Augenschmaus vor Bergpanorama

Geschmückte Boote und bunte Gewänder: So war der Alt-Schlierseer Kirchtag

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Von Fischhausen bis Schliersee fuhren die Gläubigen in sogenannten Plätten. Die Holz-Schiffe kommen nur einmal im Jahr beim Alt-Schlierseer Kirchtag zum Einsatz.
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Festlich gekleidete Gläubige fuhren wieder in ebenso festlich geschmückten Booten von Fischhausen nach Schliersee. Heuer spielte auch das Wetter beim Alt-Schlierseer Kirchtag mit.

Schliersee – Prachtvoll geschmückte Boote, bunte traditionelle Gewänder und strahlender Sonnenschein. Ein Augenschmaus war der Alt-Schlierseer Kirchtag für jeden, der gestern in den Schlierseer Kurpark kam, um die sieben Holz-Schiffe, die in Fischhausen gestartet waren, am Ufer zu empfangen.

Seinen Ursprung hat das Fest mit der Überfahrt, dem Gottesdienst und dem Festzug in der Zeit, als es noch keine Straße nach Neuhaus gab. Um am Patroziniumfest zu Ehren des Heiligen Sixtus in Schliersee teilnehmen zu können, mussten die Bauern über den See rudern. Um 1900 wurde die „kloane Kirta“ allerdings verboten – es war zu viel gesoffen und gerauft worden, erzählt Herta Meier, langjähriges Vereinsmitglied der Alt-Schlierseer, die den Brauch 1984 wieder aufleben haben lassen.

Ebenso zurück ins Leben gerufen haben die Alt-Schlierseer die traditionellen Gewänder. 1979 – zur 1200-Jahr-Feier Schliersees – wurde die Tracht von 1820 bis 1860, so wie sie auf Bildern dargestellt wurde, wieder getragen. Grundlage für diese Tracht war die oberlanderische Mode, die die Genre-Maler Lorenzo Quaglio (1793 bis 1869) und auch Peter von Hess in zahlreichen Gemälden festgehalten haben.

Bunt ist beim jährlichen Fest der Alt-Schlierseer aber nicht nur die Tracht, sondern auch die Holz-Schiffe und sogenannten Plätten, besonders Flache, breite Boote ohne tiefen Kiel und mit schnabelförmig auslaufendem Bug, die nur beim Kirchtag zum Einsatz kommen. Die blumengeschmückten Bögen binden tags zuvor die Alt-Schlierseer Frauen. „Damit das Ganze bissl was gleichschaut“, erklärt Meier lachend.

Nach der Ankunft der Boote am Kurpark-Ufer haben sich die Trachtengruppen und historischen Vereine zum Patroziniumsgottesdienst in St. Sixtus getroffen. Ein großer Festumzug führte die Gläubigen schließlich zum Bauerntheater, wo bei Tanzmusik das Kirchweihfest gefeiert wurde.

