aus den Orten“, so Bereitschaftsleiterin Fabienne Schenker. „Schmid-Bäck’ hat uns mit Semmeln versorgt, der Geretsrieder Getränkemarkt Orterer und der Bierkini aus Wolfratshausen mit Getränken.“
Schwierig war anfangs nur die Beschaffung der Lebensmittel. „Das Kaufland hatte wegen der Schneelast geschlossen“, berichtet Schenker. Also wurden alle anderen Lebensmittelmärkte abgeklappert. „Zum Glück haben wir neben einem gewissen Grundstock unsere Notfalladressen“, so Beier weiter.
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Sobald das Essen fertig war, wurde es an die fünf Ausgabestellen im Landkreis gebracht. Eine Anlaufstelle war die Feuerwache Nord an der Elbestraße. Ein großer, handgeschriebener Zettel wies die Hungrigen nach oben in den Lehrsaal. 110 Personen konnten hier gleichzeitig verköstigt werden.
Ein Ortsbesuch am Sonntag: Ein Bundeswehrangehörger schält sich gerade aus seiner nassen Jacke: „Langsam könnte es mal wieder aufhören mit dem Regen“, sagt er und schaut sich um. Pech gehabt. Alle Heizkörper sind bereits mit Einsatzjacken und Handschuhen überfrachtet. Dennoch: Trotz Regen und Kälte ist die Stimmung fröhlich, geradezu familiär. Die Frauen und Männer aller Einsatztrupps tauschen sich aus, scherzen miteinander. Die Älteren vergleichen die heutige Situation mit dem Schneechaos von 2006. Die Jüngeren sprechen lieber über die aktuelle Lage. „Von damals wissen wir ja nicht viel – nur, dass wir schulfrei hatten.“ Eines jedoch ist an allen Tischen zu hören: „Die Freundlichkeit mit der man uns begegnet“, fasst es ein THWler zusammen, „ist einmalig. Egal, ob das hier im Gerätehaus ist, oder auf der Straße, wenn uns Passanten einfach mal so zuwinken.“
Unter den angereisten Feuerwehrkräften ist auch der Kreisbrandrat von Rottal-Inn, René Lippeck. Mit 113 Kräften und 18 Fahrzeugen sind sie am Sonntag in Geretsried eingetroffen. Geschlafen haben sie in der Jugendherberge des Klosters Benediktbeuern. „Wir sind da, um zu helfen“, sagt der Kreisbrandrat lapidar. „In so einer Lage muss man zusammenhalten. Da gibt es kein ,Mir san mir‘“.
Am Montag hatte sich die Lage entspannt. Die Helfer aus dem Kreis Rottal-Inn waren die ersten, die wieder nach Hause fahren durften. Aber nicht ohne ein Dankeschön von Landrat Josef Niedermaier, der auf einen Sprung in der Wache Nord vorbeigekommen war. „Viele Einsatzkräfte haben bis zum Anschlag gearbeitet. Ich kann nur sagen ,Vergelt´s Gott´. Und: Wenn bei Euch mal Not am Mann ist, wir kommen sofort.“ Man sei bis jetzt gut mit der ungewöhnlichen Situation fertig geworden, resümierte der Landrat. Und sollte etwas schief gegangen sein: „Wir machen hier ,Learning by doing‘, und wir werden unsere gemachten Erfahrungen mitnehmen“, so Niedermaier. „Man darf aber auch nicht vergessen, dass man solch eine Lage im Vorfeld nicht üben kann.“
sh
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