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Das soll der Start einer Bier-Revolution werden. Brauerei-Chef Steffen Marx strebt einen Bürgerentscheid für sein Giesinger Bräu an. Er braucht jetzt erst einmal rund 30.000 Unterschriften von Bürgern und will so auf die Wiesn.
Giesinger Bräu wird heuer 20 Jahre alt – und will endlich bei den Großen mitspielen! Bräu Steffen Marx (48) will seit Jahren sein Bier auf der Wiesn verkaufen. Das hat bisher noch nicht geklappt – nun erhöht er den Druck!
Am Donnerstagabend (19. Februar) verkündete der Giesinger-Chef beim Anstich seines Starkbierfests, dass er einen Bürgerentscheid anstrebt – das sagte er auf der Bühne, im Beisein von OB-Kandidat Clemens Baumgärtner (CSU) sowie Grünen-Politiker Sebastian Weisenburger und SPD-Mann Lars Mentrup. Die Gretchenfrage ließ Marx an die Wand projizieren: „Bist Du dafür, dass die Landeshauptstadt München ab 2027 auch den Ausschank von Bier der Brauerei Giesingerbräu auf dem Münchner Oktoberfest erlaubt?“ Anzukreuzen mit Ja oder Nein.
Ein dickes Buch mit leeren Seiten
Es war kurz nach 19.30 Uhr, als Marx ein dickes Buch mit leeren Seiten auf die Starkbier-Bühne brachte. Es habe immer geheißen, er müsse einen Antrag stellen, um auf sein Bier auf der Wiesn ausschenken zu dürfen. „Und den Antrag haben wir heute dabei!“ Eben die Unterschriftensammlung, das Bürgerbegehren.
Danach fragte der Giesinger-Boss die Politiker Baumgärtner, Mentrup und Weisenburger, ob sie unterzeichnen wollen – und alle drei wollten. Wenig später zapfte Baumgärtner, seines Zeichens auch ehemaliger Wiesn-Chef, dann das erste Fass mit vier Schlägen an.
Auch Wiesn-Wirte unter den Gästen
Neben einigen weiteren Stadträten waren auch die Wiesn-Wirte Kathrin Wickenhäuser-Egger und ihr Mann Alexander Egger (Münchner Stubn) zu Gast.
Baumgärtner blieb bei der alkoholfreien Mass: „Ich bin mitm Auto da.“ Ob er Giesinger gern auf der Wiesn trinken würde? „Das müssen andere entscheiden.“ Ungewohnt vage. „Nach dem 8. März bin ich dann meinungsstärker“, sagte er grinsend vorm Anzapfen (am 8. März ist OB-Wahl).
Bisher gibt‘s auf der Wiesn nur Augustiner, Hacker-Pschorr, Hofbräu, Löwenbräu, Paulaner und Spaten. Voraussetzung für den Ausschank ist etwa, dass das Bier mit Wasser aus dem Münchner Stadtgebiet gebraut wird. Marx ist den sechs Traditionsbrauereien seit Jahren auf den Fersen, er hat etwa einen Tiefbrunnen auf Stadtgebiet bohren lassen. Und beim Starkbierfest im „Werk 2“ seiner Brauerei in Milbertshofen kann er rund 1000 Gäste versorgen.
Marx probiert‘s schon seit Jahren
Marx zu unserer Redaktion über das Bürgerbegehren: „Unser Anwalt hat erst vor ein paar Tagen das Go für diese Aktion gegeben. Wir haben die Fragestellung geprüft, sie ist rechtssicher. Jetzt wollen wir den Schwung vom OB-Wahlkampf mitnehmen.“
Jetzt sind etwa 30.000 Stimmen nötig
Marx sagt, er benötige nun etwa 30 000 Stimmen – und er glaubt, das klappt. Er will Listen in seinen Gasthäusern und Stehausschänken auslegen, auch beim Starkbierfest. Sollten genug Leute unterschreiben, müsste der Stadtrat einen Bürgerentscheid durchführen lassen. Dann wären zehn Prozent der Stimmen aller Wahlberechtigten nötig, also rund 100 000. Und sollte die nötige Mehrheit zusammenkommen, würde Marx zuerst nicht auf ein eigenes Wiesn-Zelt pochen: „Wir beliefern gerne auch einen Wirt.“
Kann Giesinger genug brauen?
Ob Giesinger die für die Wiesn benötigte Biermenge liefern kann, daran zweifeln einige – auch bei der Stadt. „Wir schenken bereits eigenes Festbier für unser Starkbierfest aus“, sagt Steffen Marx. „Das wird schon heute streng nach den Vorgaben für Oktoberfestbier gebraut.“ Er ist sicher, dass er ein Bierzelt mit 2500 Plätzen versorgen könnte.
Die Wiesn 2027 soll am 18. September starten. Tags drauf feiert Steffen Marx seinen 50. Geburtstag. Läuft alles nach Plan, könnte er den auf dem Oktoberfest begehen – nicht als Gast. Sondern als einer der ganz Großen auf der Wiesn.
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