VonChristiane Mühlbauerschließen
Die Sicherungsarbeiten am Kloster Benediktbeuern werden auch am Sonntag bis in die Nacht hinein dauern. Basilika, Anastasiakapelle und Barocksaal müssen vor dem eindringenden Regen geschützt werden. Dramatisch ist die Lage am Maierhof. Das ZUK fürchtet um die Statik. Es werden dringend Handwerker gesucht.
Benediktbeuern – „Mir fehlen die Worte“, sagt Pater Claudius Amann. „Das Ausmaß der Zerstörung unserer Klosteranlage ist enorm.“ Amann lebt seit 45 Jahren im Kloster Benediktbeuern, er erinnert sich auch noch an den Großbrand im Jahr 1979. „Die Situation jetzt kommt dem Brand gleich“, sagt er fassungslos in Bezug auf die Schäden.
Schwere Schäden nach Unwetter – Pater fassungslos
Der Pater war gerade in seinem Zimmer, als das Unwetter losbrach. Eigentlich sollte es sein letzter Tag in Benediktbeuern sein, am Montag sollte er die Stelle als Direktor der Salesianergemeinschaft in Aschau am Inn antreten. „Ich habe gerade meine Sachen gepackt“, erzählt er. Sein Zimmer liege im Westtrakt mit Blick in den Innenhof. Plötzlich vernahm er „merkwürdige Geräusche“ und sah aus dem Fenster. „Es brach ein orkanartiger Sturm los und sah aus wie eine Windhose.“ Sekunden später brach der Hagel los. Der Pater hörte es dann „nur noch kläppern“, wie er es beschreibt. „Die ganzen Fenster wurden von tennisballgroßen Hagelkörnern regelrecht durchschossen.“
Etwa zehn Minuten habe der ganze Spuk gedauert. Danach bot sich im Kloster ein Bild der Verwüstung. „Es erschüttert mich sehr, es erschüttert uns alle“, sagt Amann am Sonntag. Die abgedeckten Dachplatten lagen mittags zentimeterhoch im Innenhof. Sie wurden von einem Radlader beiseite geschoben.
Umfangreiche Aufräumarbeiten: Freiwillige helfen mit
Schon nach Ende des Unwetters, mit Blick auf die bevorstehenden Regenmengen, habe man versucht, „abzudecken, was abzudecken geht“, sagt der Pater. In erster Linie waren das Fenster. Scherben wurde zusammengekehrt, Treppenhäuser gereinigt, Wasser aufgewischt, bis in die Nacht hinein. „Wir sind allen, die uns helfen, sehr sehr dankbar“, sagen sowohl Pater Amann als auch Katrin Birk, die Pressesprecherin des Klosters. Auf dem ganzen Klostergelände sind neben den Handwerkern auch Ehrenamtliche von Feuerwehr, Bergwacht, THW Geretsried sowie Mitarbeiter, Freiwillige, Gäste und Jugendliche im Einsatz.
An der Basilika und der Anastasiakapelle wurden zahlreiche Fenster eingeschlagen, berichtet Birk. An vielen Stellen der Klosterfassade sehe man die Einschlagstellen der Hagelkörner. Im Direktionsteil des Konventbaus sei kein Fenster mehr heil, berichtet Birk.
Am Sonntag versuchte man alles zu tun, um die massiv beschädigten Dächer mit Planen notdürftig gegen die Regenmengen zu sichern. Fahrzeuge mit Kränen waren nachmittags vor Ort, gearbeitet wurde bis zum Einbruch der Dunkelheit. Höchste Priorität haben die Dächer von Basilika und Anastasiakapelle. „Das Team ist zuversichtlich, es bis zum Abend zu schaffen“, so Birk.
Ob das auch auf dem Dach des Konventbaus gelang, um den Barocksaal vor massiven Regenschäden zu bewahren, stand bis Redaktionsschluss nicht fest.
Schlehdorf: Altes Kloster und Kirchturm von St. Tertulin beschädigt
Der Hagelsturm beschädigte am Samstag auch historische Gebäude in Schlehdorf, allerdings nicht mit der gleichen Intensität wie in Benediktbeuern. „Wir sind halbwegs glimpflich davon gekommen“, sagt Peter Schmidt vom Vorstand der Wogeno, Eigentümerin des alten Klosters. Rund 70 Scheiben seien zerborsten. „Aber wir haben keinen Schaden am Dach, es regnet nicht rein.“ Die Hausgemeinschaft begann noch am Abend, die kaputten Fenster mit Planen abzudecken. Weil sich vermutlich nicht alles gleich reparieren lassen werde, geht Schmidt davon aus, dass einige Fenster erstmal mit Sperrholzplatten abgedeckt werden.
