VonSebastian Grauvoglschließen
Seit 35 Jahren wartet das Sondergebiet Fremdenverkehr an der Stolzenbergstraße in Neuhaus auf eine Nutzung. Jetzt liegt eine Anfrage für ein „Gesundhaus“ samt Hotel und Chalets vor.
Schliersee – Taufrisch ist der Bebauungsplan Stolzenbergstraße nicht mehr. Seit 1983 schreibt das Werk für die drei insgesamt 12 250 Quadratmeter großen Grundstücke in Neuhaus eine Nutzung als Sondergebiet Fremdenverkehr vor. Bislang existiert diese Nutzung aber nur auf dem Papier. „Seit 35 Jahren ist da nichts passiert“, sagte Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) nun im Schlierseer Bauausschuss.
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Es ist nicht so, dass es keine Interessenten für das sogenannte „ARAG-Grundstück“ gegeben hätte. Immer wieder seien Anfragen für eine Wohnbebauung im Rathaus aufgeschlagen, berichtete Schnitzenbaumer. Da sie aber nicht zu den Zielen der Gemeinde – nämlich einer touristischen Nutzung des Areals – passten, habe sie der Bauausschuss samt und sonders abgelehnt. Kürzlich sei mal wieder ein Investor bei ihm vorstellig geworden, berichtete der Rathauschef. Das Konzept ließ ihn aufhorchen: Es gehe um einen „Ort der Erholung, um Gesundheit, Gesundwerden und Gesundsein mit der ursprünglichen Natur zu verbinden“, trug Bauamtsleiterin Birgit Kienast im Bauausschuss vor.
Mehrere Bausteine seien geplant: ein „Gesundhaus für die Heilung des Menschen in seiner Gesamtheit“, ein biologisch ausgerichtetes Hotel mit Verkostung regionaler und saisonaler Angebote, ein Gebäude mit Apartments (zum Beispiel für Familien mit Kindern) sowie fünf bis sechs „einfache Chalets“ als Rückzugsort und gegebenenfalls für Teilnehmer von Seminaren oder Workshops. Die Gebäude sollen sich an „Materialien und Farben aus der Umgebung“ orientieren und einen „dörflichen Charakter“ erhalten. Für die Umsetzung werde ein „renommiertes Architekturbüro“ sorgen, das über „nachhaltige Erfahrung im ökologischen und ganzheitlichen Bauen“ verfüge.
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Von betriebswirtschaftlichen Zwängen befreit ist das Vorhaben dennoch nicht. Deshalb habe der Antragsteller im Rathaus angefragt, ob eine Erhöhung der im Bebauungsplan vorgegebenen Grundflächenzahl (GRZ, diese gibt den Anteil der überbauten Fläche auf dem Grundstück an) von 0,15 auf mindestens 0,2 möglich sei. Dies sei erforderlich, um die Wirtschaftlichkeit des Projekts zu gewährleisten, erklärte Kienast.
Aus Sicht des Bürgermeisters könne man die GRZ-Erhöhung durchaus in Aussicht stellen. „Wenn es einer touristischen Nutzung entspricht“, sagte Schnitzenbaumer einschränkend hinzu. Auch Gerhard Krogoll (CSU) sah kein Problem. „Das ist ja ein riesiges Grundstück.“ Allerdings müsse sich das Vorhaben schon in die bauliche Umgebung in Neuhaus einfügen. Berater und Architekt Heinz Blees riet den Ausschussmitgliedern dennoch zur Vorsicht. Er empfahl, sich erst einen detaillierten Plan vorlegen zu lassen. „Das ist ein Büro, das gerne wilde, moderne Sachen zeichnet“, sagte Blees. „Das müsste man sich erst mal anschauen.“
Unter diesen Voraussetzungen segnete das Gremium die GRZ-Erhöhung auf 0,2 mit 6:1-Stimmen ab. Nun ist es am Antragsteller, die Planungen konkret werden zu lassen – und damit das Sondergebiet Fremdenverkehr nach 35 Jahren endlich mit Leben zu füllen.
