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In München fehlt es an öffentlichen Toiletten - sagen Viertel-Politiker und Vertreter des Seniorenbeirates. Nun fordern sie einen WC-Gipfel.
München - Wer mal muss, kann nicht überall – in München mangelt es an öffentlichen Örtchen. Das Problem ist hinlänglich bekannt, im Bezirksausschuss (BA) Altstadt-Lehel ist das Toiletten-Thema wieder auf dem Tapet gelandet. Und der Deckel ist noch lange nicht drauf: Das Viertel-Gremium ruft andere BAs zu einem Toilettengipfel auf, um die Problematik intensiv zu diskutieren.
Zu wenig öffentliche Toiletten in München: Grünen-Politiker spricht von verheerender Situation
Eigentlich sind die Regeln für die Platzierung von stillen Orten in der Öffentlichkeit ja klar: Laut Verwaltung muss es im Umkreis von 500 Metern mindestens eine Toilette geben. Das sei aber zu wenig, sagt SPD-Sprecherin Julia Rothmayer. „Wir brauchen hier definitiv eine Verdichtung. Man könnte sich Paris als Beispiel nehmen, hier sind die typischen hellgrauen öffentlichen Toilettenhäuschen im ganzen Stadtgebiet kostenlos, jeden Tag geöffnet und auch für behinderte Personen und Rollstuhlfahrer geeignet.“
Die Öffnungszeiten der Örtchen stelle in München tatsächlich ein Problem dar, sagt Phillipe Louis (Grüne). „Das ist verheerend, da in der Altstadt sehr viele Menschen speziell im Sommer auch abends und nachts unterwegs sind und dann im Zweifelsfall ihre Notdurft einfach irgendwo im öffentlichen Raum verrichten.“
Zu wenig öffentliche Toiletten in München: Baureferat hat keine weiteren finanziellen Mittel
Dabei gibt es auch Verständnis für die Schwierigkeiten, flächendeckend neue Klohäuschen zu errichten. Es sei kompliziert, weil der Bau neuer Anlagen sehr kostenintensiv sei und niemand sie vor seiner Haustür haben wolle, sagt Hans-Gerd Angele vom Seniorenbeirat. Doch für ihn ist klar: „Es muss mehr öffentliche Toiletten geben. Vor allem für Senioren ist es wichtig, nicht erst größere Distanzen zurücklegen zu müssen, um ein Klo zu finden.“
Die WCs in München liegen je nach Örtlichkeit in der Zuständigkeit des Baureferats oder der LHM Services GmbH. Weitere Toiletten betreibt die Deutsche Bahn in ihren Bahnhöfen. „Ziel des Baureferates ist es, das Angebot an Toiletten sukzessive und bedarfsgerecht auszubauen“, sagt ein Sprecher auf Anfrage unserer Zeitung. Das Baureferat allein betreibt 150 Toiletten, der Stadtrat hatte 2019 den Bau weiterer Anlagen an 29 Standorten beauftragt. 2020 sind zwölf fertiggestellt worden. Dieses Jahr sollen vier weitere WCs errichtet werden. Mehr ist wohl nicht drin: „Da mit den Haushaltsmitteln nur die mit dem Beschluss festgelegten Anlagen realisiert werden können, verfügt das Baureferat aktuell über keine finanziellen Mittel zur Errichtung von weiteren Toiletten.“ Dario Weber, Sascha Karowski
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