Beschädigt wurde auch der renovierte Glockenturm von St. Tertulin, berichtet Schwester Josefa Thusbaß von den Missionsdominikanerinnen. Pfarrer Simon Tyrolt war am Sonntag nicht zu erreichen. Am neuen Kloster seien die Schäden nicht so gravierend, berichtet die Ordensfrau. Man habe Hagelschäden an der Fassade und wohl Schäden an der Photovoltaikanlage auf dem Dach.
Auch der Südarkadentrakt, der gerade für einen Millionenaufwand saniert wird, hat Schaden genommen. Der südliche Gartenbereich wurde ebenfalls stark in Mitleidenschaft gezogen. Laut Birk wurden Bäume entwurzelt. Das Gartenprojekt, für das bis vor wenigen Tagen noch zahlreiche Jugendliche arbeiteten (wir berichteten), gleiche einem Trümmerfeld.
Der Hagelsturm traf auch das Gästehaus des Klosters sehr. Die Urlauber konnten in Räume von Jugendherberge und Aktionszentrum, die heil geblieben sind, umziehen, berichtet Birk. „Die Hilfsbereitschaft unserer Gäste nach dem Sturm ist riesig“, dankt sie. Derzeit sei man auch damit beschäftigt, anderen Reisenden abzusagen und über die Schäden zu informieren. Das ganze Klostergelände ist bis auf Weiteres gesperrt.
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Das nächste Problem bahnt sich an: Der Regen
Das gilt auch für den Maierhof, in dem sich das Zentrum für Umwelt und Kultur (ZUK) befindet. Es ist vorläufig bis Sonntag, 3. September, geschlossen, „wahrscheinlich noch länger“, sagt Geschäftsführer Benedikt Hartmann. Der Sturm hat das Dach auf der West- und Ostseite abgedeckt, alle Fenster sind vom Hagel zerstört. Hartmann ist seit Samstagnachmittag vor Ort und hat zusammen mit zahlreichen Helfern versucht zu retten, was noch zu retten ist. „Die Hagelkörner sind durch die Decken unserer Wohnung für die Volontäre geschossen, sie mussten sich in Sicherheit bringen“, schildert er die dramatischen Minuten während des Unwetters.
Das große Problem ist jetzt der Regen. Schon in der Nacht, berichtet Hartmann, sei so viel eingedrungen, dass sich die historischen Holzbalken vollgesogen hätten. Bis zu den Tagungsräumen im Erdgeschoß sei alles nass. Das Problem: „Die Statik des ganzen Gebäudes ist sehr gefährdet, weil sie das Gewicht mit dem Wasser nicht mehr tragen kann“, schlägt Hartmann Alarm. Ein Krisenteam wurde eingerichtet. Auch hier wurde am Sonntag bis zum Einbruch der Dunkelheit am Dach mit Planen weitergearbeitet. Auch der gesamte Maierhof ist gesperrt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dürfen sich nur nach Absprache mit der Bereichsleitung im Haus aufhalten. „Die Sicherheit ist nicht gewährleistet“, sagt Hartmann.
Wie lange in der Basilika keine Gottesdienste gefeiert werden können, war am Sonntag noch nicht klar. Die Helfer mussten am Vormittag auch einige Touristen wegschicken, die in Unkenntnis der Lage zum Kloster gekommen waren. „Sie waren alle schockiert“, so Birk.
Die Polizei Kochel war auch am Sonntag im Loisachtal unterwegs. „Wir haben geschaut, ob noch etwas zu sichern ist, und ob es Alleinstehende gibt, die Hilfe brauchen“, berichtet Paul Wolf. Dies sei aber nicht erforderlich gewesen. Berichte über Verletzte liegen der Polizei nicht vor. Am Walchensee war das Unwetter übrigens nicht so heftig. Es gab Regen und Wind, aber augenscheinlich keine Sachschäden.
Hilfe gesucht: Die Gemeinde Benediktbeuern, die am schwersten getroffen ist, bittet darum, dass sich Zimmerer, Dachdecker, Glaser und andere Handwerker melden. Die Hotline hat die Nummer 0 88 57/69 13 34, Mail stadler@benediktbeuern.de
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