Bilder: So war der Alt-Schlierseer Kirchtag

Alt-Schlierseer Kirchtag
Alt-Schlierseer Kirchtag © Ralf Poeplau
Alt-Schlierseer Kirchtag
Alt-Schlierseer Kirchtag © Ralf Poeplau
Alt-Schlierseer Kirchtag
Alt-Schlierseer Kirchtag © Ralf Poeplau
Alt-Schlierseer Kirchtag
Alt-Schlierseer Kirchtag © Ralf Poeplau
Alt-Schlierseer Kirchtag
Alt-Schlierseer Kirchtag © Ralf Poeplau
Alt-Schlierseer Kirchtag
Alt-Schlierseer Kirchtag © Ralf Poeplau
Alt-Schlierseer Kirchtag
Alt-Schlierseer Kirchtag © Ralf Poeplau
Alt-Schlierseer Kirchtag
Alt-Schlierseer Kirchtag © Ralf Poeplau
Alt-Schlierseer Kirchtag
Alt-Schlierseer Kirchtag © Ralf Poeplau
Alt-Schlierseer Kirchtag
Alt-Schlierseer Kirchtag © Ralf Poeplau
Alt-Schlierseer Kirchtag
Alt-Schlierseer Kirchtag © Ralf Poeplau
Alt-Schlierseer Kirchtag
Alt-Schlierseer Kirchtag © Ralf Poeplau
Alt-Schlierseer Kirchtag
Alt-Schlierseer Kirchtag © Ralf Poeplau
Alt-Schlierseer Kirchtag
Alt-Schlierseer Kirchtag © Ralf Poeplau
Alt-Schlierseer Kirchtag
Alt-Schlierseer Kirchtag © Ralf Poeplau
Alt-Schlierseer Kirchtag
Alt-Schlierseer Kirchtag © Ralf Poeplau
Alt-Schlierseer Kirchtag
Alt-Schlierseer Kirchtag © Ralf Poeplau
Alt-Schlierseer Kirchtag
Alt-Schlierseer Kirchtag © Ralf Poeplau
Alt-Schlierseer Kirchtag
Alt-Schlierseer Kirchtag © Ralf Poeplau
Alt-Schlierseer Kirchtag
Alt-Schlierseer Kirchtag © Ralf Poeplau
Alt-Schlierseer Kirchtag
Alt-Schlierseer Kirchtag © Ralf Poeplau
Alt-Schlierseer Kirchtag
Alt-Schlierseer Kirchtag © Ralf Poeplau
Alt-Schlierseer Kirchtag
Alt-Schlierseer Kirchtag © Ralf Poeplau
Alt-Schlierseer Kirchtag
Alt-Schlierseer Kirchtag © Ralf Poeplau
Alt-Schlierseer Kirchtag
Alt-Schlierseer Kirchtag © Ralf Poeplau
Alt-Schlierseer Kirchtag
Alt-Schlierseer Kirchtag © Ralf Poeplau
Alt-Schlierseer Kirchtag
Alt-Schlierseer Kirchtag © Ralf Poeplau
Alt-Schlierseer Kirchtag
Alt-Schlierseer Kirchtag © Ralf Poeplau
Alt-Schlierseer Kirchtag
Alt-Schlierseer Kirchtag © Ralf Poeplau
Alt-Schlierseer Kirchtag
Alt-Schlierseer Kirchtag © Ralf Poeplau
Alt-Schlierseer Kirchtag
Alt-Schlierseer Kirchtag © Ralf Poeplau

Umfrage: Woher kommt Ihre Tracht?

Silvia Markwitz (54), Lechler München

Silvia Markwitz

„Wir tragen Münchner Gwand aus dem 18. Jahrhundert. Meine Riegelhaube ist original aus der Biedermeierzeit und mit Golddraht bestickt. In meiner steht sogar drin, dass sie einst 14 Gulden gekostet hat. Auch die Kropfkette und ein Pompadour gehören zum Gewand. Unsere Gewänder sind sehr individuell und bunt. Es gibt viele Zeitdokumente, an denen man sich gut orientieren kann.“

Rudi Sigl (50), Tutzinger Gilde

Rudi Sigl

„Unsere Tutzinger Fischertracht stammt aus der Biedermeierzeit um 1850. Männer tragen einen Stopselhut oder einen flachen Hut. Ich habe heute eine kurze Jacke an, es gibt aber auch den langen Gehrock. Auf der Jacke haben wir silberne Knöpfe, weil Schmuck an sich damals verboten war. Typisch ist auch die zweireihige Seidenweste. Frauen tragen bei uns eine Otterfellhaube oder ein Bramerl.“

Brigitte Aigner (71), Schmied von Kochel

Brigitte Aigner

„Ich gehöre zur Historischen Gruppe Schmied von Kochel, wir sind in München Sendling ansässig und haben uns 1981 gegründet. Bei uns sagt man, dass wir keine Tracht tragen, sondern Bürgergewand. Angelehnt ist das an die Gebirgsschützen und besteht bei den Frauen aus der rot-grünen Schürze sowie dem Schultertuch aus dem gleichen Stoff dazu. Außerdem tragen wir einen Hut.“

Nicole von Wulffert (62), Riesengebirgler München

Nicole von Wulffert

„Unser Verein wurde 1951 gegründet und ist in München ansässig. Wir tragen Schlesische Tracht – heute trage ich Festtagstracht. Typisch ist dafür die aufwendige Lochstickerei auf der weißen Schürze und dem Schultertuch. Auch der Unterrock ist bestickt, darunter habe ich eine weiße Pumphose an. Verheiratete Frauen tragen außerdem eine sogenannte Dreistückhaube auf dem Kopf.„

tas

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