VonSilke Schederschließen
Der Stromausfall am Donnerstagmittag war kurz, sorgte aber für nicht unerhebliche Auswirkungen. Und für Angst bei so manchem Bürge, kein warmes Mittagessen zu bekommen.
Bad Tölz-Wolfratshausen – Der Herd in der Küche, der Computer im Büro und die Ampeln auf der Straße: Nichts ging mehr am Donnerstagmittag in Bad Tölz und Umgebung. Gleich zwei große Netztransformatoren im Umspannwerk im Scharwinkel waren um 12.20 Uhr plötzlich ausgefallen. Nach Angaben von Netzbetreiber Bayernwerk waren etliche tausend Haushalte ohne Strom.
Die Ursache war bis Redaktionsschluss unklar. „Es ist sehr, sehr selten, dass gleich beide Transformatoren vom Netz gehen“, sagt Bayernwerk-Pressesprecher Maximilian Zängl. Fällt einer von beiden aus, kann die Stromversorgung eigentlich über den zweiten gesichert werden. Das war in diesem Fall aber nicht möglich. Ebenfalls ungewöhnlich: Nach nur sechs Minuten funktionierte der erste Trafo um 12.26 Uhr wieder ohne Probleme. Der zweite nahm um 12.32 Uhr wieder seinen Betrieb auf.
Diese kurze Zeit reichte, um in der Region einiges aus dem Gleichgewicht zu bringen. Etliche Brandmeldeanlagen hatten laut Stadtwerke-Chef Walter Huber durch den Stromausfall Alarm ausgelöst. Bis in den Nachmittag hinein waren Techniker damit beschäftigt, den Normalzustand wiederherzustellen. Sie mussten unter anderem auch Wasserkraft- und Trinkwasserpumpanlagen sowie die Heizkraftwerke am Hoheneck und auf der Flinthöhe wieder in Betrieb zu nehmen. Zu Verkehrsunfällen durch ausgefallene Ampeln kam es nach Auskunft der Polizei glücklicherweise nicht.
Nagel in Wand geschlagen: Bürger fühlt sich schuldig
Trotz des hohen Stresslevels am Donnerstag hat Stadtwerke-Chef Huber seinen Humor nicht verloren: Ein Bürger, erzählt er, habe angerufen und gefragt, ob er schuld am Stromausfall sei. „Er hatte einen Nagel in die Wand geschlagen.“ Andere Anrufer sorgten sich Huber zufolge vor allem darum, was aus ihrem warmen Mittagessen wird. Huber nimmt solche Sorgen ernst, verweist aber auch auf deutlich größere Probleme. Das Tölzer Krankenhaus verfüge zwar über ein Notstromaggregat. „Auf dem OP-Tisch möchte ich bei einem Stromausfall trotzdem nicht liegen.“
Ebenfalls nicht lustig: Eine junge Frau saß im Tölzer Josefistift für kurze Zeit im Aufzug fest. Heimleiterin Bettina Emmrich zufolge setzt so ein Stromausfall auch den Bewohnern zu: Es sei schon beunruhigend, wenn plötzlich die Brandschutztüren zugingen.
Es war bereits der zweite große Stromausfall heuer in Bad Tölz. Bereits am 3. Juni gab es für rund 30 Minuten keinen Strom in der Kurstadt (wir haben berichtet). Schuld war damals ein Defekt an einem Kabel im Umspannwerk. Ob es sich diesmal erneut um einen technischen Defekt oder um menschliches Versagen handelt, will Netzbetreiber Bayernwerk in den kommenden Tagen herausfinden. Sprecher Zängl wirbt um Verständnis: „Die Netz-Infrastruktur steht unter einer hohen Belastung.“
Fest steht laut Stadtwerke-Chef Huber, dass beide Stromausfälle während Umbaumaßnahmen am Umspannwerk – der „Steckdose von Bad Tölz“ – aufgetreten sind. „Das ist lästig, ich will aber niemandem die Schuld geben.“
Schäden an Haushaltsgeräten können vorkommen
Nicht nur lästig, sondern richtig ärgerlich ist es, wenn es nach einem Stromausfall zu Schäden an Haushaltsgeräten kommt. Eigentlich müssen die zwar so gebaut sein, dass solche Spannungsschwankungen ihnen nichts anhaben können. „Die Erfahrung zeigt jedoch, dass es vereinzelt zu Schäden an meist älteren Geräten kommen kann“, sagt Bayernwerk-Sprecher Zängl. Fernseher können ebenso betroffen sein wie Telefonanlagen. Geschädigte wenden sich Zängl zufolge im Zuständigkeitsgebiet der Stadtwerke Bad Tölz an das dortige Servicezentrum. Im Rest vom Landkreis ist das Bayernwerk-Kundencenter in Penzberg zuständig (Penzberg@bayernwerk.de).
Wie die Kollegen vom Isar-Loisachboten berichteten, kam es erst vor wenigen Tagen im Umspannwerk in Geretsried zu einer ähnlichen Störung. Etwa 10 000 Haushalte in Geretsried, Dietramszell, Eurasburg, Königsdorf und Eglfing saßen am 9. November für rund 20 Minuten im Dunklen. Auch an diesem Tag war ein Netztransformator der Bayernwerk Netz GmbH ausgefallen.
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