VonBoris Forstnerschließen
Seit einem Dreivierteljahr ist die Admiral-Hipper-Straße eine Sackgasse, weil wegen der Rathaus-Baustelle nicht genug Platz für den Autoverkehr ist. Jetzt fordern ÖDP, SPD, Grüne und Agenda 21, die Situation dauerhaft so zu belassen und keine Durchfahrt mehr zur B 2 zuzulassen. Geschäftsleute gehen dagegen auf die Barrikaden.
Weilheim – Rund ein Dutzend Geschäftsleute aus der Admiral-Hipper-Straße haben sich auf den Weg ins Rathaus gemacht, um ihrem Unmut Luft zu machen. Bürgermeister Markus Loth hatte extra einen Termin verschoben, um die wütenden Unternehmer zusammen mit Ordnungsamtschef Walter Weber und Stefan Frenzl (Standortförderung) zu empfangen.
Die Geschäftsleute, die sich zur „Interessensgemeinschaft gegen die Sperrung der Admiral-Hipper-Straße“ zusammengeschlossen haben, haben schon lange unter den Folgen der Sperrung zu leiden, schreiben sie in einem Brief an Bürgermeister und Stadtrat. „Sie hat bei den anliegenden Geschäften bereits zu hohen Einbußen und Verlusten des Umsatzes geführt, der sie teilweise an ihre äußersten Grenzen bringt“, heißt es da.
„Altstadt bewusst zerstören“
Der Kundenkreis, der vorwiegend aus älteren Personen bestehe, könne nicht mehr einkaufen, weil sie keine schweren Taschen über weite Strecken tragen könnten und Parkmöglichkeiten zu weit entfernt seien. Dabei sei das genau die Personengruppe, die „konsumieren und nicht nur flanieren“ wolle und deshalb immer wichtiger werde im Vergleich zur jüngeren Generation. Man müsse Weilheim attraktiv halten und die Innenstadt „nicht durch Ausgrenzung bewusst zerstören“.
Was die Geschäftsleute besonders ärgert: Ein Stadtrat habe ihnen vor rund einer Woche mitgeteilt, dass bei einer persönlichen Befragung alle Ladenbetreiber der dauerhaften Sperrung zugestimmt hätten. „Das stimmt nicht, mit uns hat niemand gesprochen“, sagt etwa Ute Barnsteiner von der Konditorei.
Tatsächlich hat die ÖDP, wie sie in ihrem Antrag an die Stadt schreibt, „sechs aus unserer Sicht relevante inhabergeführte Ladengeschäfte“ befragt, darunter alge unverpackt und den Eine-Welt-Laden. „Insgesamt ist die Stimmung bei den befragten Geschäftsleuten also überwiegend positiv“, heißt es weiter.
Loth will wieder aufmachen
Vom Tenor her unterscheiden sich die Anträge der drei Parteien kaum: Alle wollen die Durchfahrt zur B 2 dauerhaft unterbinden, weil sich die Bürger an die Situation gewöhnt hätten, Radverkehr möglich sei, Parkplätze und Wendemöglichkeit blieben und die Aufenthaltsqualität gesteigert werde.
Bei der Stadt rannten die Ladenbesitzer mit ihrem Ansinnen offene Türen ein. „Wir wollen den Status quo nach der Baustelle, die hoffentlich spätestens im April vorbei ist, wieder herstellen“, sagte Loth. Schon bei der B 2-Baustelle vor zwei Jahren habe man den Schritt gehen müssen und jetzt wieder, weil es aus Sicherheitsgründen nicht anders gegangen wäre. „Aber es war immer von temporär die Rede“, betonte Loth.
Auch Frenzl betonte, wie wichtig die Befahrbarkeit der Straße sei. „Jeder zweite Kunde der Altstadt kommt von auswärts, und in der Regel mit dem Auto.“ Man wolle als Einkaufsstadt attraktiv bleiben. Und Weber verwies auf Sicherheitsprobleme, die beim Wenden entstehen, die vielen Engstellen sowie auf zusätzlichen Verkehr in der Hofstraße bei der Ausfahrt aus der Altstadt. „Das sieht übrigens auch die Polizei so“, sagte Weber. Zumal dann fast alle Autofahrer statt über die Ampel am Rathausplatz über die B 2-Kreuzung bei der Pin-oil-Tankstelle fahren, wo das Einbiegen schwer und das Linksabbiegen nahezu unmöglich ist.
