VonMagdalena Höcherlschließen
Auf dem Trainingsgelände des Hundesportvereins Königsdorf in Geretsried zeigen Vierbeiner ihr Können. Dazu zählt deutlich mehr als „Sitz“, „Platz“ und Stöckchenholen: Die Hunde sind wahre Tänzer.
Geretsried/Königsdorf – Ohne Leberkäse geht nix. „Die Belohnung ist das Wichtigste“, sagt Maria Kassner (30) grinsend, steckt sich ein paar Würfel in die Hosentasche und ruft ihren Border Collie „Alejandro“, der mit seinen Spielkameraden über die grüne Wiese an der Geretsrieder Spreestraße fetzt. Die Grünfläche ist das Trainingsgelände des Königsdorfer Hundesportvereins. An diesem Tag üben die Tiere jedoch nicht nur einfache Kommandos, sondern Tanzschritte – „Dog-Dance“ nennt sich dieser Sport.
Während die Hunde vorher getollt haben, kommen sie jetzt auf leisen Zuruf zu ihren Frauchen. Kassner hat ein fingergroßes, weißes Plastikgerät in der Hand, einen sogenannten Clicker. Er hilft ihr, „Alejandro“ das Rückwärtslaufen beizubringen. „Der Hund hört das Klicken und weiß, dass das, was er macht, richtig ist“, erklärt Kassner, die seit 15 Jahren Dog-Dance lehrt. „Alejandro“ tapst drei Schritte zurück, Kassner klickt und gibt ihm ein Leckerli. „So können die Tiere so gut wie alles lernen.“ Einige Meter weiter übt Natalie Weidemüller, seit Jahren Vereinsmitglied, mit ihrem Pekinesen „Peko“ den Sprung auf den Rücken. Die 23-Jährige geht in die Knie, beugt den Rücken nach vorne und ruft „Hopp
“. Der rotbraune Pekinese nimmt Anlauf und springt mit einem Satz auf dem Rücken des Frauchens, eine beliebte Schlusspose bei Aufführungen.
Solche Shows zeigen die Hundehalterinnen mit ihren Vierbeinern mehrmals pro Jahr. Während im Sommer meist nur Grundlagen wiederholt und Tricks eingeübt werden, setzen sich die Frauen im Herbst zusammen, überlegen sich eine Choreografie, neue Kunststücke und wählen Musik aus. „Unsere Weihnachtshows im Demenzzentrum und im Seniorenwohnpark in Wolfratshausen gehören zum Programm“, sagt Kassner. Außerdem treten die Dog-Dancers regelmäßig im Geltinger Tierheim, auf regionalen Veranstaltungen und Hundemessen in ganz Bayern auf. Es gibt zwar nationale wie internationale „Dog-Dance“-Wettkämpfe, aber in dem Königsdorfer Verein steht der Spaß an vorderster Stelle.
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„Deswegen bin ich hier“, sagt die 16-jährige Marlies aus Bairawies. Ihr sieben Jahre alter Begleiter „Aragon“, ein Australian Shepard, ist gut erzogen. Marlies braucht meist nur mit dem Finger zu zeigen. Als sie mit „Ari“ Slalomlaufen übt, läuft der schwarz-weiße Australian Shepard wie automatisch durch ihre Beine. „Mir macht es Spaß, ihm Tricks beizubringen. Und ihm macht es genauso viel Spaß, das merke ich“, sagt die Jugendliche aus Bairawies, während „Aragon“ brav Männchen macht und ihr seine Pfote gibt.
„Abbey“ dagegen, eine 19 Monate alte Sheltie-Dame, ist noch nicht so gelassen. „Wir trainieren erst seit ein paar Wochen mit“, erklärt ihre Besitzerin, die zwölfjährige Eileen. „Sie ist noch ein bisschen ängstlich, aber Slalomlaufen klappt schon ganz gut“, freut sich das Mädchen aus Waldram.
Im Takt zu sein, müssen alle vier tanzenden Hunde noch üben. Als ihre Frauchen silberblaue Reifen in die Höhe halten, laufen zwar alle auf auf Kommando los – der Sprung klappt aber noch nicht wie geplant. „Synchronität ist das Schwierigste“, sagt Kassner. „Aber das kriegen wir schon noch hin.“ Musikalisch seien die Vierbeiner jedenfalls sehr. „Wenn im Radio ein Lied kommt, zu dem wir getanzt haben, spitzt „Alejandro“ immer ganz aufmerksam die Ohren“, meint Kassner grinsend.
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Mit dem dem Border Collie und ihrer Malinois-Hündin „Akilah“ übt sie fast täglich zehn bis 20 Minuten. „Das ist das Schöne am Dog-Dance: Man kann es nicht nur im Team und draußen, sondern auch allein daheim machen.“ Die kleinen Einheiten sind laut der Hundetrainerin sehr wichtig für die Tiere. „Jeder Hund – egal wie groß und alt er ist – braucht Erziehung und geistige Beschäftigung.“ Je früher man damit anfange, desto besser, denn Training wie Dog-Dance stärke auch im Alltag die Harmonie zwischen Tier und Besitzer. „Viele Verhaltensauffälligkeiten rühren daher, dass man sich zu wenig mit dem Hund beschäftigt“, erklärt Kassner.
Sie beugt sich zu „Alejandro“, der brav zu ihren Füßen wartet, und belohnt ihn mit einer Streicheleinheit. Auch „Peko“, „Abbey“ und „Ari“ werden für ihre Tanzkünste gelobt. Die Vierbeiner schnuppern herum, lassen sich die warme Nachmittagssonne aufs Fell scheinen und den Leberkäse schmecken. Nach dem Training brauchen auch vierbeinige Tänzer eine Ruhepause. mh
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